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Konrad Fischer: Altbauten kostengünstig sanieren Konrad Fischer
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"Zum Fegfeuer" Der etwas andere Klosterladen



Naturstein Natursteinrestaurierung Fassadenrestaurierung Fassadensanierung Steinsanierung Schloßfassade Burgfassde Burgmauer Schloßmauer

Denkmalpflege / Denkmalschutz / Restaurierung / Konservierung / Rekonstruktion / Sanierung - Kritik

Vorträge, pointierte Kurzfassungen - Meinungen aus und zur musealen und Baudenkmalpflege - Schloßmuseum und Museumsschloß -
und eine reiche Literaturauswahl für die Liebhaber von Burgen und Schlössern

Vorträge zur Denkmalpflege in Thüringen und anderswo
Mitschriften von Konrad Fischer

Kleine Einleitung

Restaurierung und Konservierung in der Denkmalpflege sind als Tarnbegriffe für Eingriffe am Baudenkmal entstanden und werden bis heute genauso verwendet. Sie spiegeln zwar oft die "Pflege" des Denkmals vor, befriedigen letztlich aber zeitgebundene Ideologie und zweckgebunden eben auch die unheimliche Lust des Handwerkers/Restaurators/Konservators/Denkmalpflegers/Architekten/Ingenieurs, auf Kosten anderer Taschen die Macht über das Denkmal und dessen Betrachter auszuüben und damit recht vergnüglich - "Denkmalpflege" befriedigt ja sehr gut die Statusbegierde des eitlen Menschen in unserer "aufgeklärten" Gesellschaft - sein Leben zu fristen. Also: "Denkmalpflege" macht Spaß, bringt's und ist prima, soweit sie von andereren bezahlt wird. Wenn es die eigene Tasche trifft, sieht das oft anders aus. Dann ist denkmalpflegerische Erhaltungssturheit immer dann ein Horror, wenn es der eigenen Selbstverwirklichung im Wege steht oder eben nur kostet und nix bringt.

Denkmalsprache, -diktion und -praxis

Wir Akademiker unter den "Denkmalschützern / Denkmalpflegern" gefallen uns im Unterschied zu den Handlanger-"Kollegen" meist in wissenschaftlich triefenden Latinismen, die aber alle meist leicht übersetzbar sind: Entweder "Zementpampe" oder "Plastikschwarte", von Firma müllermeierschulze.de oder huberundkrause.de. Restaurator/Konservator, Bauherrngeiz und ahnungslose Planer sind Werkzeug und Methode der menschlichen Hybris. Und besonders lustig wird's, wenn Halb-oder gar nur Viertelgebildete "Denkmalpfleger" zur Sprachwaffe greifen und geblähte Texte absondern. Nicht gerade selten. Und immer amüsant als Einblick in die fallstrickbewehrte Großmannssucht (Hybris). In der praktischenUmsetzung der als edel, hilfreich und gut so arg beschwätzten "Denkmalpflege" wird den Objekten der Begierde, eben den Baudenkmälern, ein unendlich Leid zugefügt. Am Ende regiert nämlich nicht Ethos und Moral, sondern Kassemachen bis zum Abwinken bzw. bis zur sogenannten "Volltränkung".

Moderne Denkmalpflege heißt nämlich vor allem - und das schon seit sie es gibt und sie wollte ja immer mit durchaus heißem Bemühen trotz aller konservativistischen Beschwörungsformeln (Dehio 1905: "Konservieren, nicht Restaurieren") bis zum Erbrechen zeitgemäß bzw. modern und niemals antiquiert sein - Verschweinsung des Baudenkmals mit allen modernen Mitteln, die die chemische Industrie (immer parallel mit der "Denkmalpflege" groß geworden) zur Verfügung stellen kann. Während also im 19. Jahrhundert unsere Dome, Kathedralen und Burgfassaden mit Hilfe von bei der Kali-/Düngerproduktion nach Liebig freigesetzter Salzsäure von alten Fassungen denkmalpflegerseits in unbarmherzigster Manier "abgewaschen" und bis ins Innerste der Steinsubstanz mit bösartigsten Rückständen verseucht wurden, kamen nur wenig später bis heute auch alle anderen Chemieprodukte, heute als "Bauchemie-Produkte" in den Markt gepreßt, vom Wasserglas über die synthetischen Tränkungs-, Festigungs- und Beschichtungsmittel bis zu brutalsten Absäuerungs-, Verätzungs- und Lösemitteln an die "gepflegte" Bausubstanz. Natürlich auch alle Errungenschaften der Technik, sei es mechanisch oder elektrisch oder beides. Regeläßig mit zwei Folgen: Erstens volle Taschen beim Anwender (Handwerk / Baufirma / Restaurator) und den mit allerlei Schmiersalben und/oder pseudwowissenschaftlichem Marketinggesumse geneigt gemachten amtlichen (Denkmalamt, Bauamt, Kirchbauamt, Hochschule ...) und/oder nichtamtlichen (Bauberater/Planer/Institutsmitarbeiter) "Befürwortern" und zweitens von derlei Denkmalhanseln regelmäßig übersehene bzw. unerwartete bzw. wegen der Schmiersalbe billigend in Kauf genommene - zuallermeist irreversible - Zerstörung am Baudenkmal.

Na mein lieber Leser, überrascht? Oder zwickt's gar, des schon fast vergessene / betäubte Gewissen? In beiden Fällen: Glückwunsch!

Zur Einstimmung

Neu und alt plastikbeschmierte Oberflächen (aus Latex, Dispersion, Silikat, Silikon- und Alkydharz) an Denkmalen in (quasi)staatlicher Obhut in Weimar (könnte freilich überall sein) als Beleg für Denkmalschutzbusiness as usual, Aufnahmen am 28.6.2005:

Weimar: mißratene Denkmal-Raumfassung durch Kunstharzanstrich. Weimar: mißratene Denkmal-Fassade durch Dispersionsfarbe / Kunstharzanstrich. Weimar: mißratener Denkmalschutz: Fassadenanstrich mit Dispersionsfarbe / Kunstharzanstrich. Weimar: mißglückte Denkmalpflege: Fassade mit Anstrich / Beschichtung mit Dispersionsfarbe / Kunstharzanstrich. Weimar: perverser Denkmalschutz: Fassade durch trockungsblockierende Synthetikbeschichtung / Dispersionsanstrich / Kunstharzfarbe malträtiert. Weimar: Denkmal / Denkmalpflege pervers: denkmalgeschützte Fassade durch Dispersionsfarbe / Kunstharzanstrich mißhandelt. Weimar: Denkmalschutz-Fassade / Altbaufassade mit Dispersionsfarbe / Kunstharzanstrich. Weimar: zerstörte Denkmal-Fassade mit Dispersionsfarbe / Kunstharzanstrich. Weimar: Denkmalschutz pervers. Weimar: perverse Denkmalpflege. Weimar: perverse Denkmalpflege: Fassade durch trockungsblockierende Synthetikbeschichtung / Dispersionsanstrich / Kunstharzfarbe malträtiert. Weimar: zerstörtes Denkmal Fassade mit Dispersionsfarbe / Kunstharzanstrich. Weimar: zerstörter Fensteranstrich - Kunstharzlack / Alkydfarbe / Alkydlack / Alkydanstrich / Kunstharzanstrich. Weimar: Denkmalschutz / Denkmalpflege pervers: Plastikfarbe / Kunstharzanstrich / Dispersionsfarbe auf Fassade. Weimar: Denkmalpflege pervers: Plastikfarbe / Kunstharzanstrich / Dispersionsfarbe auf Fassade. Weimar: Denkmalschutz?: Plastikfarbe / Kunstharzanstrich / Dispersionsfarbe auf Fassade. Weimar: Denkmalpflege?: Plastikfarbe / Kunstharzanstrich / Dispersionsfarbe auf Fassade. Weimar: Denkmalschutz / Denkmalpflege pervers: Kunstharzanstrich / Dispersionsfarbe auf Fassade. .
Ein Bravo der Produktberatung! Kalkfarbe und Leinölanstrich strengstens verboten?

Hier Info zum Schmieraxeln an Denkmal- und Altbaufassaden. Plastikschwarte / Lotusfarbe / Silikonharzfarbe / Silikatfarbe und andere Chemieprodukte - Zu den beliebtesten Denkmalpfuschereien an Fassaden.

