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Konrad Fischer
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Naturstein Natursteinrestaurierung Fassadenrestaurierung Fassadensanierung Steinsanierung Schloßfassade Burgfassde Burgmauer Schloßmauer

Altbautaugliche Verfahren und Baustoffe
Kapitel 9. Natursteinrestaurierung, 10. Wandbildner im Vergleich und 10.a Fachwerkinstandsetzung

[9.4] Wasserabweisung/Hydrophobierung/Hydrophobisierung - Wichtige Details

Unterkapitel - 9. Natursteinrestaurierung: [1] [2] [3] [4] [5] [6]
Steinboden: [7]
Reinigungstechnik: [8]
10. Wandbildner im Vergleich: [9] [10] [11] [12] [13] [14] [15]
10.a Fachwerk/Blockbau: [16 - Die schärfsten Tipps zur Fachwerkrestaurierung: Woran erkennst Du einen Fachwerk-Experten?] [17] [18] [19.1] [19.2]
Bodenaufbau/Holzboden: [20]

Wasserabweisung / Hydrophobierung / Hydrophobisierung - Details

Bauherren und Architekten, Laien und Denkmalmystiker gleichermaßen sehnen sich angesichts der vor sich hinbröselnden Natursteine an bewitterten Fassaden und Skulpturen nach farblosen Regenschirmbaustoffen, die die geliebte Natursteinoptik - denken wir nur an den im 19. Jahrhundert salzsäuregereinigten Mummenschanz an unseren Domen, Burgen und Schlössern - erhalten und gleichzeitig wirksam vor Nässe und folgende Verluste schützen. Diese romantische Auffassung des Industriezeitalters - oft ohne Kenntnis der früheren wilden Farbfassungen auf der "Natur"-Fassade nutzen allerlei Chemiewaffenproduzenten und deren Helfershelfer in der sogenannten "Wissenschaft" und in "Forschungsinstituten" - teils mit Diplomen, Doktoren- oder gar Professorentitulaturen - aus der Branche der sogenannten "Bauchemie" zum frontalen Angriffskrieg gegen den Bestand und propagieren seit jeher eine "Hydrophobierung/Hydrophobisierung", d.i. wasserabweisende (wasserfeindliche, d.h. Wasser in flüssiger Form sperrende, nicht von flüssigem Wasser durchdringbar/durchfließbar), sorptionshemmende und kapillartrocknungsblockierende Kunstharzsperrdichtschichtversiegelung der Fassade als Wunderwaffe für den Endsieg. Lösemittelgelöste oligomere Siloxane, monomere Silane und Siloxancremes werden dafür meistens wacker eingesetzt, Methode: Volltränkung, Motto: Nach uns die Sintflut. All diese Wunderchemikalien spalten als wassersperrenden Wirkstoff Polysiloxan ab. Auch Polyurethane und Acrylate und was die alchymische Hexenküche sonst noch an Goldgewinn versprechenden Zaubermitteln austößt, finden wir auf dem Bestellzettel der sich als ehrenwerte Naturwissenschaftler gerierenden Verkaufsgenies der Sanierstoffpräparanden. Und was eigentlich auf dem Beipackzettel stehen müßte, nämlich die vermaledeiten Nebenwirkungen der chemikalischen Saniermedikamente, wird verschwiegen bzw. dem Forschungseifer Anderer und den bitteren Erfahrungen Späterer überlassen. Die verhexte Intelligenz dieser hexagonalen Benzolring-Gruselbrühen zeigt sich in folgenden Eigenschaften:

