und
BaustoffeKapitel 3+4+5
Seite in Unterkapitel aufgeteilt:
Fensterprobleme:[1] [2] [3] [4] [5] [6] [7] Holzanstrich:[8] [9] [10]
Fensterbestandsaufnahme + Instandsetzungsplanung: [11] [12] [13] [14] [15] Holzschutz:[16] [17] [18]
(aktualisiert 9.04.09)
1. Fensterglas, Wärmestrahlung und Schallschutz
Die Wärmestrahlung im maßgeblichen Wellenlängenbereich ab etwa 2,7 Mikrometer kann Fensterglas nicht wie Licht durchdringen, sondern wird teils reflektiert und absorbiert (mit anschließender Emission von der erwärmten Scheibenoberfläche auch in den Raum zurück).
Hierzu eine erläuternde Grafik von Prof. Claus Meier:
(weitere Erläuterung hier)
Auch deswegen leisten teure Doppelverglasungen trotz aller U-Wert-Beschwörungen keine spürbare bzw. gar wirtschaftlich sinnvolle Verminderung des Heizwärmeverbrauchs. Sobald die Bausanierung bzw. die Neubauheiztechnik auf die Hüllflächentemperierung setzt, spielt ja die Strahlungswärme und nicht der Wärmeverlust durch Konvektion eine noch größere Rolle als im konvektionsgeheizten Raum (Energie in der Raumluft/Wärmestrahlungsenergie aus Innenwand, Boden und Decke = ca. 1/360 bis 400!) Es kommt also vor allem auf das Verhalten der Abkühlflächen gegenüber der Licht- und Wärmestrahlung an, wenn wir die Energieverluste korrekt - und nicht wie die Industrie-Bauphysik auf Marginalien fokussiert - betrachten wollen.
Vergleiche aus der Praxis belegen, daß der Energieverbrauch in Wohnungen mit Einfachglas und Wärmeschutzglas identisch ist (z.B. Energiesparen an Baudenkmälern, Tagung des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz, Bonn 2002, Diskussionsbeitrag), wobei auch bei Einfachfenstern die meßbare Innentemperatur der Glasoberfläche sehr nahe bei der Wandtemperatur liegt. Es kommen ja auch wesentlich mehr kostenlose Solarenergiegewinne mittels Licht durch das Einfachfenster, die sich raumseits in Wärmestrahlung verwandeln. Und das Abstrahlverhalten einseitig erwärmter Gläser geht bekanntermaßen (schon gewußt?) wieder ganz überwiegend in Richtung der Wärmequelle zurück, was sich die Heizglastechnik raffiniert zunutze macht und damit Wärmeverluste nach draußen gering hält.
Wer also zum Austausch oder Aufdoppeln der alten Einfachfenster oder Neueinbau von Doppelscheibenfenstern rät, muß hinzufügen: Nicht aus energetischen Gründen, nicht zum Energiesparen! Denn wieso kam es in der guten alten Zeit zur Erfindung von Kastenfenstern? Weil den besseren Herrschaften in der Bel Etage der Pöbel auf dem Pflaster vor der Hütte zu laut lärmte und das Vornehmsein der aufgestiegenen Bourgeoisie störte. Kastenfenster leisten freilich das Allerbeste betr. Schallschutz. Neben der massiven Wand. Auf dem flachen Land war das kein Problem. Wo es winters zu sehr pfiff und wehte, behalf man sich bestenfalls mit Läden oder Winterfenstern. Auch die sind auch heute noch sinnvoll. Notfalls als Witterungsschutz für den historischen Einfachfensterbestand. Und wenn es sommers auf der Südseite zu sehr reinscheint und man sich darüber nicht freut, sondern konstruktive Abhilfe schaffen will, helfen Klappläden nach historischem Vorbild oder eben Markisen in München als Sonnenschutz genauso wie in Hamburg oder der Südseite der Eiger-Nordwand. Meinetwegen auch Klappläden, Jalousien, lichtdichte Vorhänge, Sonnenschutzsegel oder Vordächer, Rolläden / Rollos oder sich in den Schatten setzen. Auf keinen Fall braucht es immer Sonnenschutzglas in neuen Fenstern. Es sei denn, Sie haben ein modernes Glaskisterl vom modernen Architekturlieferanten, der auch für sonstigen Bauluxus bürgt.
