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Konrad Fischer

Anstrich auf Holzoberflächen
Leinölfarbe / Naturölfarbe / Kunstharzfarbe auf Holzoberflächen / Fensterrestaurierung 2

Materialwissen und Praxis zu Leinöl-/Kunstharz-/Naturharz-/Lack-Anstrichsystemen, Malerarbeiten/Lackiererarbeiten zur Instandsetzung/Beschichtung von Holzfenstern/Holzbauteilen/Holzoberflächen
Baustoffe und handwerkliche Durchführung 2

Teil 1: Anstrich - Anforderungen und Eigenschaften



Übliche Bestandteile von Außenanstrichen:

Bindemittel:

Bindemittel verbinden die Farbpigmente untereinander und mit dem Untergrund. Sie sind verantwortlich für Wasserfestigkeit, Dampfdurchlässigkeit, Saugfähigkeit, Härte, Elastizität, Staubabweisung, Pflegeanspruch. Bindemittel bestehen aus Öl, Natur- bzw. synthetischem Kunst-Harz, Gummi, Wachs, Kasein.

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3-jähriger Alkydharzanstrich auf Holzfenster - Bild 1: Absplitternd, gerissen und blasenbildend - Bild 2: Zerstörter Leinölkitt, Blasen-/Schollen-/Rißbildung - Bild 3: Blasenbildung innen


Lacke:
Mischung aus Bindemittel (Harz, Öl), Lösemittel, Pigmenten, Zusatzstoffe wie Weichmacher, Giftstoffe gegen Holzschädlinge, Füllstoffe.

Alkyd-, Acryl- und Naturharzlacke sperren Oberfläche ab, behindern Wasserdampfdiffusion, für Witterungsbeanspruchung auf thermisch empfindlichen Werkstoffen im Vergleich zu Naturharzlacken zu wenig elastisch, verspröden, durch so entstehende Risse eingedrungenes Wasser staut sich unter Anstrichfilm, dadurch Holzzerstörung.

Der übliche Schadensverlauf führt besonders bei alkydhaltigen Kunstharzlacken nach kurzer Zeit zu dem Holzfaserverlauf folgenden Versprödungsrissen, vor allem an den besonders beanspruchten Wetterschenkelzonen. In die versprödeten und gerissenen Lackschichten dringt durch die Risse kapillar Regenwasser, wird vom Holz im Gesamtquerschnitt aufgenommen und kann über die noch festsitzenden Lackschollen nicht flächig abtrocknen. Dadurch entstehen Wassernester, das betroffene Holz wird zerstört. Holzzerstörende Korrosion tritt aber auch bei den Acrylaten auf, die zwar mehr "ventilieren" sollen, dies aber auch nicht im erforderlichen Umfang leisten. Ihre mattere, krisseligere Oberfläche wirkt als Schmutzfänger und hat Folgen (biogene Besiedlung, Feuchtestau) für das darunterliegende Holz.

Großes Problem ist die mit jedem Instandhaltungsanstrich zunehmende Abdichtung der Holzoberfläche. Da vorwiegend außen nachgestrichen wird, entsteht eine dort zunehmende Dampfdichtheit. Folglich staut sich Dampf/Kondensat unter dem Außenanstrich und zerstört dort das Holz.

Manche Acrylharz-Wasserlacke sind weniger blockfest, d.h. die Fensterfalze kleben trotz anscheinender Durchtrocknung dennoch zusammen. Wasserlacke besitzen zwar weniger Lösemittel, dafür aber andere problematische Zusätze (Entschäumer, Biozide,...). Sie sind sehr schlecht wieder zu entfernen und gegen harmlosere Alkali-Abbeizmittel resistent. Aggressivere lösemittelhaltige Abbeizmittel oder thermisch-/mechanische Entlackung müssen dann eingesetzt werden.

Klassifikation nach Zusammensetzung (z.B. Alkydharzlack), Lösemittel (z.B. Wasserlack), Anstrichaufbau (z.B. Decklack), Verwendungszweck (z.B. Fußbodenlack), nach Anwendungseigenschaften (z.B. Klarlack).