Einige beherzte und pointierte Mitschriften von Seminaren/Kolloquien mögen das Thema Denkmalpflege aus anderer Sicht ausbreiten und verdeutlichen. Natürlich gilt nur das gesprochene, nicht das von mir gehörte und mitgeschriebene/zusammengefaßte/kommentierte Wort.

Inhalt:

Weimar Bauhaus-Universität Kolloquien der Fakultät Architektur, Lehrstuhl für Bauaufnahme und Baudenkmalpflege:

Weimar, Residenzschloß

Bayreuth, Neues Schloß


Symposion der STIFTUNG THÜRINGER SCHLÖSSER UND GÄRTEN

Restaurierung im Spannungsfeld wechselnder Auffassungen

Weimar, Residenzschloß, 19.10.2001
Mitschrift als Kurzfassung und Fazits von Konrad Fischer, Mitglied des Beirats für Denkmalerhaltung der Deutschen Burgenvereinigung e.V.


Herbstsymposion der STIFTUNG THÜRINGER SCHLÖSSER UND GÄRTEN
Schloßmuseum und Museumsschloß Museumsarbeiten in Schlössern und Gärten

Rudolstadt, Schloß Heidecksburg, Porzellangalerie 22.10.1999

Programm:

Seminarmitschrift und Kommentierung: Konrad Fischer, Mitglied des Beirats für Restaurierung der Deutschen Burgenvereinigung e.V.

Einführung Dr. Paulus

Jakobson: Museumsarbeit in Thür. Schlösser und Gärten

Hojer: Das Museum im Schloß - Das Schloß als Museum

Diskussion:

Fleischer: Landesmuseum Heidecksburg

Ohl: Schloßmuseum Sondershausen Museumskonzeption

Seit 90ern Konzeptentwicklung Schloßmuseum mit überreginalem und regionalem Bezug: Fundus sollte besser dargestellt werden. Konzeptgrundlage für Entwicklung und Finanzierung.

Entwicklung Sondershausen als Residenzstadt war maßgeblich. Kaum andere Impulse.

Hof-Stadt-Land in wechselseitiger Beziehung als Grundlage des Museumskonzepts.

Fundus: Reste Hofinventar, bedeutende Spezialsammlung, aber nicht vergleichbar mit fürstlicher Sammlung anderer Schlösser in Thüringen. Deswegen Stadt- u. Regionalgeschichte wichtige Komponente. Sammlungslücken lassen weitübergreifende Darstellung Hof-Stadt-Land nur begrenzt zu. Kunst des Machbaren erforderlich.

Umbau/Aufbau Kassenbereich am Anfang. Höfische Bildung, Jagd, Transportmittel als Themen für höfische Kultur.

Stadt- und Regionalgeschichte:

Grundkonzept: 12 Räume in chronologischem Ablaufschema, Höhepunkte werden herausgearbeitet. Beziehungsgeflecht hist. Räume unterschiedlicher Epochen zu Exponaten verschiedenster Provenzienz. „Kasse als Drehscheibe des Museums.“ Inszenierung der goldenen Kutsche mit Pferdebespannung.

Natur + Umwelt, Vorgeschichte, Musikalien. Insgesamt 3 Abteilungen: Hof-Geschichte-Musik.

Selbstführung durch Leitsystem und Infotexte, Führung.

Auf Doppelblättern a 50 Pf. Themeninfo für Interessierte, (Schulklassen ...), Museumspublikationen.

Sonderführungen zu speziellen Themen (Baugeschichte, Kellerführung, Ang. hist. Tänze mit zeitgenössischer Musik in hist. Kostümen) werden gut genutzt. Besucher wählt sein Programm aus reichem Angebot.

Umfangreiches Magazinierungssystem, das gute Nutzung und Einbeziehung in Museumspädagogik sicherstellt.

Probleme:

Sanierung durch Stiftung unter Beachtung Museumsnutzung. Aber: Überschneidungsprobleme z. B. Heizungseinbau in schon übergebene Räume.Unterschiedliche Gestaltungsabsichten Stiftung und Museum. Bau fordert „unhistorischen“ Museumsdurchgang der Räume. Bauwerk sollte mehr Kulisse sein. Wo sind gestalterische Freiheiten des Museums ? Mehr Kommunikation Museum-Stadt Stiftung-Architekt-Denkmalpflege wäre erforderlich gewesen. Das bleibt Wunsch für Zukunft.

Diskussion

Hojer: Warum keine Repräsentanz fürstlichen Lebens in den „originalen“ Raumfolgen ? Ohl: Schwierige Wohnverhältnisse in früherer Zeit lassen das nur schwer zu. Argument unglaubwürdig, da doch noch ungestörte Raumfolgen existieren.

Brunckhorst: Wilhelmsthal / Wilhelmshöhe (Hessen)

Diskussion:

Herzog: Gartengeschichtliches Museum in Schloß Fantaisie, Bayreuth

Schuchardt: Wartburg-Stiftung

Diskussion:

Hofmann: Schloßmuseen in Schlesien

Diskussion:

Verstaubtheit als Chance im Unterschied zur rein virtuellen Welt.

Göres: Das Preußische Stiftungsmodell

In Preußen und Bayern die ältesten SV’s in Folge der Ereignisse nach dem 1. Weltkrieg. Kaiserliches Vermögen von Wilhelm und Preuß. Königl. Besitz wurden 1918 beschlagnahmt. Über 5 Jahre dauerte Klärung bis zur Ausscheidung des Privatvermögens, das zurückgegeben werden sollte. Mehrere Vergleichsvorschläge werden nicht durchgeführt, dann meldete sich Denkmalpflege, die den Erhalt der dem Staat zufallenden Schlösser sowie den bei Fürsten verbleibenden Kunstbesitz forderte.

Museen forderten z. T. Auslieferung der Gemälde aus den Schlössern, da sie dort nicht genug zur Geltung kämen (z. B. Kunsthalle Bremen). Aber Denkmalpflege forderte Erhalt im Zusammenhang. Nutzung unter Beachtung „organisch gewachsener Einheit“.

Frage, wie umfangreicher Privatbesitz legal in Schlössern bleiben könne. Denkmalideologie als Argument der Enteignung!

Schlösser wurden als künstlerische und historische Denkmale verstanden (nach Dehio). Diese Haltung machte sich auch die Weimarer Republik zueigen, die Ministerialbürokratie zog mit. Begriff „Museumsschlösser“ entstand (Becker) und wehrte andere Nutzungsabsicht ab.

Forderung nach Schlösserverwaltung unter künstlerisch-historischer Zielsetzung entstand und wurde in Preußen und Bayern umgesetzt. An Preußen wurde Status Provinzialkonservator dem Direktor der SV verliehen. Nur Fachmann könne über Umgang mit Schlössern befinden.

Enteignungsvertrag übertrug 75 Schlösser/Gebäude an SV, König behielt 39. Bei Auswahl der „Museumsschlösser“ war man auf enge Auswahl bedacht, da man sich der Folgen bewußt war (Marienburg, Königsberger Schloß, Stolzenfels, ...).

Erste große Auswahl Meisterwerke aus preuß. Schlössern in Berlin Unter den Linden als Argumentationsausstellung.

Wirklich große Verluste erst in Nachkriegszeit durch sytematische russische Beraubung mittels militärisch organisierter Plünderung unter Leitung von Fachleuten. 1950 Sprengung Berliner Schloß. Nachfolgeverwaltung Hessen, Rheinland-Pfalz u.a. .

60er Jahre Sprengung Königsberger Schloß. SV Ost-West konnten besser kooperieren als staatl. Museen (Kontaktverbot!)

Nach Wende Wiedervereinigung der Ost- mit West-SV.

SV heute Status als UDB (Untere Denkmalschutzbehörde). SV heute tätig in zwei Ländern: Berlin und Brandenburg.

Förderverein der „Freunde der Preuß. Schlösser“. sammeln Geld für Restaurierung, weniger für Inventar.

Heute wird auch Kaiserzeit respektiert. Problem: Beraubte Möblierungen (Russen). Man träumt auch von Wiedergewinnung historischer Zustände (unter Eliminierung der Nachkriegsgeschichte!). DDR - Nutzung enteignete SV und ruinierte Objekte. Jetzt wird auf 18. Jh. zurückrestauriert. Großartige Fälschung der Objekte unter rekonstruktiven Gesichtspunkten bis ins 16. Jh. Totalvernichtung ungeliebter späterer Bauphasen. Ungesicherte Reko-Ergebnisse.

Führung: Audioguide mangels Nachfrage wieder eingestellt. Selbstführung, Führungswesen ist schwierig geworden. Zur DDR-Zeit FH-Absolventen. Info-Blätter, Führungspublikation ab 3 DM.

