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Konrad Fischer: Altbauten kostengünstig sanieren Konrad Fischer
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Altbautaugliche Verfahren und Baustoffe
Kapitel 9+10:

Rißbildung im historischen Mauerwerk [15]

Seite in Unterkapitel aufgeteilt - Naturstein:[1] [2] [3] [4] [5] [6] Steinboden:[7] Reinigungstechnik:[8] Wand:[9] [10] [11] [12] [13] [14] [15] Fachwerk:[16] [17] [18] [19] Bodenaufbau/Holzboden:[20]

Bemerkungen zur Rißbildung in historischem Mauerwerk
Was der Rißbesitzer wissen sollte und vielleicht nicht weiß

Klar, daß Mischbauweisen im Mauerwerk bei stark unterschiedlicher thermisch (Temperaturänderung) und/oder hygrisch (Wasseraufnahme und -abgabe) bedingter Verformung (Dehnen, Quellen, Schwinden, Schrumpfen), aber auch "lange" Fassaden zwangsläufig Risse bekommen müssen. Es muß ja nicht immer porosierter Stein, modernes Mauerwerk ohne Vermörtelung der Stoßfugen bzw. vollfugige Vermörtelung, Steckerlesbauweise, also Holzständerwerk mit Dämmgefache oder gar WDVS sein, oft genügt schon ein Stahlbetonsturz oder ein Natursteinsturz im weicheren und sich weniger ausdehnenden Ziegelmauerwerk. Wir kennen die Risse beispielsweise als die ganze Wand durchziehende Mauerwerksrisse, bevorzugt auch durch die Öffnungsachsen und die dort anzutreffenden Bauteile - Sturz, Rolladenkasten und Brüstung. Aus schnee- und windlastbedingten Dachverformungen, aber auch aus vermorschten aufliegenden oder einbindenden Balkenauflagern, überhöhtem Gewölbeschub und auch dem Schwinden und Kriechen und Schüsseln der aufliegenden Stahlbetondecke können ebenfalls Risse im Mauerwerk entstehen. Vorbeifahrender Schwerverkehr oder Bergbau bieten dagegen externe, nicht unbedingt aus der Bausubstanz stammende Rißursachen, die sich freilich je nach Baustruktur mehr oder minder auswirken können - viel, aber nicht alles ist möglich.

Wichtig ist natürlich auch die Frage, ob die sichtbaren Risse bzw. Rißnetze oder Einzelrisse oder eben wunderliche Rißsysteme ihre Ursache in Mauerrissen / Wandrissen haben, oder nur das Ergebnisse genialer Putzer sind, die den bockelhart erhärtenden Zementmörtel auf dafür allzuweichen kalkvermauerten und / oder luftkalkverputzten Untergrund draufschmierten? Oder auch Luftkalkmörtel so schlau verarbeiteten, daß er das Maximum an aufbrennbedingten Rissen bekommt. Oder hydraulische Zementmörtel auf sulfatbelasteten Untergrund brachten und damit Treibmineralbildung (Ettringit) provozierten, die nun alles aufreißt und absprengt. Oder eben auch mit Hydraulmörtel in gipsbelastetes oder Gipssteinmauerwerk oder eben sulfathaltig vermörtelte Bausubstanz reinbrachten, oder, oder, oder - wie es eben hier und da und dort und eigentlich überall bewährteste Baupraxis von Bauexperten, alten und heurigen Bau-Hasen und natürlich auch von Sach- und Schwachverständigen ist. Hauptsache, der industrieproduzierte Werktrockenmörtel oder zementäre/traßhaltige Injektionsmörtel verkauft sich gut und das lecker Weihnachtspäckchen stimmt. Beliebt sind auch Sackrisse, die aus dem Absacken der zu dick und/oder zu wasserhaltig aufgetragenen Frischmörtelschichten herrühren.

Ein besonderes Thema sind Mauerwerksneigungen, Grundbruch und Risse aus nicht ausreichend belastbarem Baugrund. Dies kann seine Ursache in Erbauung auf von vorneherein ungenügend tragfähigem Baugrund wie am schiefen Turm in Pisa oder die bekanntermaßen gern verrottenden alten Holzrost- oder -pfahlsysteme haben.

Aber auch spätere Ereignisse wie Baugrundausspülung dank undichter Grundleitungen, veränderter Grundwasserströme oder oberflächenbedingter Wasserzuführung muß hier in Erwägung gezogen werden. Erst im 19. Jahrhundert kamen ja hierzulande die nachträglich in die Straßen eingebrachten Kanalsysteme für Wasser und Abwasser auf. Undichte Rohrverbindungen und Hausanschlüsse sowie Verwendung nicht ausreichend verdichtungsfähiger bzw. dank fauler Bauarbeiter gar nicht oder nur kaum verdichteter Schüttungen bei Wiederverfüllung der Leitungsgräben mit resultuierender statischer Überlastung und Beschädigung der Rohre können hier die bemerkenswertesten und ständig weiterwachsenden Schadensbilder herbeiführen.