Vorsicht: Es gibt sog. Naturfarbhersteller, die nebenbei Naturharzester in die angeblich reine Leinölfarbe reinmixen und damit deren eigentlichen Vorteile wieder aufgeben. Merke: Es ist kein himmelweiter Unterschied zwischen Kunst- und Naturharz im technsichen Sinn, prüfen Sie sorgfältig die Produktdeklaration und das DIN-Sicherheits-Datenblatt auf Ihnen merkwürdig vorkommende Zutaten.

Im Unterschied zu reinen Ölfarben sind Harz-Lacke stark schichtenbildend. Reparaturanstriche lassen sich dann nicht "beistreichen", sondern setzen erhöhten Aufwand bei dem Anschliff der unterschiedlich abgeplatzten/losen Schichten der Altanstriche voraus.

Lösemittel:
L. machen Anstrichmittel verstreichbar, verflüssigen feste Bindemittel ohne chemische Veränderung, Verdünner. Lösen Fette, auch im Körper.

Erforderlich als Zugabe wenn:
Arbeiten im kalten Aussenbereich.
Schnelle Trocknung erforderlich.
Besonders dünnflüssige und magere Grundierungen.

Aber: Zu viel Lösemittelbeigabe, der Weg des bequemen Pinslers, seine Brühe am kraftsparendsten zu verstreichen, ist der sicherste Weg, den Anstrich zu verderben. Wird die Malschicht durch Lösemittelüberschuß zu dünn verstreichbar, ist seine Schutzwirkung und Stabilität dahin, er wird dann leichter craquelieren und außen nach weniger als einem Jahr aufreißen und abblättern. Am besten also ohne Lösemittel!

Möglich:
Künstliche organische Lösungsmittel (als Terpentinersatz wie Testbenzin (undeklarierte Verunreinigungen mit Benzol, Toluol, Xylol), und Wundbenzin, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Nitroverdünner). Problem: Gesundheitsgefahr, Veränderung Blut, Herz- und Kreislaufbeschwerden, Störung Nervensystem. Lösemittelarme, wasserverdünnbare Lacke enthalten stärkere Lösemittel wie Butylglykol, reizt Augen, Schleimhäute, verändert evtl. Erbgut.

Pflanzliche Lösemittel/Terpene: Terpentinöle, Balsamterpentinöl (aus Nadelbaumharz), Citrusschalenöl. Problem: Bei den früher üblichen, stark verunreinigten natürlichen Lösemitteln bestand erhöhte Gesundheitsgefahr (Malerkrätze) wegen Beimengungen von Delta-3-Caren. Besser, und heute bei Naturfarbherstellern üblich: Doppelt rektifiziertes (destilliertes) und damit besonders reines Terpentinöl, besonders gereinigte und praktisch Caren-freie Naturöle. Etwas teurer im Vergleich zu Benzin-Lösemitteln (Terpentinersatz). Wichtig: Das doppelt rektifizierte Balsamterpentinöl ist bei weitem nicht das technisch beste Naturprodukt. Die Rektifizierung ist erforderlich, um unreine Produkte zu verbessern. Besser, und in jeder Hinsicht empfehlenswert ist Balsamterpentinöl aus Lebendharzung (z.B. aus Portugal), das z.B. in Bezug auf das problematische Delta-3-Caren erheblich sauberer ist und insgesamt bessere technische Eigenschaften aufweist.

Andere Lösungsmittel sind z.B. weitere hochviskose Öle natürlicher (wie Rapsöl, Nußöl, Sonnenblumenöl, Holzöl/Tungöl) oder petrochemischer Herkunft.

Aus gesundheitlichen Gründen bei Wahl petrochemischer Produktlinie empfohlen, keine Gefahr von Hautreizung: iso-Dodekan, Siedegrenz-Benzin, iso-Aliphate (Kohlenwasserstoffe aus Erdöl-Destillation, denen schädliche Aromaten entzogen wurden, Restgehalt unter 0,01%, Vergleich Testbenzin: bis zu 19%), verwendet in Schweden, auch von üblichen Naturfarbherstellern, milder als Terpene. Problem: Löst Naturharze nur gering, dafür Zugabe von Naturöl-Lösemitteln erforderlich.

