In Unterseiten aufgeteilt: 1:
Einleitung:1.1 1.2 1.3 1.4 Der Krieg gegen die
Bausubstanz:1.5 1.6 1.7 1.8 1.9 1.10 1.11
Kapitel 1: Projektentwicklung:1.12
Kapitel 2: Bauvorbereitung1.13 1.14
Kapitel 3: Funktions-, Entwurfs-, Ausführungs- und Kostenplanung:1.15
Kapitel 4: Konstruktionsplanung:1.16
Haustechnikplanung:1.17
Altbaugeeignete Reparaturverfahren und Alternativen zu zerstörerischen
Sanierverfahren 1 2.2
Kapitel 5: Maßnahmen- und Kostenplanung
Kapitel 6: Bauablauf
Kapitel 7: Planungsvoraussetzungen
Darüber hinaus könnte der Befund mit allen Bau- und Verfallsphasen in untergeordneten Nutzungsbereichen oder im musealen Umfeld auch übernommen werden. Manchmal ist eine "Normalsanierung" überhaupt nicht finanzierbar. Dann schlägt die Stunde dieser ultima ratio als letzter Ausweg. Mit den unaufschiebbaren Notsicherungen und Bewerkstelligung einer konservierenden Hüllflächentemperierung auf geringstem Technik- und Betriebskostenniveau - kann wertvolle Bausubstanz entweder "eingemottet", oder eben für reduzierteste Nutzung oder museumsähnliche Veranschaulichung instandgesetzt und so mit geringstem Budget erhalten werden.
Weißenfels-Geleitshaus: Mit Bauwerks-Zentralperspektiven
können Trassenüberlagerungen und Raumgestaltungen eindeutig auf
Bestandskonflikte geprüft werden. Außerdem erhält der Bauherr
rechtzeitig einen Eindruch vom Planungsergebnis. Dazu braucht es keine
aufwendige CAD-Software, sondern wenige Zeichenstunden.
Natürlich unterliegt das denkmalgerechte Entwerfen keiner festgeschriebenen Vorschrift, sondern dem Wandel diesbezüglicher Ansichten. Das Entwerfen gerade in gestalterischer Hinsicht ist ein spannungsgeladener Prozeß. Schnell ist der Planer, der Bauherr oder "die Denkmalpflege" verschnupft, erscheint der jeweils eigene Standpunkt gefährdet. Die Frage nach zulässigem Eingriff, nach vertretbarem Gestaltwandel oder nach dem neubaubedingten Bestandsopfer muß immer wieder neu entschieden werden.
In der Praxis spielt der Umgang mit dem historisch gewachsenen Erscheinungsbild der Bauteiloberflächen bzw. Fassaden eine wichtige Rolle. Soll konservierend überputzt, übermalt oder überschlämmt werden, was der nationale Historismus steinsichtig herauspräparierte? Was soll geschehen mit der durch Zementfugen, Wasserglasfixativ und Kunstharzkleistern mißhandelten alten Fassade? Soll alles unter einem Leichentuch aus frottiert-gewaschelten Pseudokalkputzen und überdichten Kalkersatzanstrichen bzw. hydrophobierten Synthetik-Kalklasuren verschwinden? Sind teils festsitzende Zementmörtel immer zerstörerisch herauszuschlagen? Wer verantwortet die damit einhergehenden Kostensteigerungen und Substanzverluste? Müssen historisch fragmentierte Zustände frech und zusammenhanglos für sich nebeneinander dargestellt, vielleicht sogar verlustreich freigelegt werden? Das Denkmal als Kaleidoskop oder in einheitlich gefälschter Fassung von Anno niemals?
Auch die zurückliegende Restaurierungsgeschichte verdient Respekt. Wenn wir dem Bestand gegen den weiteren Verfall helfen, nur wo am Notwendigsten etwas reparieren, kostet das wenig Geld und wenig Substanz. Ein Gestaltwandel, gar Fassadenneualtentwurf muß also nicht immer und unbedingt sein - die "originalgetreuen" Erfolge der interpretierenden Denkmalpflege sind und bleiben Luxusbau. Vielleicht gelingt alternativ und naturbelassen sogar ein ausstellungswürdiges Museumsexponat mit mehr Geschichte, als mancher Vitrinenfüller. Der Altbau selbst ist auch mit einigen Metern Rissverschlüssen aus Kalkmörtel zufrieden. Ein kosten- und geschichtsbewußter Bauherr auch.
Wenn es um Kostensparen geht, muß selbstverständlich auch die Eigenleistung des Bauherren im Sinne von Do-It-Yourself berücksichtigt werden. Im Studium ist das ebenso wie die Gewerkleistung des Handwerkers sozusagen "kein Thema". Umsomehr interessiert es den privaten, teilweise auch den öffentlichen Auftraggeber als effektive Methode zur Kostensenkung. Hier braucht der Bauherr verständige Anleitung, denn die Eigenleistung muß ebenfalls fachgerecht geplant werden. Einerseits dürfen ihre Möglichkeiten nicht überschätzt werden, denn sonst bricht das Finanzierungskonzept in sich zusammen. Zur Eigenleistung gehören ja auch die realistischen Kosten für Werkzeug, Transport und Baustoffe. Viele Baustoffhersteller verkaufen nur an Firmen bzw. über den Baustoffhandel und derartige Baumaterialien sind dann nicht beim Baumarkt erhältlich sondern müssen zu wesentlich teureren Preisen vom Handwerker bezogen werden. Außerdem erhalten Handwerker als Großeinkäufer wiederum oft wesentlich bessere Preise als ein Bauherr mit seinen Kleinmengen.