Winterschließung aus Kostengründen.

Ständig Personaleinsparung trotz Übernahme neuer Schlösser. Irgenwann Restaurierung von Schlössern ohne Öffnung und Präsentation mangels Führungspersonal.

Lange Schlössernacht mit über 50.000 Besuchern sehr erfolgreich.

Tip: Keine Musik im Schloß wegen Stauproblem. Nur Aktivitäten im Garten, Schloß lediglich beleuchtet und geöffnet.

Grunewald wird nach Renaissance zurückrestauriert. Cranach und Barockgemäld und Jagdwaffen aus Zeughaus.

Oranienburg - Porzellankammer. Geschichte der Silberschätze. Freilegungen über alles. Hoffnung auf Rekonstruktion Porzellankammer. Porzellan in Museen noch in Kisten von 1945.

Potsdam, Glienicke, Caputh:

Rekonstruktion Fassade auf „Ursprung“. Gewölbesanierung durch aufbetonierte Betonrippen. Rekonstruktion gefliester Sommerspeisesaal. Deckenfreilegung Rekonstruierung mangels Kenntnisse von Vorzustand.

Charlottenburg:

Originalräume und viele rekonstruierte Räume. Porzellankabinett mit neuem Porzellan, Raum erhalten.

Glienecke verwüstet übernommen.

Jagdhaus Stern

Rheinsberg:

Musiakademie, früher Arztwohnung (DDR), Galerie Rekonstruktion nach Foto.

Sanssouci:

Ruinenberg, normanische Turmwand für Buga wieder aufgebaut.

Teehaus von Mercedes gesponsert.

Neues Palais, gestohlene Prunkmöbel kamen aus Rußland [Anm. 2007: Das wäre bei Polen undenkbar!) zurück

Orangerie von poln. Restauratoren für Empfänge hergerichtet in 80 Jahren, dies ist auch heute noch so genutzt.


10. 10.03, Weimar Bauhaus-Universität Kolloquium: Außergewöhnliches in der Baudenkmalpflege und Bausanierung
Gedankenaustausch über brisante Schadensfälle und ihre außergewöhnlichen Behebungen
Veranstalter: Lehrstuhl für Bauaufnahme und Baudenkmalpflege/Bennert GmbH

Aus der Mitschrift Dipl.-Ing. Konrad Fischer

Gespannt und frohgemut fuhr ich am 10. Oktober zur Bauhaus-Universität Weimar, um Außergewöhnliche Denkmalpflege kennenzulernen. Es hat geklappt. Hier einige Notizen aus meiner knappen Mitschrift, inkl. lakonische Kommentare (KF:).

1. Prof. Dr.-Ing. habil. Dr.-Ing. H. Wirth, Weimar: Das Außergewöhnliche in der denkmalpflegerischen Methodologie

Denkmale sind außergewöhnlich, sie bedürfen außergewöhnlicher Methoden.

2. Dr. sc. techn. Dr. rer. nat. W. Bennert, Hopfgarten, Dipl.-Ing. I. Mielke, Weimar: Den Abriß abwenden. Ein Vorschlag zum Umgang mit den Verpreßschäden von Wiehe und Eilenstedt

Schloß Wiehe: Gigantische Treibmineralschäden durch architekteninduzierte Zementmörtelinjektion ins historische Mauerwerk. Folge: Ettringit-/Thaumasitbildung mit Entfestigung und Volumenvergrößerung des Mörtels. Verpreßplanung mit aufgeschäumtem Zementmörtel war Umsonst-Zuarbeit an Planer von Baufirma hinter dem Rücken des "sparsamen" Bauherrn (Kommune). Umsonstplanende Firma hat dann erhofften Zuschlag trotzdem nicht bekommen. So linkt man geizige Planer. Auftragnehmer hat dann HS-Trockenverpreßmörtel von renommierter Firma eingesetzt. Nun gigantische netzförmige Durchrisse im gesamten Mauerwerk. Notabstützung steht seit Jahren. Prozeß läuft erst mal gegen ausführendes Unternehmen (nicht für eigenen Pfusch versichert) anstelle gegen den Planer (Haftpflichtversichert auch für eigenen Planungs- und Überwachungspfusch). Offenbar schlechte Rechtsberatung der Kommune. Es geht um viele Millionen, gesamtes Schloßmauerwerk ist kaputt.

Treibprozess von außen nicht beeinflußbar, vollzieht sich bis zur "Sättigung". Abklingen ist berechenbar, Voraussetzung Rißbreitenüberwachung. Treibdruck bis 50 N/mm². Auch in Schloß Eilenstedt riesiger Treibmineralschaden. Elastische Sicherung der Treibkonstruktion mit gefederten Zugbändern und Stahlnetzen. Rißbeobachtung durch zeitlich unterschiedliche Rißmarkierung. Mielke: Weitere Verpreßkatastrophen an Stadtmauern Frankenhausen und Sömmerda, Burgruine Eckardsburg.

Gips-Zement-Kettenreaktion: Gips + hydraulische Aluminate -> Ettringit, CSH-Phasen + CaCO3 -> Thaumasit + Aluminatfreisetzung -> Ettringit.

3. Dipl.-Ing. H. Baumgarten, Erfurt: Abschnittsweise Sanierung von Ingenieurbauwerken mit höchsten Ansprüchen

Schloßpark Wörlitz - wie man ein Parkbauwerk durchbetoniert mit HDI-Gründungsverstärkung, nachträglichen Bohrpfählen mit anbetoniertem Mauerfußanschluß, Mauerwerksarmierung mit einzementierten Ankern, Nadeln und Spritzbetonschalen, gefährliche Nachsetzungen bei Pfahleinbringung - 5 cm, sichtbare Erweiterung der Rißsysteme bei invasiven Bauabläufen. Staatsbauamt! Denkmalpflege jammerte fruchtlos herum. Nächste Bauabschnitte folgen, bis alles ingenieurmäßig durchbetoniert ist.

4. Dr.-Ing. P. P. Zalewski, Weimar: Als die Europäer bauen lernten. Außergewöhnliche Baufehler im Hochmittelalter

Romanische Gründungsprobleme bei Großbauten. Gotik bevorzugt Mitverwendung der Vorgängerbaufundamente. Allmählich zunehmende Fundamenttiefe (Gernrode Stiftskirche 50 cm - Köln Dom 19 m). Amiens Stabilitätsvorbild. Einige Schiefstellungen (Pisa) mit Einstürzen wegen schlechter Gründung verbessern Erfahrungswerte.

5. Dipl.-Ing. C. Sußmann, Magdeburg: Sanierung des mittelalterlichen Ringankers am Nordturm des Magdeburger Domes

Konservierung alter Ringanker auf Mauerkrone in Bitumen, Neukonstruktion mit Nadeln zementär verankert in historischem Mauerwerk. Eisenkennwerte Alteisen anisotrop - nur in eine Richtung ok, Qualität St 37. Steinverschiebung in Fassade durch Korrosion vorher unbekannter innenliegender wandparalleler Eisenanker. Kritik in Diskussion: Neuer Eichenholzanker wird durch Trocknung stark schwinden. Formschluß Problem. Nachspannen?

6. Dipl.-Ing. K. Grobe, Erfurt: Die Schadensgeschichte einer Bastionsmauer der Erfurter Stadtbefestigung

Petersbergbastion Philipp: Ausbauchung und krasse Rißbildung nach Mauerverpressung. Dort war früher schon Mauerabsturz und Absturz der ehem. Mauerüberbauung. Bastionsbebauung entwässerte über defekte Grundleitung Richtung Bastionsmauer. Erf. Rücklagepfeiler nicht 3 sondern 10 m Abstand. Mauerquerschnitt zu gering, alte Vorgängermauer: Beule, wo Rücklagepfeiler 31 m Abstand, dort barocke Schatzgräberei nach Dagobertschatz.

7. Dr.-Ing. habil. H. Will, Potsdam: Stabilisierung von romanischem Findlingsmauerwerk

Romankalkverfugung einer brandenburgischen Kirchenfassade inkl. Schaumzementmörtelverpressung (Inhalt 0,6% Synthetik, Schaumbildner (Tenside) u. Cellulose-Ether als Stabilisatoren). Von außen alles ok nach 9 Jahren.

8. Prof. Dr.-Ing. W. Schwarz, Weimar: Geodätische Meßtechniken in der Baudenkmalpflege

Vorzeigen der Meßinstrumente, einige Beispiele Meßergebnisse.