Für alle Fälle ist ein wesentlicher Gesichtspunkt, ob sich vorhandene Risse dynamisch-beweglich oder gar fortschreitend öffnend verhalten. Solche Fragen lassen sich mit etwas Zeit und einfachster Rißplombe aus Gips bis hin zu ausgeklügelsten Beobachtungssystemen / Rißmonitoring herauskriegen. All diese Problemfelder wollen gar säuberlich auseinanderdividiert werden, bevor es ans Eingemachte geht:

Rißsanierung am aufgehenden Mauerwerk, Sanierung aufliegender Tragsysteme aus Holz bzw. der Deckengewölbe oder eben Grundleitungs- und Fundamentsanierung durch verbessernde Zutaten wie Unterfangungen, Pfahlsysteme, Stopf- und Expansionsverfahren usw. usf.

Alles kostet, und bestimmt am geringsten, wenn die vorhergehende technisch-konstruktive Bestandsuntersuchung unter Nutzung der erfolgversprechendsten Methoden (Marktübersicht!) zutreffend und das dann gewählte Sanierverfahren nicht auf die honorartreibend teuerste Variante (Marktübersicht!!) festgelegt ist. Was nämlich gar nicht so selten ist:

Man sieht ein paar Risse und alle von den Baukosten profitierenden Beteiligten - von den Ingenieuren, Architekten, sonstigen Planungsverantwortlichen bis zu den Gutachtern, Industrieberatern und Firmen empfehlen wie selbstverständlich - unter gräßlichstem Stirnrunzeln und oft auch professionell erscheinender Zuhilfenahme von Rißlupe oder Rißbreitenmesser - das Teuerste: Die Fundamentmaßnahme inkl. begleitende bzw. sonstige Brutalstteuerbauerei von Hydraulmörtelinjektionen zur Hohlraumschließung über Nadelanker zu nachträglichen Bohrpfahlgründungen. Daß vielleicht nur ein paar nach hunderten Jahren aufgerostete Versetzkeile oder schmiedeeiserne Maueranker im historischen (Natursteinquader-)Mauerwerk die Risse aufsprengten, daß die durch Dachausbau verborgenen Dachstuhlauflager morsch sind oder frühere Deckungsleckagen dort wüteten und das Dach deswegen rißbildend schiebt, daß es thermische Risse aus Temperaturbewegungen der fugenlos gebauten Baukonstruktion sind, daß irgendwo in die zementverfugte / zementverputzte Wand Wasser rein und bis zum Frostdruck nicht mehr rauskommt, daß ein paar allergünstigste Maßnahmen genau die Rißbildung in den Griff bekommen hätten, wer will das von diesen Beteiligten schon immer so genau wissen? Wie immer: Trau, schau, wem?

Unbedingte Voraussetzung einer erfolgreichen Rißsanierung - wenn sie denn überhaupt möglich ist, muß als die korrekte Rißanalyse sein. Und man darf wissen, daß ein Haarriß (Rißbraite bis 0,2 mm) oder ein Riß bis 0,3 mm in sorptionsfähigem Mörtel (kapillar leitfähig) eher kein Problem sind, da dort Wasser zwar rein, aber auch schnell wieder raus kommt. Kritisch wird das erst bei solchen Rissen in wasserhemmend oder wasserabweisend ausgerüsteten Untergründen bzw. Beschichtungen. Denn dann kommt Wasser zwar ein, aber eben nur schwer wieder raus. Diffusionsfähigkeit dürfen wir dann nämlich so gut wie vergessen. Und größere Risse sind allemal unschön, nicht nur in gestalterischer Hinsicht, sondern auch konstruktiv. Sind die Risse im verputzten Mauerwerk oder Gefach also putzbedingt (Sackriß, Schrumpfriß, Schwindriß), kommen sie aus dem Putzgrund (Kerbriß, Fugenriß, Wärmebrückenriß bzw. Wärmedehnungsriß, wärmedehnungsbedingter oder durch Wasseraufnahme oder Wasserabgabe bedingter "hygrischer" Schwundriß bzw. Dehnungsriß), aus dem Bauwerk selbst (Setzungsriß, Schubriß, Baufugenriß), oder handelt es sich wie so oft um Risse, die aus einem Zusammenspiel verschiedener Rißursachen entstanden und evtl. auch weiter entstehen? Und oft gibt erst die Beurteilung der Rißflankenverschiebung (Scherung - in Rißrichtung, Höhenversatz - parallel zum Untergrund, Verbreiterung - senkerecht zur Rißrichtung) und auch des Rißalters (Verschmutzung und allgemeiner Zustand der Rißflanken und des Rißverlaufes) den entscheidenden Hinweis auf die Rißursache. Und ob das dann auch ein gewährleistungspflichtiger Mangel oder gar Schaden ist, sollte am besten von einem Anwalt beurteilt werden, nur der kann nämlich die der Beurteilung maßgeblich zugrundeliegende Vertragskonstellation so beurteilen, daß sie dem "technischen Experten" nicht auf die Füße fällt. Auch die optische und technische Beurteilung wird oft stark auseinanderklaffen. Für einen Rißbesitzer kann nämlich eine von "harmlosen" Haarrissen durchzogene Putzfläche etwas ganz anderes sein, als für den Techniker.