Themenlink: Strahlungswärme und Konvektion am Fensterglas
Weitere Belege für Undurchlässigkeit von Fensterglas für Wärmestrahlung:
"Für sichtbares Licht ist die Durchlässigkeit besonders hoch; daher ist Fensterglas durchsichtig. Für langwellige Infrarotstrahlung aber ist Fensterglas nahezu völlig undurchlässig. Würden unsere Augen nur in diesem Bereich sehen, wäre Fensterglas so undurchsichtig wie eine Mauer aus Stein."aus: www.weltderphysik.de/de/4587.php
"Glas ist für sichtbares Licht transparent. Im Empfindlichkeitsbereich der Infrarotkamera (8-12 µm) lässt Glas keine Wärmestrahlung durch, ein Effekt den man in Treibhäusern benutzt." aus: solarsystem.dlr.de/Missions/SOFIA/irexperimente.shtml
2. Fensterglas und Raumluftfeuchte
Immer kann und soll es bei guten "Normal"-Fensterkonstruktionen zur Kondensation an der äußeren Glasscheibe kommen. Eine 4-Personen-Haushalt gibt täglich ca. 6-15 Liter Wasser an die Raumluft ab, das muß raus! Einfachverglaste Fenster haben besseren Fugendurchlaß gegenüber trockener Außenluft und führen überschüssige Raumluftfeuchte sicherer ab als Stoßlüftung - bei entsprechend geringerer Kondensatgefahr. Was dann an der Glasfläche als Sollkondensator aus überschüssiger Raumluftfeuchte niederschlägt, ist ohne großen Aufwand wegzuwischen, im Extremfall in der bewährten Rinne zu sammeln oder, da es sofort auffällt, durch Fensteröffnung schnell abzulüften. Nur große Schlaumeier wissen alles besser, investieren deswegen teuer Geld in "moderne" Fenstermißgeburten, pressen zwangsläufig die Luftfeuchte in die Außenwände und züchten damit Schimmel ohne Ende mit viel Streit vor Gericht. Der Meister hat es so beraten. Spricht man ihn darauf an, sagt er: Ich weiß daß es Mist ist, aber der Kunde hat danach verlangt. Was soll ich da machen?
3. Raumluftfeuchte und Heizwärmebedarf
Geringe Luftfeuchte heißt auch deutlich bessere Heizenergieausbeute, das dürfte ja bekannt sein. Je geringer die Raumluftfeuchte, mit umso geringerem Energieeinsatz erhalten Sie dann ein warmes Stübchen und umso weniger Energie - ganz im Sinne der EnEV, oder wat? - verschwenden Sie beim Ablüften verbrauchter Luft. Außerdem halten alle Fenster-Anstrichsysteme abhängig von der Kondensatbelastung mehr oder weniger lang. Raumseits gilt das auch für die Raumschalenverschmutzung, die bei entsprechenden Durchfeuchtungen besonders der mit Kunststoffdispersion - elektrostatisch staubanziehend - gestrichenen Wände stark zunimmt.
4. Fensterkonstruktion und Kondensat
An doppelverglasten Fenstern wird der Kondensatärger mehr und mehr:
5. Fensterkonstruktion und Gesamt-Wirtschaftlichkeit
Ob das Nachbessern alter Einfachfenster tatsächlich energetisch/hygienisch/wirtschaftlich/technisch Sinn macht, ist also mehr als fraglich. Dies gilt auch für die unsinnige Lippendichtung und Isoliergläser in klassischen Fensterkonstruktionen wie Verbund- und Kastenfenster. Man muß eben die Folgen bedenken und nicht kritiklos das Industrie-/"Experten"-Geschwafel nachbeten.
Mit Einfachfenster Energiesparen? Kontroverse Diskussion im Fachwerkforum