9. Prof. Dr. Ing. K. Rautenstrauch, Weimar: Tragfähigkeitsuntersuchungen in historischen Mauerwerkskonstruktionen

Rechnerische und grafische Simulation Destruktion Mauerwerk durch gerechnete Belastung, Prognose Sanierungswirkung durch 3D-Berechnungsmodelle. Software nur in Uni. Offenbar sehr aufwendige Eingaben.

10. Dr.-Ing. V. Lind, Halberstadt: Mauerwerksnachweise in historischen Bauwerken - außerhalb der DIN 1053?

Ertüchtigung von rechnerisch überbelastetem Mauerpfeiler in mit Zusatzstockwerk geplagtem Halberstadter Baudenkmal der Stadt durch je 3 eingebohrte und zementverpresste Lagen 3 Stahl-Nadeln mit definierter Lastaufnahme. Das rechnet Sicherheit.

11. Dipl.-Ing. H.-G. Schwarz, Nürnberg: Das Wagnis einer Entkernung im Kräftefluß des Bauwerks

Engagierte Renovierung, Umbau und Erweiterung der Veldener Friedhofskapelle aus den 30ern. Kein Denkmal, jedoch stilsicher behandelt. Aufmaß ist Architektensache! Basta. Durchgeplante und vom Architekten auf der Baustelle den Bauarbeitern vorgeführte und eingetrichterte Handwerkskunst nach alter Väter Sitte. Wirtschaftliches Bauen kann und muß auch schön sein! Religiöse und auch sonst sehr traditionelle Motivation des sympathischen und unverblümten Architekten beschämte manche zuhörende Betonköpfe.

12. Dipl.-Ing. J. Götz, Hildesheim: Die Einheit von Architektur- und Ingenieurleistungen bei der Sanierung eines außergewöhnlichen Baudenkmals

Faguswerke Alfeld, 1914 ff mit ständig weiterentwickelten Fassaden-Konstruktionen. Originale Fassade keine curtain-wall wie von Gropius immer fälschend behauptet, wesentlich früher (1906) hat das profilliefernde Stahlwerk schon ein Stahlstützen-Glas-Bauwerk mit 4 Fassaden ringsum gehabt. Gropius hat dafür gesorgt, daß gesamte Literatur dies unterschlägt.Seine Stahlprofile ohne ausreichenden Rostschutz , sie rosteten total dahin. Auch der Ziegelbau war konstruktiver Pfusch, keine ausreichende Aussteifung, entsprechend viele Mauerwerks- und Rißschäden. Sommer bis 54°C, Winter bis -3°C - der Alptraum einer Glasfassade. 1924 Markisennachrüstung durch Neufert. Am Original orientierte Baurestaurierung über zig Jahre mit erheblichen Konstruktionsverstärkungen, die ja auch für die Erhaltung erforderlich waren. Beprobung liefert statischen Nachweis der Schrauben außerhalb DIN und Zulassung. Gute Zusammenarbeit mit Behörden.

13. Dr.-Ing. A. Löffler, Erfurt: Die "kleine Form mit großem Inhalt". Opfer von sozialen und ökonomischen Schrumpfungsprozessen.

Hochgestochene Einleitung vom Blatt abgelesen, um zu sagen, daß man gerne mehr Geld hätte für das, was man Denkmalpflege nennt,. Alles endet dann im typischen Sanieren nach "Sanierbaustoffproduktberatung" für Burgen und Kirchen: Vermörteln, verfugen und verankern mit Traßmörtel, HS-Zement. Ach, wie soll das nur weitergehen, wenn es immer weniger Geld gibt?

14. Prof. Dr.-Ing. G. Förster, Dessau: Notwendigkeit und Nutzen von diagnostischen Voruntersuchungen am Beispiel geschädigter Holzkonstruktionen

Fachwerksanierung a la DDR-Reko, auch für reparierbare Holzquerschnitte mit nur oberflächlichem Schadensbild. Bunte Bilder von Holzschädlingen, dem Publikum schon allzubekannt.

15. Dipl.-Ing. E. Jahn, Wolmirstedt: Die besondere Problematik bei der Umnutzung von Wind- und Wassermühlen

Aufruf gegen die typische Kaputtsanierung von Wind- und Wassermühlen mündet in aktuellem Beispiel einer Reko auf früherem Stand inkl. umfangreichem Rückbau (Wassermühle) dank 75% EU-Subvention.

Fazit: Wirklich außerordentlich außergewöhnlich, wie wenig Reversibilität, Methodenbewährung, Bestandsverträglichkeit, Alterungsverhalten und Wirtschaftlichkeit in der vorgeführten "Baudenkmalpflege und Bausanierung" eine Rolle spielen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Ist das den beteiligten Denkmalpflegern, Gutachtern, Planern oder gar "Restaurierungsunternehmern" zuzuschreiben? Wirtschaftlich-normgemäße Standpunkte zählen da mehr. Fehlt es an Fortbildung? Sie müßte im Sinne der Denkmalpflege jedenfalls etwas anders aussehen, als diese Veranstaltung der Bauhaus-Universität mit der Bennert GmbH - in der gewöhnliche Ingenieurmethoden im eigenen Saft schwammen. Auch die Erkenntnisse des SFB 315 betr. Langzeitverhalten von verpressten Nadeln scheinen noch nicht in Thüringen angekommen zu sein. Nur ein Landesamtler war da, und der riß das Ruder nicht herum. Was man hier vorgesetzt bekam, war zwar von den Objekten her hochrangig, sonst aber teils eher wenig außergewöhnlich ;-)


27. 06.05, Weimar Bauhaus-Universität Kolloquium: "E pur si muove!" - Denkmalpflege findet dennoch statt.
Veranstalter: Lehrstuhl für Bauaufnahme und Baudenkmalpflege

Aus der Ankündigung/Einladung: "Bedauerndes Klagen über unzureichenden ideellen und materiellen denkmalpflegerischen Zuspruch, über denkmalpflegerisches Vergehen ist mehr verbreitet, als der Wille zur konstruktiven, produktiven Auseinandersetzung. Das Kolloquium soll ein Podium dafür sein."

Und für einige überraschend war es dann auch eine akademisch niveauvolle Feier zum just am Veranstaltungstag stattfindenen 65. Geburtstag des wohl originellsten denkmalpflegerischen Lehrstuhlinhabers - Prof. Dr. phil. habil. Dr.-Ing. Hermann Wirth.

Es folgen die kurzgefaßten Eindrücke vom Tagesablauf, angereichert mit ein paar Bildern. Wichtig: Das Kolloquium wird mit den Originalbeiträgen publiziert. Info: Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Architektur, Lehrstuhl für Bauaufnahme und Baudenkmalpflege, 99421 Weimar, Tel.: 03643-583129, Fax: -583080


Weimar, 27.06.2005 "E PUR SI MUOVE!", Denkmalpflege Kolloquium zum 65. Geburtstag und Emeritierung von Prof. Wirth

Die Beiträge

1. Prof. Dr. Dr. Hermann Wirth, Weimar: Begrüßung
In launigen Worten kumuliert die Begrüßung in einer Attacke gegen die von Schiller in seiner Antrittsvorlesung erwähnten "Brotgelehrten" - heute "Drittmittelforscher". Substanzfetischismus - Konservierung als in Wahrheit geringster Anteil an Denkmalpflege, die überwiegende Restaurierung bis zur Translozierung und Kopie wird eher nicht "offiziell" wahrgenommen. Erneuerungsapostel und Renditejäger verhunzen Denkmal zur beliebigen Verfügungsmasse.

2. Prof. Dr. Ernst Badstübner, Berlin: Kunstgeschichte und Denkmalpflege, Anmerkungen zur Entwicklung einer Institution und eines Berufsbildes
Denkmalpflege - ein inflationierter Begriff - von jedermann zu mißbrauchen - auch von praktischen Denkmalzerstörern. 19. Jh. 2. Hälfte: Von Stileinheit und Stilreinheit zu Denkmalpflege. Romantische Restauration zu Beginn der Denkmalpflege (Bsp. Wartburg). Nicht nur Architektur als komplette erfindungsreiche Neuschöpfung nach Analogie und Phantasie, Architekt von Rittgen ließ dazu Skulptur und Historienmalerei als Gesamtkunstwerk zur Wiederbelebung antreten. Entrestaurierungswelle ab 1950er. Erste Neuzutaten im 19. Jh. "historisch", später aber "modernistisch". Nostalgiewelle bringt dann ab 80er des 20. Jhs.wieder Rekonstruktionen purifizierter Fassungen hervor. Restaurierung ist immer zeittypisch, Dehios Forderung nach "Konservierung" ist und bleibt Utopie.