  • Die polymertypisch eng venetzte und verklebte Struktur der Hydrophobierung läßt in ihrem engmaschigen Netzwerk keine Wassertropfen durch, sondern nur Wasser in Dampfform. Die Hydrophobierungsbrühe kann aber nur wenige Millimeter bis Zentimeter in den Naturstein eindringen, je nach örtlicher Saugfähigkeit mehr oder weniger tief. Mangels vollständiger Durchdringbarkeit der Untergründe wirkt das Hydrophobiermittel zwangsläufig schichtbildend und bildet eine schwartenförmige und wasserabweisende Synthetikpelle auf der Fasssade.
  • Diese Pelle verändert die Physik der Oberfläche: Wasserhaushalt, Wärmedehnung, Druckfestigkeit, Biegezugaufnahme und so weiter, die geänderte Oberfläche führt am Bauteil zum Bimetalleffekt, da sich die verfestigte Schwarte und der natürliche Untergrund dann annders im Wetter bewegen. Den Kapillartransport von Wasser in tropfbarer Nässe weist die hydrophobierte Schicht nicht nur von außen, sondern auch von innen ab. Die äußere Wasserkonzentration bei Beregnung erhöht sich, da der Regen nicht mehr in den Untergrund absickern kann, auf den eher klebrig wirkenden hydrophobierenden Anstrichen vor allem an wenig wärmespeichernden Kanten, Ecken und Skulpturen kondensiert dann mehr Luftfeuchte, organische Bestandteile der Bindemittel bieten dann Algen und Pilzen einen guten Nährboden. Beispiele für diese Verschweinsung der hydrophobierten Natursteinoberfläche finden sich allerorten. Und der Bimetalleffekt führt dann zur Ablösung der stärker wärmegedehnten Hydrophobierungsschwarte. An den Fassaden von Schloß Weißenstein, mittels Denkmalpflege, Architekt, Pseudowissenschaft im Auftrag der Bauchemie und ganz ahnungslosen Natursteinfritzen in den 1970er Jahren mit teuersten Hydrophobiermitteln überschüttet, fanden und finden sich auch heute noch grauenhafteste Beispiele für all die hydrophobierungstypischen Schadensextreme an Natursteinfassaden. Es scherbelt und spreitzt, es sandelt, es beult, es schert und schichtet, es bricht und bröselt dort, was das Zeugs hält. Freilich nicht nur dort, denn die deutsche Bauchemie konnte schon bald nach dem Krieg ihren Vernichtunsgfeldzug gegen die Bausubstanz weltweit führen. Wie heute auch.
  • Das den Baudeppen - aber auch Architekten, Restauratoren und Denkmalpfleger beeindruckende Argument der umsatzgeilen und gewissenlosen oder volldoofen Bauchemiker mit einer angeblich "so guten" Wasserdampfdurchlässigkeit der Pelle zieht leider nicht: Die Feuchte im Bauwerk liegt so gut wie immer flüssig vor, nicht dampfförmig. Nächtlich dringt aber aus der abkühlenden Außenluft und der auf kühle Wände stoßenden warmfeuchten Innenluft Kondensat in den Wandquerschnitt ein. Außerdem bildet sich auch dank des Bimetalleffekts sowie der Versprödungseffekte bei der Abbindung der Synthetiksoßen feine und feinste Rißsysteme, die dann als kapillarsaugende Befeuchtungsanlagen des Naturstein den auftreffenden Regen nach innen transportieren, wo er sich dann hinter der wasserabweisend hydrophobierten Oberflächenzone staut. Das sich so anreichernde Wasser kann nun die Pelle nicht durchdringen und bleibt dahinter stecken. Dampfdiffusion gibt es im Labor, nicht in der Baukonstruktion. Dort gibt es mangels Tauchsiedereinbau in den Baustoffporen 99,99% aller Feuchtetransporte nur in flüssiger Form. Verdampfung findet praktisch nur auf - nicht unter - der letzten Verdunstungsebene statt, also auf der raum- bzw. außenluftberührten Beschichtungsoberfläche. Der falsche Schichtenaufbau hydrophobierter Natursteinoberflächen führt zu Beeinträchtigungen des Feuchte- und Trocknungsverhaltens. Die