Schlimm, daß aus der sogenanten "Zementberatung" zu den verschiedenen werkstofflichen Varianten der Betonsanierung so gut wie keine klaren, praxisgestützten Aussagen zur technisch besten Methode zu haben sind. Wie soll man die abgeplatzten Betonfehlstellen nun am wirtschaftlichsten sanieren - mit Spritzbeton, mit Zementmörtel, vielleicht chemiepampenveredelt? Was hält vergleichsweise am besten? Wie sieht es aus mit der Bildung sperrender Bindemittelhäutchen, für die die dispersionsvergüteten Reparaturmörtel leider nur unter Eingeweihten bekannt bzw. berüchtigt sind? Und was ist nun wirklich los mit dem Karbonatisierungsgeschehen unter craquelierten, gerissenen Kunstharz-CO2-Bremsen, die das eindringende Wasser eher zurückhalten als großzügig abtrocknen lassen?
So sieht das an einem öffentlichen Bauwerk aus nach ein
paar Jahren Freibewitterung.
Die schönsten Richtlinien zur Instandsetzung nutzen eben nichts, wenn die Praxisschäden dabei außer acht gelassen werden. Das haben wir ja schon bei der Überdeckungsnorm erlebt, die dann - als alles zu spät war - geändert wurde. Von 1,5 auf 3cm Überdeckungsvorschrift.
Grundsätzlich am besten funktioniert schon nach den Gesetzen der Physik die Ergänzung von Fehlstellen mit möglichst artgleichem Material. Also originalgetreue Sieblinie, Zementsorte und Mahlfeinheit. Oberflächenstruktur gem. Bestand. Das ist zwar zunächst etwas mühsamer, als die chemieversuppte Synthetikpampe aus dem Fertigtopf, spart aber nachfolgende optische Retusche und Plastikpelle. Und die Enttäuschung, wenn die dispersiv "vergütete" Pampe schnell kaputtgeht. Sie bildet nämlich beim schichtenweisen Auftrag trennende Plastikhäutchen, die den CSH-Phasen-dfinierten Haftverbund zwischen Neumörtel und Altuntergrund dolle mindern. Außerdem blockieren Plaste die Kapillartrocknung, sie lassen nämlich - da "diffusionsoffen" - eindiffundierendes Kondensat rein, aber das dann logischerweise daraus oder vom Anmachwasser oder dank Beregnung entstehende Porenwasser nur äußerst ungern wieder raus. Steht das schon im technischen Merkblatt? Hier zählt Erfahrung und eigenes Denken.
Was man wissen muß: Historische Zemente waren gröber und lieferten dank höherem Rezeptanteil bessere Alkalitätsreserven. Es gibt auch heute noch Lieferquellen dafür. Und wenn man Reparaturflicken mittels purem Hydraulmörtel einbringt, liefert die im technischen Sinn beste Originalnachstellung auch das konstruktv beste Ergebnis. Logo!
Ein weiteres kritisches Thema stellt sich beim Umfang der technisch gebotenen Voruntersuchung. Wieviel
Restüberdeckung mit alkalischer Rostschutzbremse (passivierte Oxidschicht) über dem Bewehrungsstahl ist noch
vorhanden, in welchem Korrosionsstatus befinden sich die Bewehrungseisen? Was muß dafür alles zerstörerisch
abgepickelt werden, um an den dann freiliegenden Eisenarmierungen die zutreffenden Feststellungen und
Schlußfolgerungen für den erforderlichen Sanierungsumfang zu treffen?
Wichtig ist hier als Kostenbremse der die unabdingbar erforderlichen Freilegungen begleitende Einsatz
zerstörungsfreier bzw. zerstörungsarmer Untersuchungsmethoden, die "elektrisch" funktionieren, wie der Einsatz
von induktiven Bewehrungssuchgeräten/Metallsuchgeräten/Metalldetektoren, die in gewissen Grenzen
die Ortung und Lage der Bewehrungseisen ermöglichen, oder die von der MPA Neuwied einsatzreif entwickelte Potentialfeldmessung zur
Feststellung der unterschiedlichen negativen elektrischen Potentiale der korrodierten und der noch alkalisch
passivierten Armierungseisen. Natürlich sind dabei die das Potentialfeld-Meßergebnis beeinflussenden
Randbedingungen wie Zusammensetzung, Chloridgehalt, Temperatur, Feuchtegehalt, Sauerstoffgehalt und Überdeckung
des Betons, Sauerstoffgehalt an der Bewehrung, Schichten/Beschichtungen mit hohem elektrischem Widerstand aus
Kunstharz/Synthetik/Hydrophobierungsmittel sachgerecht zu berücksichtigen und das Meßergebnis durch angemessene
Detailfreilegungen abzusichern, ohne das ganze Betonbauwerk dabei abzuschaben.
Wie immer gilt: Gute Voruntersuchung lohnt sich, mindert die Baukosten und führt zur kostensicheren Planung,
Ausschreibung und Abrechnung - sogar bei der Betonsanierung! Und wird dennoch allzuhäufig eingespart. Um
anschließend nach besten Kräften mit den verwüstendsten Ergebnissen kaputtsaniert und die Kostenexplosion
gezündet oder am falschen Ende angepackt, um nach kurzer Zeit wieder loslegen zu können. Konjunkturförderung
eben.
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