3. Dr. Sigrid Brandt, Berlin: Gegen die Vorbildlichkeit vergangener Zeit, Joseph Gantners Interesse an Stadtbaugeschichte
Inventarisation der Stadtbaugeschichte im Gegensatz zur Inventarisation der Einzeldenkmale. Bezug zu Camillo Sitte: Städtebau als Kunstwerk, Primat des Platzes. Stadtbaugeschichte für Denkmalpflege lange nicht so wichtige Sache.Gunzelmann und Beseler versuchen hier Umkehr. Diskussion: Zalewski - Bombardement der historischen Städte hat Interesse an neuzeitlicher Baugeschichte stark gefördert.

4. Prof. Dipl.-Ing. Manfred Gerner, Fulda: Denkmalpflege im Osten, Beispiele aus Rußland
Dom in Königsberg: Breschenew befahl Sprengung, Bürgermeister Denisow hat das erfolgreich hintertrieben. Denkmalsanierung ab 80er Jahre teils im Sinne der nationalistischen Russifizierung, soweit Rußland mitfinanzierte. Von Engländern weggebombtes Dach (1944) in leichter Stahl-Kupfer-Konstruktion mit privater Finanzierung neu erbaut.
Kirche in Kishi 1720. In 1950er entfernt Architekt Opolowaikow auf der gemütsrussischen Suche nach dem Originalzustand Kupferdächer und Holzverschalungen, dadurch immer weiter zunehmende fäulnisbedingte Zerstörung. Kirche von Einsturz bedroht. Schlaue russische Sanierungsvorschläge - z.B. Aufhängung nach oben an kranförmigen Überkosntruktionen hätten weitere Zerstörung bedingt.

Gerner-Vorschlag (Modell Gerner) sieht Fachwerkbindersystem über Oktogon vor.
Extreme Luftfeuchtigkeit der topografischen Lage begünstigt Holzschädlinge. (KF: Wie steht es mit Temperierung der feuchteüberlasteten Holzbaukonstruktion zur nachhaltigen und preisgünstigen Konservierung (russisch/deutsch))
Tjumen: Holzblockbauten stark gefährdet. Von 5000 Bestand auf 180 heute Blockbauten dank modernem Kommunismus "totgeschrumpft". Russische Denkmalpflege zwischen Reko und Vergewaltigung, Kenntnisse da, wirtschaftliche, ideologisch-philsosophische und politische Voraussetzungen aber nicht. Russismus steht Denkmalpflege im Weg.

5. Dr. Dr. Wulf Bennert, Hopfgarten: Wege zur sich selbst finanzierenden Denkmalerhaltung
Radikale Fördermittelabsetzung der staatl. Denkmalpflege kostet mehr und mehr Denkmalsubstanz. Wie läßt sich Denkmalerhaltung finanzieren?
A) Eigenmittel Bauherr,
B) Steuerl. Absetzung der Aufwendungen,
C) Staatl. Förderung,
D) Stiftungsmittel (DSD, Bundesstiftung Umwelt, ...),
E) Alternativen:
1) Spenden,
2) Sponsoring mit werblicher Darstellung,
3) Refinanzierung des Aufwands durch verstärkte Nutzung,
4) "Apostelfinanzierung"
Beispiele
zu 1) Spenden: Förderbereitschaft für Gloriosa (Glocke) Erfurt mit Videotrailer gestärkt. Mediale Problemdarstellung fördert Spendenbereitschaft und Sponsorenwerbung.
zu 2) Beispiel Brandenburger Tor + Telekom-Werbung, 2. Beispiel Korkenzieherwerkstatt, Translozierung und Sponsorpräsentation in Trailer im Landtag und auf transportiertem Bauwerk.
zu 3) Beispiel Brunnen auf Leuchtenburg: Reko des Schöpfrads, Finanzierung durch Verpachtung des Objekts an privaten Investor auf 12 Jahre, Pächter erhält Eintrittsgelder.
zu 4) Apostelaltar, von Anobien zerfressen. Vorschlag: Eine der Apostel-Großskulpturen auf internationalem Kunstmarkt verauktionieren, von Erlös Restaurierung und mehr finanzierbar! Diskussion: Fischer: Schalk-Golodkowski soll Leiter einer staatlichen Auktionierungsbehörde werden.

6. Dombaumeisterin Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, Köln: Vulgärökonomische Vernunft bei der Erhaltung des Kölner Doms (Webseite: www.dombau-koeln.de)
Erhaltungsprobleme seit langem Aufgabenstellung der Dombauhütte. Reparaturen konstruktiv stark belasteter Teile mit "unkaputtbarer" Basaltlava. Kopien (hier Wasserspeier) wie seit altersher mit Punktiergerät nach daneben liegendem Gipsmodell.
Schlaitdorfer (tonhaltiger) Sandstein mit hoher Feuchteproblematik (Quellen) wird heute durch Stein aus Bassanov/CZ ersetzt. Französischer Savonnière-Kalkstein durch Dauerfeuchte stark gefährdet und an exponierten Stellen stark erodiert, sonst in schönem Zustand. Früher: mit acrylharzgetränkten Originalsteinen von Vorgänger Wolff in Kopie ersetzt. Heute: gereinigt, restauriert, rekonstruierend ergänzt (mit zum Verständnis erforderlichen abgängigen Attributen nach Originalzustand), teils acrylharzgetränkt.
Laserreinigung von besonderen Teilbereichen wie hier im Tympanon bzw. an wichtigen Figuren schreitet wg. sehr hoher Kosten nur langsam voran.
Neue Kopien mit Obernkircher Sandstein (aufwendige Arbeit, bessere Haltbarkeit). Teilgeschädigte Kalkfiguren werden im Original erhalten, ergänzt, konventionell gefestigt.
Ziegelplombe nach Zerstörung durch angloamerikanische Bomber in Front eingesetzt - nach vehementer denkmalpflegerischer Diskussion durch die Gazetten: Ziegelhaut wird ca. 30 cm zurück bearbeitet und mit Quadern verkleidet gem. Original.
Kapitelle nach Naturvorbild neu erschaffen. Figurenbaldachine Neuschöpfungen als freie Kopien im historischen Stil / nach hist. Vorbildern. Hl. Benedikt Kopfergänzung mit zementärem Ersatzmörtel (im Inneren). Schadhafte Bauteile in Vierung ersetzt.
Keine Bestandsdoku/Schadenskartierung "Bambergischer Manier", da zu hoher Aufwand und in ca. 100 Jahren kein Bedarf! Solche Dokueskapaden, die jetzt im Archiv verstauben, wurden von Vorgänger noch beauftragt, da spielte Geld noch keine Rolle. Steingerechte Doku unbrauchbar und nicht notwendig: Unterscheidbarkeit dürfte später wie heute gegeben sein und sowieso für Baumaßnahme nicht oder nur wenig verwendbar.
Steinschäden am Obernkircher Fassadenstein vorwiegend durch Rostsprengung. Abbau, Erneuerung in Originalstein, eingebleite Edelstahlklammern. Verzinkte Blechverwahrungen werden in Blei erneuert.
Gerüstbau früher. Heute preiswerte Hängegerüste Alulegierung (teuer) ohne Verankerung in Steinmaterial (aus Bühnenbautechnik). Schutznetz (mobil) für Passantenschutz nur temporär im Einsatz.
Bei Glasrestaurierung allerdings detaillierteste Dokumentation Zustand und Maßnahme (am Bildschirm an Werktisch). Fensterreko durch Stiftergelder, die sich im Fenster verewigen (Beispiel: in Saturn/Planetensymbolik). Schutzverglasung in sehr aufwendiger Bauweise.
Gefaßte Grabmale können wegen Verbrennungsgefahr der Beschichtung nicht mit Laser, sondern nur "konventionell" gereinigt werden, von Besucherstaub verschmutzte Fassungen werden nur entstaubt.
Jährlicher Dombaubericht.
Fazit: Notwendige Abweichungen von wahrer Lehre der Denkmalpflege von ökonomischer Vernunft diktiert. (Alle Bilder/Bildrechte der bei diesem Vortrag verwendeten und hier wiedergegebenen Fotos: Dombauverwaltung Bildarchiv)

