Einige aktuelle Titel aus der Unmenge von Schadensliteratur zeigen auf, daß die Betonruinen nicht nur ein Heer von Rechtsanwälten, Sachverständigen, Baufirmen und Ingenieuren, sondern auch das Verlagswesen immer mehr in Schwung hält. Wer das alles liest, glaubt gewiß nicht mehr an irgendwelche "überlegenen" Eigenschaften des einst als "Jahrhundertbaustoff" gepriesenen Stahlbetons:
Günter Ruffert: Lexikon
der Betoninstandsetzung,
Fraunhofer IRB Verlag 1999
DBV-Merkblatt-Sammlung, Deutscher
Beton- und Bautechnik-Verein e.V., 1997
Manfred Schröder (Hrsg.): Betoninstandsetzen:
Aktuelle Themen, WTA-Schriftenreihe Heft 9, 1998 - Mit
Hinweisen auf
die korrosive Wirkung der derzeitigen Rezepturbombe - Silikastaub!
W. Schwarz (Hrsg.): Korrosion
von Bewehrungsstahl
in Beton, WTA-Schriftenreihe Heft 19, 1999
J. Dreyer (Hrsg.): Nachhaltige
Instandsetzung,
WTA-Schriftenreihe Heft 20, 1999
G. Lohmeyer: Schäden an Flachdächern und Wannen aus wasserundurchlässigem Beton,
Schadenfreies Bauen Band 2, 1997
H. Klopfer: Schäden an
Sichtbetonflächen,
Schadenfreies Bauen Band 3, 1993
B. Brand, G. Glatz: Schäden
an Tragwerken aus
Stahlbeton, Schadenfreies Bauen Band 14, 1996
R. Ruhnau, N. Fouad: Schäden
an Außenwänden
aus Mehrschicht-Betonplatten, Schadenfreies Bauen Band 19,
1998
Allein diese kleine Auswahl zeigt deutlich, daß Stahlbetonbau ein Buch mit offenbar mindestens 700 Siegeln ist. Die Bauwirtschaft, das Ingenieurwesen, die Bauherren - sie benutzen Stahlbetonbauweise, ohne sie zu beherrschen. Milliardenschwere Schäden demontieren den Mythus von der angeblichen Wirtschaftlichkeit des Stahlbetons. Auf Kosten der Bau- oder gar der Steuerzahlzahlgesellschaft wird die Nachsorge und letztlich Entsorgung der Betonruinen dann verallgemeinert. Doch an die Gewissenlosigkeit der Verantwortlichen braucht niemand zu appellieren - Volle Taschen machen taube Ohren.
Wir erinnern uns: Die Neue Heimat ist an ihren unwirtschaftlichen Betonklötzen gescheitert. Vor Ablauf der Kreditrefinanzierung, vor Eintritt der Renditephase kamen die Sanierkosten in deutlich höherer Summe als die ursprüngliche Bauinvestition daher. Ein Berliner Bäcker sollte das Problem lösen...
Deswegen:
Mieten, nicht kaufen! Und wenn die Finanzierung stimmt: Lieber in ein sanierungsbedürftiges altes Hüttchen im Stadtkern aus der Zeit, als noch Baumeister unterwegs waren und Architekten vor ihrer Berufsausübung noch etwas von Baukonstruktion lernen durften (nicht DIN-Normen, sondern anerkannte Regeln der Technik). Vielleicht auch in ein Ziegelhaus im Neubaugebiet, aber nicht aus ziegelverpackter Luft, sondern aus gut speicherfähigen Steinen Rohdichte 12 aufwärts. Sonst geht auch das bald schief und der Wind pfeift durch die zerissenen Wände (vgl. Schadensbeschreibungen Künzel).