Der Zeitschrift Ökotest war zu entnehmen:

Zur Farbentfernung und Ablösung von Lacken und Ölanstrichen gibt es als Abbeizmittel grundsätzlich Alkalilauge (Natronlauge, sehr billig, starke Durchfeuchtung des Holzes, Trockenzeit, nicht für alle Anstriche wirksam, muß neutralsisiert werden, Gefahr der Salzeinwanderung in Holz, verfärbt manche Holzsorten), CKW-haltige Abbeizer (mit gesundheitsgefährdendem Dichlormethan, hohe Anforderungen an Arbeitsschutz) und weitere Rezepte der Lösemittelchemie (Benzylalkohol, N-Methyl-Pyrrolidon, Ester, je nach Konzentration mehr oder weniger hohe Anforderungen an Arbeitsschutz, je höher Prozeßtemperatur und Flüssigkeitsanteil, umso mehr Beanspruchung der Holzteile).

Bei Anwendung von Lösemitteln grundsätzlich ausreichend lüften. Atem- und Hautschutz nach Herstellervorschrift.

Trockenstoffe/Sikkative
T. wirken als Katalysatoren, werden Ölen und ölhaltigen Anstrichmitteln für bessere/schnellere Trocknung zugesetzt. Möglich: synthetische Schwermetallseifen, Harze und besondere Öle.
Metallseifen früher aus PbO-Bleiglätte (gem. DIN 55932, April 1974, wird bei Firniskochen zu Bleiseife, giftig, bewirkt Verharzung des Öls, fördert die Durchtrocknung von innen her, kennzeichnungspflichtig mit Totenkopf, nur bei Anforderung/Bestätigung Denkmalamt lieferbar), dadurch definierte Trocknung in 24 (PbO-Bleiglätte) / 36 (Kobaltoktoat) Stunden, bei übermäßiger Zugabe Trocknungsverzögerung. In heutigen Trockenstoffen werden die giftigeren Blei- und Bariumseifen durch Zirkonium-, Kobalt- und Eisenverbindungen ersetzt.
Bleiweiß fördert die Trocknung von innen heraus, Kobaltoktoat (verseiftes Kobaltsalz, weniger toxisch als Bleiweiß) von der Oberfläche her.
Heute üblicher Trockenstoff für Leinölfirnis ca. 0,5% Kobaltoktoat, auch Calcium- und Zirkoniumoktoat (Livos-Naturfarben) oder auf Basis von Mangan, das die gleichmäßige Durchtrocknung fördert.
Je weniger Trockenstoff, umso längere Trocknung aber auch Haltbarkeit im Außenbereich! Zu viel Trockenstoff ergibt Reissen, Runzelbildung und Kleben des Anstrichs.
Weitere Trockenstoffe: Bleinaphtenat und Kalziumnaphtenat (in schwed. Ölfarben), Metallsalze, Mischungen aus Mangan, Barium, Kobalt (Kobalt+Kobaltsalze+Harze) und Zirkonium, früher Blei, Tungöl als Ersatz von 20% Leinölfirnis.
Wichtig für eine gute Ölfarbe ist ein ausgewogenes Verhältnis von Trockenstoffen, die sowohl von innen als auch von außen her die Trocknung fördern.

Pigmente:
Farbgebende Bestandteile der Anstriche.
Verwendet werden natürliche Erden, aus anderen pflanzlichen und metallischen Naturstoffen oder chemischen Industrieprodukten vermahlene Pulver.
Beachten:
Weißer Anstrich kann sich aufheizen bis ca. 38 oC, dunkler bzw. "natur" bis über 70 oC, entsprechend die Temperaturdehnung und der Trend zur Durchfeuchtung.
Möglichst lichtechte Farbstoffe, feinstgemahlene farbige Erden, Naturextrakte, Metalloxide (als "aktive" Pigmente: erhöhen Wetterbeständigkeit durch Bildung von wasserabweisenden Seifen, sie binden die bewitterungsbedingt entstehenden sauren Spaltprodukte des Bindemittels -> Reduktion Wasseraufnahme und Quellung. Die Seifen stützen mit ihrer strahlenförmigen Struktur den Bindemittelverbund) als Zugabe zu Bindemittel. Je länger eingesumpft und mit Bindemittel durchmischt, umso besser für Ergiebigkeit und Beständigkeit (Kreidung!) des Anstrichs.