7. Dipl.-Ing. Volker Schweizer, IRB Stuttgart: Jeder Fall ein Präzedenzfall, Moderne Wege der Informationsbeschaffung in der Denkmalpflege
Platons Höhlengleichnis. Wissen ist personenbezogen. Informationsmanagement, Informationshiding vermindern. Informationsbeschaffung und -bereitstellung.
Informationkanäle - Kommunikationskanäle: persönliche Kontakte, konventionelle Medien (Print), neue Medien (digital).
Informationsresonanz (Neill Postman)
Informationswiderlegung. Informationsanwendung.
Wert und Relevanz Information/Recherche muß! beurteilt werden: Herkunft (KF: interessensgesteuert, manipuliert wie DIN-Normen von Normenausschüssen, Fachartikel von Produzenten, vgl. Schweinereien im Pharmabereich - Sanierprodukte-Medikamente - alles Schiebung?) Aktualität?Vollständigkeit? > Kenntnisse über Schlüsselquellen. Berliner Erklärung: Offener Zugang zu Wissen in Internet, weltweit und frei, soweit von "wiss. Gemeinde" bestätigt. Internet nachhaltig interaktiv, transparent. IRB direkt: Wissensportal BAU Informationsmanagement: Aus Erfahrung und Schäden lernen. Kommentar: Schön wärs.

Einschub: Cantata "Dennoch bleib´ich stets an Dir"
Zur Emeritierung des Universitätsprofessors Hermann Wirth, Komposition: Alexander Ferdinand Grychtolik, Libretto: nach Henrici (Picander)
v.l.: Jörg Emmrich -Viola, Ulrich Kliegel -Violine II, Jürgen Karwath - Violine I, Hans-Dieter Koch - Violone, Alexander Ferdinand Grychtolik - Cembalo, Astrid Müller - Violoncello, Ika Kruse - Sopran.

Texte aus der Cantata:
1. Aria
Dennoch bleib´ ich stets an Dir
Wenn mir alles gleich zuwider;
Keine Trübsal drückt in mir
Die gefaßte Hoffnung nieder,
Daß, wenn alles bricht und fällt,
Dennoch das Bewahrte hält!

2, Recitativo
Mein Herz, zerreiß des Mammons Kette,
Oh Hände, streuet Gutes aus.
Wahret ja der Väter Haus,
Das euch angerechnet bleibet,
Wenn der Erden Gut zerstäubet!

Dennoch, mein Herz, ich geh´mit Dir dahin:
so wei ich mit meinem leben,
mit Gottes höchstem Segen,
Der höchsten Kunst verschrieben bin. [...]

Prof. Wirth dankt den Künstlern und dem Komponisten

Ja, welcher Denkmalpfleger wird wohl noch so ein Ständchen verdient haben - und dann auch bekommen?

8. Prof. Dr. Sabine Bock, Coburg: Gebaute Bilder - Oder was unterscheidet die Wartburg vom Braunschweiger Schloß?
Nationalbewußtsein -> Geschichtsbewußtsein -> Denkmalschutz ab 1817 (Burschenschaftler auf Wartburg). Aus Denkmaltrümmern ganzes Objekt in alter Schönheit reproduzieren. Patriotische Brunst. An Heidelberger Ottheinrichsbau entzündet sich ideologischer Streit: Restaurieren oder Konservieren? (Ruinenmodell, Ottheinrichsbau vorne) (Wiederaufbaumodell)
(Heidelberger Schloßmauer - wäre für Denkmalpflege/Konservierung/Restaurierung bis in unsere Zeit nicht auch wichtig gewesen, die staatliche Bauwerkszerstörung durch Zementmörtel ordentlich zu kritisieren?)
Heideloff baute Veste Coburg neugotisch wieder auf, Nachfolger Rotbarth baut dann teilweise wieder zurück, Ebhardt überformte wieder neu, immer unter Zerstörung des Originals. Ja, das ist Denkmalpflege wie heute.
1945 Zäsur (materiell) durch angloamerikanische Zerstörung der deutschen Kernstädte. Kommunistischer/ sozialdemokratistischer Bildersturm sprengt verhaßte Baudenkmale - 1951 Stadtschloß Berlin, 1960 Braunschweiger Stadtschloß. Nostalgie rekonstruiert dann wieder (Hildesheimer Knochenhaueramtshaus, Dresdner Frauenkirche). Denkmalperversionen a la Trojanisches Pferd.
Wiederaufbau Stadtschloß Braunschweig als Teil eines Einkaufcenters, das Schloßpark überbaut. Ach wie edel sind Denkmalkopien.

9. Dipl.-Ing. Nils Meyer, Dresden: Denkmalschutz und Denkmalwandel. Von Erhaltungs- zu Transformationsregeln? Denkmale als "prozessaler Transformationsmechanismus" im soziokulturellen Umfeld. ... Leerstand Schlösser DDR 1989: 7,7% -> 2005 28,8%, Museum 1,8% -> 8,3%, Ausbildung 32,2% -> 5,5%, öffentl. Nutzung 22,4% -> 8,6%, landwirtschaftl. 13,8% -> 2,1%, Gastronomie/Hotel 12,9% -> 10,4%. Diskussion: Wirth begriffliche Klarstellung Denkmalpflegemethodik, nur saubere Analytik gibt Auskunft ob 1) Konservierung, 2) Restaurierung, 3) Ergänzung, 4) Translozierung, 5) Kopie - mehr gibts nicht.

10. Dipl.-Ing. Gunther Wölfle, Dresden: Städtebauliche Denkmalpflege zwischen Substanzfetischismus und Kulissenzauber
Substanzfetischismus (Petzet), Überbewertung des Alterswerts? Überzogene Ausweitung des Denkmalbegriffs? Substanzverlust als Folge der Kategorisierung (zwangsläufig) verschiedener Schutzziele. Je weniger Denkmale, um so weniger Verluste (Mörsch). Denkmalpflege für Prestigeobjekte - Paradigmenwechsel. Bauzeitliches Erscheinungbild und Entwurfsidee als Zerstörungsfaktoren am historisch gewachsenen Baudenkmal (Beispiel Bauhaus-Meister-Häuser Dessau) - nur noch "Kulissenzauberei" inkl. Aufgabe der historischen Substanz. Dagegen: Stilistische Unvereinbarkeiten schichtenweise gegeneinander stellen - polnischer Dekonstrutivismus inkl. Abstrapsen aller historischen Putze, um noch mehr "Denkmal" zu zeigen -> Denkmalporno. Kommunikatives Vermittluingsdefizit der Denkmalpflege in Breite der Gesellschaft. Ruinenbröckchen Frauenkirche in Taschenuhr -> Vom Subszanzfetischismus zum Reliquienkult. Diskussion: Fischer: Kommunikation der Denkmalpflege in Gesellschaft schwierig, da intern große Diskrepanzen zwischen "plnischem Denkmalporno" und "nostalgischem Kulissenzauber". Demokratischer Rückhalt für elitäre Denkmalpflege in Gesellschaft nicht gegeben.

11. Prof. Dr. Otfried Wagenbreth, Freiberg: Substanz- und Strukturschutz, singuläres und Flächendenkmal, Das Beispiel des Bergreviers Freiberg
Was ist denkmalrechtlich Unterschied zwischen einmaliger Kompletterneuerung aller angemorschten Fachwerkballen eines stark bewitterten Schachtgebäudes und je 1/3-Austausch in mehreren aufeinanderfolgenden Bauabschnitten? Bleibt ein Baudenkmal? Denkmalbedeutung durch Gesamtensemble/-struktur über verschiedene Denkmalgattungen und Bauseiten. Dann Kopie legitim (Kopie-Denkmal als Teil übergeordneter Denkmalstruktur).

12. Dr. Urs Boeck, Hannover: Prima la musica, poi le parole
Interne Schwierigkeiten in Denkmalwissenschaft sind auch für praktische Schwierigkeiten der Denkmalpflege mitverantwortlich. "GefühlterVerlust" der Geschichtszeugnisse fördert Denkmalnostalgie. Allerlei zur bunten Vielfalt denkmalpflegerischer Dokumentation und Kommunikation. Mobile Denkmale (Kunstobjekte) werden von staatl. Denkmalpflege sträflich vernachlässigt. Aufruf zu allerlei Verbesserungen in der Denkmalpflege und ihrer Organisation. Wer das leisten und bezahlen soll, wo es dafür Vorbilder gäbe, bleibt offen. Diskussion: Meckseper: "Kulturhoheit der Länder ist Hemmschuh für gemeinsame Verbesserungen in Denkmalpflege". Und nebenbei - wenn es zu einer gemeinsam organisierten "Verbesserung" käme, würde das nicht unbefriedigend enden wie Rechtschreibreform?