Und dann muß ehrlicherweise ganz klar gesagt werden: Nicht jede Rißursache ist heilbar. Aber für jede Rißursache dürfte eine Maßnahme bereitstehen, die die schädigende Wirkung der Rißursache begrenzt oder beendet. Und sei es ein fachgerechter Kellenschnitt zwischen dem Gefacheputz und dem anschließendem Fachwerkbalken, mit dem die rißbedingten Putzabplatzungen zukünftig eingeschränkt oder auch ganz und gar verhindert werden.

Aber Vorsicht:

Heutzutage wird Ihnen von ganz übelmeinenden Scherzperten oft ein Wärmedämmverbundsystem / WDVS als rißkaschierende Saniermaßnahme empfohlen. Bitte fragen Sie dann nach, wie sich Polystyrol / Styropor / Dämmstoff thermisch dehnt, und auch der Untergrund und der Oberputz hinter und über dem Dämmstoff - egal ob armiert (Armierungsgewebe in Oberputzlage) oder nicht. Tipp: Da liegen Welten dazwischen. Und die Dämm-Plattenbauweise zeichnet sich dadurch aus, daß sie zwar am Untergrund angeklebert oder auch gedübelt ist, an allen Stoßfugen und Lagerfugen aber frei beweglich bleibt. Das erfreut die Risse! Ebenso wie alle thermoplastischen Anstrichsysteme (Gummihaut), die zwar Risse bis ca. drei Millimeter überbrücken können, dafür aber kein Wasser mehr aus der Fassade reinlassen - damit mehr Probleme an der Fassade stiften als lösen. Das kann auch bei den sonstigen industrieseits beworbenen UV-vernetzenden und kälteelastischen oder hochelastischen und gefüllten, vielleicht auch vliesverstärkten Dispersionsanstrichen, bei den dünnschichtig oder mittelschichtig organsichen oder auch mineralischen Armierungsmassen /Armierungsspachtelmassen inkl. eingebettetem Putzgewebe und sogar bei den für die Rißverschlämmung empfohlenen Silikatanstrichen und Siloconharzanstrichen der Fall sein. Derlei sperrende bzw. trocknungsblockierende Anstrichsysteme bzw. Beschichtungssysteme sind auch unter den Begriffen Dispersionsfarbe, Silikatfarbe und Silikonharzfarbe im Handel. Was aber wirklich zählt, wäre die Fähigkeit zur Kapillartrocknung, die ja 1000:1 im Verhältnis zur Trocknung mittels Dampfdiffusion steht. Doch wer aus der Polymer-Farbchemie will Ihnen das schon erzählen? ...

Glückauf den Rißbesitzern!

International Masonry Institute

Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie e. V.

buildingconservation.com: Brickwork; the Historic Development, Decay, Conservation & Repair

Hier weiter: [Kapitel 16: Fachwerk und Fachwerksünden]

Das meinen die Anderen:

Grundlagenwissen und Nachschlagewerke Bau: Bauentwurf / Baustofflehren / Bautabellen / Baustoffkenntnis / Baustoffeigenschaften / Bauphysik / Bauchemie / Alles zu Baustoffen:


Natursteinliteratur / Bücher über Naturstein-Restaurierung / Naturstein-Instandsetzung:


Ziegelliteratur / Bücher über Restaurierung / Instandsetzung von Ziegelbauten, Backstein-Bauten:


Fachwerkliteratur / Bücher über Fachwerkrestaurierung / Fachwerkinstandsetzung / Fachwerkreparatur / Fachwerkbau / Fachwerkhaus / Fachwerkgefüge (hier rezensiert):






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