Weiße Fensteranstriche früher durch Bleiweiß (Kremserweiß), (aktives P., giftig, gering vergilbend, von Algen/Pilzen/Mikroorganismen nicht angegriffen, gegen Insektenangriff wenig wirksam, hält gerade Außenanstrich besonders stabil und elastisch, erhältlich mit Bestätigung Denkmalpflege für Restaurierungsaufgaben, ist allen anderen Pigmenten aus technischen Gründen vorzuziehen. Einsatz als Pigmentpaste für Anwender bei auch für sonstige Anstricharbeiten üblichen Vorsichtsmaßnahmen unproblematisch gegenüber Pulverform, die vom Maler selbst angeteigt wird).

Heute:

- Weißpigmente Titanweiß (aus Rutil, Mineral, chem. verwandt mit Tonerde)
- hochdeckendes synthetisches Titandioxid, als mit Leinöl angeriebene Paste erhältlich, ergibt opake Oberfläche
- Zinkweiß (Handelsname Zinkweiß Weißsiegel)
- durchsichtig wirkendes Zinkoxid, leicht bleihaltig, vergilbt leicht, auch in weniger vergilbungsgefährdeter Nußöl-Paste erhältlich.

Von Fachleuten empfohlen: Weißpigment aus je 50% Titan- und Zinkweißpaste, soweit kein Bleiweiß. Um Vergilbungsgefahr weiter zu vermindern (wenn aus gestalterischen Gründen gefordert) Zinkweiß : Titanweiß 1: 3. 

Problem: Mikroorganismen können auf Farben wachsen, deswegen ist vermehrte Wartung (kommt nicht von Warten) der Anstrichoberflächen für bessere Dauerstabilität mittels Reinigung und Bindemittelnachversorgung unabdingbar.

Abtönung: Erdfarben wie Terra di siena natur oder gebrannt (ockrig/braun); Rußschwarz (grau).

Wichtig: Leinölfarben (und andere) unterscheiden sich durchaus hinsichtlich ihrer Pigmentmenge, d.h. Qualitätsfarben haben mehr Pigmentanteil je Liter Fertigfarbe. Man kann die Unterschiede durch Abfragen des Litergewichts einschätzen, gute Farben wiegen mehr. Die Menge des in einer Bindemittelflüssigkeit einbringbaren Pigments hängt auch von der Mahlfeinheit, Aufmahlmethode und Einbbringmethode/Einarbeitung der Pigmente ab. Leinölfarbe verschiedener Hersteller unterscheiden sich hier wesentlich.

Holzschutzmittel
Übliche Holzschutzmittel vergiften das Holz gegen den Angriff von holzzerstörenden, da sich von Holzinhaltsstoffen ernährenden Insekten (Anobien, Hausbock, ...) und Pilzen (Bläuepilz, Hausschwamm, ...). Dies gelingt durch die Verwendung von für diese Lebewesen giftigen Stoffen. Da diese Stoffe (Lindan, Borpräparate, ...) auch für den menschlichen Organismus bzw. nützliche Tiere (Bienen, Fledermäuse, Haustiere, Nutzvieh, ...) giftig sind, sollten giftige Holzschutzmittel so wenig wie möglich, besser gar nicht verwendet werden.
Früher wurde Bleiweißfarbe als wirksames Holzschutzmittel eingesetzt, das ist am Baudenkmal auch heute noch möglich.

Technische Eigenschaften der Anstriche

Trockenzeit:
Die Trocknung erfolgt in drei Stufen:
1. Trocknung Lösemittel durch Verdunstung der flüchtigen Bestandteile.
2. Abbau der Klebrigkeit durch Antrocknung der Oberfläche.
3. Durchtrocknung der Anstrichschicht.

Trockenzeit abhängig von Anteil Harz ( Harze trocknen physikalisch durch Abgabe Lösungsmittel, z.B. Kopalharz, Kolophoniumglyzerinester als Ersatz für Kopalharz oder Dammarharz, Alkydharz), Hartöl, Trockenstoffe, Lösungsmittel, Öl (Öle trocknen chemisch durch Sauerstoffaufnahme), Ölart, Schichtdicke, Umgebungsbedingungen wie Licht, Feuchte, Temperatur, Untergrund.