13. Dr. Stefan Pülz, Weimar: "Und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt", Reformatio in peius im Denkmalrecht?
Hoffman-Axthelms Aufruf zur Liquidierung der staatl. Denkmalpflege ist von außen gekommen und versandet. Dafür Novellierung der Denkmalschutzgesetze mittels administrativem Klimbim - ohne jegliche positive Wirkung und Sinn, dafür zogen gravierende Nachteile ein. Beispiel: Entfall des Vetorechts der Fachbehörde. Abschaffung des "Einvernehmens". Verschlimmbesserungen als Ergebnis der dubiosen "Unternehmensberatungen" der Denkmalpflege (die schon die Kirchen fertig gemacht haben). Folge: "Verfahrensvereinfachung" durch Verfahrensaufblähung! Erlaubnisfiktion durch Unterlassung eines Erlaubnisbescheides. Pauschaliertes Einvernehmen (Allgemeines Fachgutachten zu gemeinsamen Fallgruppen) ersetzt Stellungnahme/Beteiligung Fachbehörde. Kirchenprivilegierung gegenüber privaten Denkmalbesitzern durch Entfall des Einvernehmens in vielen Fällen. Das dürfte nicht verfassungsgemäß sein! Diskussion: Meckseper: Denkmalbegriff ist ein fiktiver Begriff. Voß: In Sachsen-Anhalt mind. 90% der Fälle im guten Einvernehmen abgewickelt worden, kein Novellierungsbedarf.

14. Prof. Dr. Gerhard Glaser, Heidenau: Vom Täter zum Betrachter
Denkmalpflege gegen die Menschen geht nicht. Denkmalpflege geht mit Bürgern auch mal gegen "den Staat". Verrechtlichung der Denkmalpflege ist Ende der Denkmalpflege. Denkmalpfleger sind Hausärzte, die zum Patienten gehen. Untere Denkmalschutzbehörden außerhalb der Großstädte sind von größtanzunehmender Inkompetenz besetzt. Denkmale der niederen Kategorie bekommen keine fachliche Zuwendung (Hausarztbesuche) mehr. Abbruch von Baudenkmalen (leerstehende Wohngebäude) mit Fördermitteln wird "vornehm Rückbau genannt". Sächsischer Landesrechnungshof stellte fest: "Wir haben zu viele Denkmale". Wer soll an Spitze der Fachbehörde Denkmalpflege? Jurist, Betriebswirt, Bodendenkmalpfleger, Kunstwissenschaftler, Architekt? Jurist und Betriebswirt sind abhängig von externen Stellungnahmen und Gutachten, deren Wert sie gar nicht beurteilen können. Archäologe kann mit Investor nicht sinnvoll verhandeln (Kunstwissenschaftler auch nicht). Architekt gibt Denkmalwerte zugunsten Funktion und Konstruktion eher auf. "Denkmalpfleger" hat Scheuklappen. Kunstwissenschaft bleibt unverzichtbar.

Wirth in Fazit:
Die bauhistoriologische Dokumentation hat sich verselbstständigt. "Die Dokumentation ist perfekt - das dokumentierte Objekt zerfallen." Zu teuer! Kein Bezug zur Erhaltung!

(Anmerkung KF: Madersche Akribie der wissenschaftlich und technisch sinnvollen Bauforschung wurde zum Doku-Geschäftsfeld für jedermann - und bleibt oft ohne Ergebnis außer bauherrn- und denkmalpflegerblendend bekritzeltem Papier. Praxis zeigt allerdings sekundären Nutzen der Doku: Sehr geeignet zum Einstieg der Professorenbüros in Maßnahmenbetreuung an herausragenden Baudenkmalen international)

Zu Bock: betr. Schloßaufbau: Enkelgeneration sühnt die Kulturverbrechen der Großstädter - das ist legitim.

Zu Wölfle: Original ist Ergebnis einer Wahrnehmungsphilosophie. Man kann nie zweimal in den selben Fluß steigen. Original ist alles bzw. Original muß einer Zeitstufe zugeordnet werden. Auch der letzt übernommene Zustand ist Original. Substanz ist Träger/Substrat der Idee vom Denkmal. Denkmalpflege ist nicht/muß nicht Substanzerhalt sein. Substanzbefangenheit der Denkmalpflege!

Zu Boeck: Zentralistische Denkmalpflege war in DDR da, aber hat inhaltlich nicht funktioniert.

Zu Pülz: Wichtig ist Listeneintrag als Schutzobjekt, Handhabung des Gesetzes ist dann eher nachrangig.

Danach: Geselliger Ausklang im Weltkulturerbe HAB
Prof. Wirth lauscht dem Ständchen der Liedertafel - Gaudeamus igitur, iuvenes dum sumus!

Ad multos annos!!!


02.04. – 04.04.2006 in Bayreuth: "Raumschale und Technik im Baudenkmal"
Veranstalter: FACHARBEITSKREIS SCHLÖSSER UND GÄRTEN IN DEUTSCHLAND
Arbeitsgruppe Bauangelegenheiten und Denkmalpflege
Arbeitsgruppe Restaurierung

Organisation: Peter Seibert, Baudirektor und Dr. Katrin Janis, Abteilung Restaurierung, Bayerische Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, Schloss Nymphenburg, 80638 München

Teilnehmer: Geschlossene Veranstaltung der Arbeitsgruppen
Link: Vollständiges Programm

Programmauszug der Vorträge am 03.04.2006

09:00 – 12.30 Uhr Fachvorträge im Gartensaal der Markgräflichen Gartenwohnung im Neuen Schloss Bayreuth
09.00 – 09.30 Uhr Dr. Matthias Staschull: Konflikt Raumklima und Theaternutzung am Beispiel des Markgräflichen Opernhauses Bayreuth
09.30 – 10.00 Uhr Dipl.-Ing. Architekt Peter Seibert: Anforderungen einer Gemäldegalerie contra Schutz des Baudenkmals am Beispiel der Gemäldegalerie des Neuen Schlosses in Bayreuth
10.00 – 10.30 Uhr Dr.-Ing. Jörg Seele: Bauphysikalische Untersuchungen am Beispiel des Alten Schlosses in der Eremitage Bayreuth
11.00 – 11.30 Uhr Dipl.-Ing. Architekt Konrad Fischer: Konservatorische Temperierung am Beispiel von Schloss Veitshöchheim bei Würzburg
11.30 – 12.00 Uhr Dipl.-Ing. Astrid Weller: Klima/Heizung in Schlössern
12.00 – 12.30 Uhr Restaurator Klaus Häfner: Welches Klima vertragen museale Ausstattungen?
13.30 – 14.00 Uhr Restaurator Stephan Wolf: Einführung: Restauratorisches Konzept für Italienischen Bau und fürstliche Gartenwohnung

Mitschrift - Kurzfassung von Konrad Fischer

1. Starschull: Bayreuth Opernhaus: Große Schäden an der Bausubstanz enstanden nach dem Einbau einer Klimaanlage, ab 1996 wurden deswegen Klimamessungen durchgeführt. Große Schwankungen der Klimasituation enstehen durch Nutzung. Es wurde ein wiederkehrendes Monitoring der gefährdeten historischen Ausstattung eingeführt, nachgewiesene Schäden sind: Abplatzende und krepierende Fassungen, Verstaubung, Verbund Staub + Harzölfassung der 30er Jahre. Die Klimaanlage liefert 18-20.000 m³/h Zuluft. Lichtstrahler und Erwärmung bewirkten bis zu 10 Grad Spreizung der Raumlufttemperatur im 9 m hohen Raum. Extreme Temperaturspreizungen gab es auch im Jahresablauf. Eine neue Steuerung der Klimaanlage reduziert inzwischen die Spreizung, die Raumluftfeuchte / relative Luftfeuchte RF oszilliert um 20 %.