Fette Farben (weniger Harz, mehr Öl) trocknen länger auf als magere (hoher Harzanteil ca. 30%, kaum dampdiffussionsoffen, versprödungsempfindlich). Bleiweißfarben haben besonders günstigen Trocknungsverlauf, da die sich mit dem Leinöl chemisch bildenden Bleiseifen als Trockenstoff wirken (in geringerem Ausmaß auch bei Zinkweiß). Sie sind allerdings nur noch für nachgewiesenen (Bestätigung Denkmalbehörde) Bedarf für Denkmalrestaurierungen frei erhältlich.

Ohne Harze/Harttrockenöl ca. 4 - 7, je nach Rezeptur auch bedeutend mehr Tage Trockenzeit bis zur vollständigen Durchtrocknung der Schicht. Bei Zugabe Harttrockenöl ca. 1 Tag Trockenzeit, bei Alkydharzzugabe 4 - 6 Stunden Trockenzeit. Bei gelungener Rezeptierung mit den verschieden wirkenden Trockenstoffen kann die Trocknung auch in ca. 24 Stunden gelingen.

Möglichst dünne Anstriche auftragen, gut verschlichten - nicht zu viel Lösemittel!, führt zu besserer Trocknung und Beständigkeit. "Quäle den Pinsel und nicht die Farbe"!

Bei zu dicken Schichtstärken bzw. ungeduldigem Anstrichaufbau, ein häufiges Problem unerfahrener Anwender, erscheint der Anstrich ausreichend trocken für den Folgeanstrich im vorgeschriebenen Schichtaufbau, ist aber noch nicht ausreichend durchoxidiert. Ein nur von der Oberfläche her antrocknender Leinölfilm (Trockenstoff Kobaltoktoat) läßt sich mit der Fingekuppe über dem noch nicht durchgetrockneten Unterbau verschieben, ohne am Finger anzuhaften. Gerade die Grundierung wird in ihrem Trocknungszustand oft überschätzt. Sie dringt tief ins Holz ein, oxidiert dadurch aber auch langsamer. Die Nachfolgeanstriche blockieren dann die vollständige Durchtrocknung. Unangenehme Folge: Bei späterer Erwärmung (Sommer) erweicht der Anstrich, es kommt zur Blockung (Verkleben der Fensterfalze).

Einzige Abhilfe: Sehr dünnes Ausstreichen der Farbschichten, ausreichend bemessene Trockenzeiten, gute Trockenstoffrezeptur. Im Einzelfall und abhängig auch von den Umgebungsbedingungen mag das bis zu mehreren Tagen Trockenzeit für die einzelnen Anstrichschichten gehen.

Soweit der Endanstrich besonders lange klebrig bleibt, weist das auf ungenügende Durchtrocknung der darunter liegenden Schichten hin. Dafür kann auch zu hohe Holzfeuchte verantwortlich sein. Wichtig: Wassergelöste Holzschutzmittel können den Trocknungsprozeß behindern. Dann wird sorgfältige Prüfung der Holzfeuchte erforderlich, um unliebsame Folgen aus zu hoher Feuchte zu vermeiden.

Eher abzuraten ist auch von einem Anstrich von Leinölfarben auf harzhaltigen Lacken, die ja bei älteren Fenstern ihrerseits auf originalen Leinölanstrichen sitzen. Durch die neuen Leinölfarben können die unteren Schichten angelöst werden, durch Risse in den Lackschichten bis in den Originalanstrich hinein! Das ist dann natürlich kein geeigneter Untergrund für einen neuen festsitzenden und dauerstabilen Leinölanstrich, so geeignet er auch sein mag auf Holzfenstern. In so einem Fall muß man auch jeden Fall sorgfältigst bemustern, wie sich das Renoviersystem über längere Zeit zeigt, und sonst eben alle Altanstriche abnehmen. Dafür gibt es beährte Systeme, die eben nicht zum Kaputtschleifen der historischen Holzprofile führen, wie so oft zu sehen. Wenn man diese Ratschläge nicht beherzigt, droht fast unweigerlich das schon angesprochene "Blocken", also Verkleben udn Ablösen der schlecht abgebundenen und nur ungenügend anhaftenden Anstrichschichten.

Weitere Gefahr bei zu dickem Schichtauftrag: Runzelschichtbildung (s.o.).

Problem: Da sich reine Ölfarben vergleichsweise schwer verstreichen lassen, erfolgt oft unkontrollierte Zugabe von Lösungsmittel/Verdünnung. Damit wird die Farbe im Bindemittel- und Pigmentgehalt ausgemagert und die Dauerbeständigkeit schwerwiegend beeinträchtigt. Erschwerend hinzukommen kann das Abheben von Leinölhäuten bei angebrochenen Farbtöpfen. Die entnommene Ölmenge muß als frisches Öl wieder zugegeben werden, sonst ist der Pigmentanteil zu hoch. Die ausgemagerte Farbe wird dann zu schnell aufgebrochen, gerade bei witterungsbeanspruchten Flächen.

Wichtig: Schnell trocknende Anstriche dringen wegen ihrer schnellen Abbindung weniger tief in den Untergrund ein als langsamer trocknende Anstriche. Folge: Geringere Untergrundhaftung, schnelleres Abwittern, höhere Oberflächenbeanspruchung bei Bewitterung der schnell aufgetrockneten Anstrichschicht.

Dampfdiffusion:
Leinölmoleküle sind ca. 50mal kleiner als Kunststoffpolymere in Kunststoffarben (Alkyd-/Acrylharz). Harzbestandteile behindern Wasserdampfdiffusion (z.B. aus Innenraum durch Anstrichfehlstellen nach außen, aus eingedrungenem Regenwasser in Holzoberfläche, aus Kondensation, aus natürlicher Holzfeuchte), bilden wasser- und wasserdampfdichte Schicht (Bootslack).

Gerade bei Fensterkonstruktionen muß immer mit Wasserbelastung durch Oberflächenverletzungen und Dampfdruck von innen gerechnet werden. Die nachfolgende Verdunstung kann nur durch dampfdiffusionsfähige Ölanstriche schadensfrei erfolgen.

Auf Ölfarben perlen Wassertropfen (hohe Oberflächenspannung) ab, Wasserdampf kann staufrei durchwandern.

Unter Kunstharzfarben verstärkt Bildung von Stauwasserzonen und Wassernester, darauf Blasenbildung, gefüllt mit Wasser, nachfolgend Fäule. Problemsteigerung bei jedem Instandhaltungsanstrich über alte Anstrichreste.

UV-Schutz:
Holz vergraut durch die energiereiche UV-Einwirkung und wird dadurch mittel- bis langfristig zerstört.
Schutz: Ausreichende Pigmentierung mit Farbstoffen. Lasur ist kein ausreichender UV-Schutz.
Dunkle Farben lassen Holz bis 80 oC aufheizen, es reißt dadurch eher auf, anstrichzerstörender Harzaustritt.

Beste Schutzwirkung erforderlich für von innen und außen sowie mechanisch beanspruchte Fensterkonstruktion mit Anspruch an Dichtwirkung (Maßhaltigkeit). Besondere Sorgfalt ist bei Reparaturanstrichen erforderlich.

Zusammenfassung:
Nur ein möglichst heller, also weißer Ölfarbanstrich ohne bzw. mit möglichst wenig Harzanteil und mit geeigneter Pigmentzusammensetzung, aus technischer Sicht am besten Bleiweiß, bietet einen dauerhaft zufriedenstellenden Schutz auf bewitterten maßhaltigen Holzkonstruktionen. Im geschützten Innenbereich sieht das selbstverständlich anders aus. Hier ist gegen stabil vergütete Lackfarben nicht viel einzuwenden, die dann im mechanisch/chemisch beanspruchten Bereich auch recht dauerhaft die Fläche schützen - besser als die weicheren Ölfarben.

Dennoch gibt es viele sog. Handwerker im Malergewerk, die in Ausschreibungen geforderte Ölfarbanstriche für Außeneinsatz bzw. historische Flächen oder Maltechniken durch minderwertige, aber schneller verarbeitbare und im Einkaufspreis billigere Lackierungen (gute Leinölfirnisfarbe 1Liter bis ca. EUR 30.--, Lackfarbe ca. EUR 7 - 12.--, Naturfarblack ca. EUR 20.--, gering pigmentierter Leinölfirnis als Grundierung ca. EUR 8.--) ersetzen oder mit Lösungsmittel- bzw. Verdünnerzugabe verschneiden. Die Vermeidung von Originalgebinden auf der Baustelle erleichtert derartige Manipulationen.