2. Seibert: Bayreuth, Neues Schloß: Erweiterung der Nutzung als neue Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlung. Der Leiter der Staatsgemäldesammlung forderte "Idealklima" für Museen: Einhaltung exakter Klimawerte: RF 50-55 %, maximale Änderung der Klimawerte < 2,5 %/Std. (%/h) und 5 %/Tag (%/d). Die Bestandssituation war dafür denkbar ungeeignet. Das Innenklima folgt logischerweise dem Außenklima. Der Vorschlag der Schlösserverwaltung zur Verbesserung der Exponatsituation und des Raumklimas auf einfachstem und substanzschonendste Maßnahme durch elektrisch erwärmte Steinplatten als Strahlplatten + Luftbedampfer zur Befeuchtung zu trockener Luft wurde seitens der Staatsgemäldesammlung abgelehnt. Eine vollautomatische ferngesteuerte RLT-Anlage (Klimaanlage) wurde stattdessen gefordert. Die Umsetzung dieser Forderung bringt negative Folgen für die historisch wertvolle Bausubstanz des denkmalgeschützten Bauwerks: untragbare Eingriffe durch Quelllüftung. Als Kompromiß wird verwirklicht: Teilklimaanlage. Klimatruhen und Wandtemperierung. Auch dieser Kompromiß bedingt immer noch gigantische Eingriffe: Der historische Fußboden muß dafür ausgebaut werden, ein Unterflur-Versorgungsschacht zur Aufnahme der Technik muß eingebaut werden. Die Wandtemperierung wird unter der historischen Lambris (den Lamberien / Wandverkleidungen der Sockelzone) und hinter der Fensterleibung installiert. Dazu kommen eine Brandmeldeanlage mit Luftsaugsystem sowie Sicherheits- Funktionsfenster als Innenvorsatzkonstruktion. Fazit: Ein Kompromiß zwischen Substanzfetischismus und optimaler bzw.maximaler Ausstattungsperfektion. Zum Schluß wurden Vorgaben mit etwas höheren Toleranzen vereinbart. (RF 45-60 %). Im Winter Temp. > 4° zulässig, für das Personal wird ein Wärmeraum /Aufwärmraum eingerichtet. Ist dieser Aufwand angesichts der geringen Besucherfrequenz im Winter gerechtfertigt? Das budgetierte Kostenvolumen der Haushaltsunterlage Bau (HU-Bau) wurde deutlich gesprengt durch die aufwendige Klimatechnik / Klimatisierungstechnik, dafür mußten Einsparungskompensationen gefunden werden.

3. Rest. Häfner: Die historischen Raumausstattungen sind im praktisch üblichen Rahmen gut klimaverträglich. Die Klimavorgaben für Gemäldemuseen lt. Hilbert 1996: 18-25 °C Raumtemperatur, 45-55 RF +/- 2 %. Die Klimastandards zielen lediglich auf physikalische Verhältnisse (Raumluftfeuchte, Raumlufttemperatur) und nicht auf die chemischen Prozesse an den Kunstwerken selbst. Die Klimastandards wurden aus gewissen Erfahrungswerten entwickelt, daraus ergab sich die Forderung nach einer Klimaanlage. Schlösser (und vergleichbare historische Bauwerke) bergen Kunstwerke aus unterschiedlichen Materialien und Arten, sie haben im originalen Zustand keine Klimaanlage. Beispiel Linderhof: Sommer + Herbst hohe RF, die im Putz + Holzausstattung gespeichert bzw. gepuffert wird und im Winter (besucherarm) wieder abgegeben wird. Das Klimamonitoring erbrachte folgende Klimadaten für die Raumluftfeuchte: Oktober bis April 50-80% RF, Mai bis September: 55-70% RF. Hölzer, die frühzeitig Klimaschwankungen erlitten, reagieren sehr unempfindlich bzw. störungstolerant bei späteren Schwankungen. Als Werkzeuge des Monitorings kommen zum Einsatz: 1. Foto, 2. Kartierung, 3. Messung Materialverlust (Rieselmethode), 4. Laserinterfereometrie, 3D-Messung.

4. Seele: Bauphysik an Altem Schloß der Bayreuther Eremitage. Schließung Herrenflügel wg. starkem mikrobiellem Befall. Einbau Lüftungsanlage. Kriechkeller unter Fußboden mit Anschluß an Außenluft. Decken: 2 cm Schüttung, 5-6 cm Fehlboden mit Schüttung, 3 cm Schalung, 2-4 cm Rohrmattenputz. Extreme Tauwasserbildung. Langzeitig Frost in Räumen, langsame Raumklimaänderung, aber Temperatur + Feuchteextrema. Maßnahmen zur Klimastabilisierung erforderlich. Zielparameter: Frostfreiheit bei 4° Minimaltemperatur, reduzierte RF und Oberflächen-Feuchte. Anforderung an die Bauteiltemperierung: Eingriffe unzulässig, für eine Warmluft-Bodenheizungist die Kapazität der Heizungsanlage unzureichend, zu viele Eingriffe wären damit verbunden. Deswegen Vorschlag (entsprechend Planung Fischer in SV-Pilotprojekt Schloß Veitshöchheim): Temperierung durch mobile Marmorstrahlplatten in Heizperiode, im Sommer Deponierung in einem Lagerraum. Der damit temperierte Musterraum zeigte schon positive Wirkungen der Bauteiltemperierung: Konstante Lufttemperatur bei stark wechselndem Außenklima! Relativ konstante Oberflächentemperaturen an Hüllflächen. Das Temperierkonzept: Je Raum 2 x 1600 W MPH (Marmorplattenheizkörper, Marmorplatten-Heizstrahler, Marmorplattenheizungen), die Regelung thermostatisch u. hygrostatisch mit Fühlern in kritischen Bereichen. Winter 50-70% RF, kurzfristig 45 %. Kein Tauwasser, eine Bedingung für mikrobiellen Befall. Stromkosten ca. 1.000 EUR für das Objekt.

5. Fischer: Die konservatorische Hüllflächentemperierung am Beispiel des barocken fürstbischöflichen Gartenschlosses Veitshöchheim bei Würzburg (siehe Link zur Langfassung).

6. Berlin, Schloß Charlottenburg, Neuer Flügel.
a) Fritsche: Das Gebäude wurde bei den angloamerikanischen Bombenterror-Luftangriffen 1943 bis auf die Grundmauern zerbombt und brannte vollständig aus. Beim Wiederaufbau in der Nachkriegszeit wurde das Bauwerk für Ausstellungszwecke ohne Kleinteiligkeit der Raumstruktur neu aufgeteilt.

b) Weller: Raumklimatisierung für den multifunktionellen Ausstellungsbereich. Typische Klimavorgaben der Raumlufttechnik mit erheblichem Anlagenaufwand und gravierenden Bauwerkseingriffen. Heizen + Kühlen + Befeuchten + Entfeuchten. Fensterertüchtigung mit Einbruch- und Wärmeschutzglas, dazu zusätzlich Lichtschutz. „Klimafenster“ + Verdunkelung. Alles unter dem (nicht gerade billigen) Motto „PC-basierte Gebäudeautomation“.

c) Hübner: PC-basierte Gebäudeautomation in Schloß Charlottenburg, Klimafühler als Pendelfühler in Kernbohrung. Raumlufttemperatur + Feuchte. Totalkontrolle der HighTech Klimatisierung vom PC aus.

9. Wolf: Restaurierungskonzept Bayreuth, Neues Schloß, bemerkenswerte Schwermetallbelastungen in den historischen Schlackenfüllungen im Boden, Vorstellung Baugeschichte, Schäden + Restaurierungskonzept.

Diskussion: Überfallartiges Nutzungskonzept. Vergleich: Historisches Bauwerk (Baudenkmal) ist auch ein "Bild", wer würde in Gemälde Rauchmelder einbohren? Warum keine halogenfreien (PVC-freien) Kabel?

Hier finden die Freunde und Liebhaber der Ritter und Fürsten, des Adels, der Ritterfräulein, der Kreuzzüge und der Ritterorden Literatur / Bücher zu Burg und Schloss, Burgen & Schlösser, auch Ruine und Ruinen in Thüringen, Sachsen, Anhalt, Bayern, Franken, Rheinland-Pfalz, am Rhein, in Preußen, Ostpreußen, Schlesien und Böhmen, in Mecklenburg und Brandenburg, im Deutsch-Ordensland, in Österreich, Tirol und Südtirol, in Italien und Frankreich und sonstwo, die ich in extra reicher Auswahl aus dem Amazon-Angebot für Sie zusammengesucht habe. Mit etwas Zeit können Sie hier tagelang schmöckern und sich verlieren, Vorsicht! ;-)

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Herrenhäuser, Gutshäuser und Schlösser in Mecklenburg-Vorpommern:

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Herrenhäuser, Gutshäuser, Burgen und Schlösser in Ostpreußen:

Das deutsche Ordensland:

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