Durch diesen häufig anzutreffenden und für den Laien schwer aufzudeckenden Betrug wird der Bauherr bewußt geschädigt, da derartige Anstriche nicht nur kurzlebig sind und frühzeitig reißen, sondern durch Feuchtestau auch das Holz schädigen und spätere Instandsetzungen nachhaltig erschweren.

Dabei reicht ein Liter Ölfarbe für ca. 14 qm Holzoberfläche. Beispiel: An einem einflügeligen Verbundfenster 1,40/1,00m, Holzoberfläche ca. 1,5 qm, dreilagiger Anstrich mit Grundierung, Materialanteil von ca. DM 3,50 (Alkydharz-Billiglack) - DM 10.--(Ölfarben-Qualitätsanstrich) - höhere Ergiebigkeit Ölfarbe vernachlässigt.

Literaturauszüge zum Thema "Unterschiede zwischen Farbsystemen":

aus: Ziesemann u.a.: Natürliche Farben, Anstriche und Verputze selber herstellen, AT Verlag, Aarau, Schweiz, 1996

Karl Apel, Bernhard Hantschke: Oberflächenbehandlung von Holzfenstern: Konstruktion, Anstrich, Wartung, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, 1982 (Karl Apel, geb. 1922, Maler- und Lackierermeister, eh. Chefredakteur "Das Deutsche Malerblatt", Dipl.-Ing. Bernhard Hantschke, geb. 1934, Maler- und Lackierermeister, ö.b.u.v. Sachverständiger IHK Münster, eh. Leiter Entwicklungslabor Glasurit GmbH):

Dipl.-Ing. Bernhard Hantschke, Dipl.-Ing. Christian Hantschke: Lacke und Farben am Bau, Erstanstrich und Werterhaltung, Eine Einführung für Maler, Architekten, Gutachter, Hirzel Verlag, Stuttgart, Leipzig 1998:

Auszüge aus Vergleichstabellen betr. "Bio-Natur" [gemeint Basis Naturöl], und "Basis Alkydharz, lösemittelhaltig" [Nur Auswahl der haltbarkeitsrelevanten Werte]:

Ibau Planungsinformationen 3.4.01: Holzfenster: Da ist der Lack noch lange nicht ab (Fraunhofer-Institut für Holzforschung, Braunschweig)

Mein Tip:

Lassen Sie sich nichts vormachen von völlig haltlosen Versprechungen rund um den Lack.

Und wenn etwas allgemein anerkannt sein soll, dann gerade nicht, daß Kunstharzfarbe - außer schnellerer Trocknung - besser für Holzanstriche außen wäre. Das belegen neben erfahrenen Handwerkern auch die obigen Literaturzitate von ausgewiesenen Fachleuten. Lassen Sie sich nicht blenden von der schnellen Trocknung. Sie bezahlen es zu teuer durch ständig erforderlichen Unterhaltsaufwand (was für manche Maler natürlich eine feine Sache ist.

Auch wenn der Anstrich noch so kaputt ist nach einem Jahr, irgendein Schwachverständiger behauptet sicher, das entspricht den Regeln der Technik, daß Sie ständig instandhalten müssen. Und beruft sich auf das Merkblatt Nr. 18 "Beschichtungen auf maßhaltigen Außenbauteilen aus Holz, insbesondere Fenstern und Außentüren", Hrsg.: Bundesverband Farbe und Sachwertschutz e.V.. In diesem Verein hocken maßgeblich die Industriehersteller von Kunstharzfarben und bewachen ihre Interessen. Aber nicht die der Endverbraucher (siehe Holzschutzmittelskandal). Holzauge, sei wachsam.

Tipp: Machen Sie Ihrem Planer von Anfang an klar, daß er bei der Ausschreibung von Holzanstrichen aufpassen muß. Sonst sitzt er mit seiner 5jährigen Gewährleistung schnell als Einziger da, wenn es um die Reparatur der falsch gestrichenen Wetterschenkel geht. Die Maler haben hier nämlich grundsätzlich alle Tricks drauf - im Unterschied zur Planungslusche zu Honorarzone 0 Mindestsatz.


Weiter Teil 3: Ölfarbanstriche auf alten und neuen Fenstern - zu Grundregeln und Arbeitsgängen ...





Weiterführende Fensterliteratur (Nur bei Preisangabe aktuell verfügbar)






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