Feuchtediffusion wird behindert, die Feuchtesorption (das Aufsaugen und Einsickern, aber auch das ebenso geschwinde Abtrocknen flüssiger Feuchte im und aus dem Naturstein, eben der kapillare Feuchtetransport - im Verhältnis 1000:1 gegenüber der Dampfdiffusion, was den Feuchtetransport in Baustoffen betrifft, wird zunächst mal gänzlich verhindert. Nun wird zwar versucht, die Dampfdiffusion mit Hilfe des Glaser-Verfahrens (Glaser-Diagramm) nach DIN 4108 zu berechnen, um damit berechnete Feuchtefrachten mittels kapillardichter aber diffusionsoffener "Dampfbremsen" zu vermeiden. Dabei wird jedoch - absichtlich oder aus Dummheit? - vergessen, daß das Glaser-Verfahren lediglich den Wassertransport mittels Dampfdiffusion im am Bau nicht existierenden stationären Zustand berücksichtigt. Bedingungen, die in Wahrheit am Bau zwischen Tag und Nacht, Sommer und Winter, Wind und Wetter gar nicht vorkommen. Der wesentlich höhere Anteil des Kapillartransports - Wasser in flüssiger Phase wird dabei durch die Porenräume des Materials transportiert - bleibt unterschlagen, ebenso die klimatischen Randbedingungen wie Regen, Wind und Sonneneinstrahlung. Auch das sorptive (saugende) Aufnahmevermögen des Baustoffs für Tauwasser gibt es im Glaserverfahren nicht. Im Klartext dringt immer Kondensat in sorptionsfähige Baustoffe ein und kann nur flüssig, also kapillar, wieder heraustransportiert werden. Insofern wird in jeder nur dampfdiffusionsoffenen, aber kapillarblockierenden Außenkonstruktion eine höhere Feuchtebelastung als im Glaserverfahren berechnet und von Bausimpeln vermutet eintreten, die dann den Schimmelpilz / das Schimmelpilzwachstum ebenso wie Algen, Flechten und Mosse auf der meist unter den wohlwollenden Äuglein des ahnungslosen Bauherren und Architekten, des Kirchbauamtes und der Baudenkmalpflege hydrophobierungsverschweinsten Natursteinfassade begünstigt. Die Wirkung der Dampfdiffusion als Trocknungstransport ist - und das zeigt jeder Versuch mit der Wet-Cup-Methode- gleich Null. Die Dampfdurchströmungstricks der Verkäufer mit irreführenden Versuchsaufbauten können den blutigen Laien und Denkmalexperten zwar prächtig hereinlegen, den kritischen Fachmann aber nicht täuschen.
  • Die gerade bei den Betreuern hochwertigster Baudenkmale seltsamerweise (Pharmareferent-Sanierberater Nachtigall, ick hör dir trapsen!) besonders beliebten teuren Tunken, Heil- und Saniermittel werden nun mit allerlei Appliziertechniken auf die Bauteilflächen genudelt, gedudelt, gesprudelt und gesudelt und dort untergrund-, witterungs- und handwerkertagesformbedingt mit - oft direkt nebeneinander - gar unterschiedlichen Auftragsstärken, Eindringmengen und -tiefen aufgenommen.
  • Nachdem Fassadenbaustoffe (Steine, Fugen, Putze, Riß- und Verdichtungszonen) lokal ganz unterschiedlich saugen, bekommt die flüssigfeucht aufgenässte Pelle also ganz unterschiedliche Schwartenstärken.
  • Deswegen altert und verschmutzt die unterschiedlich dichte und vielleicht nicht allzu alkalibeständig auf den Flächen- und Fugmörteln abkorrodierende Pelle unterschiedlich und bildet recht schnell ein kapillaraktives Rißnetz aus, das auch über aufgehende Bauwerksnähte, immer bald aufklaffenden Zementfugenflanken und vielerlei sonstigen bauwerks- und bewitterungsbedingten Angriffsmöglichkeiten Regenwasser über kurz oder gar nicht mal so lang ins Bauwerk einsaugt - und hinter den mehr oder weniger vernetzten Beschichtungsinseln der Oberflächen anstaut.
  • Die "Lebensdauer" der aufgesogenen Hydrophobierung selbst ist leider meist bedeutend länger und bei Eindringtiefen über 5 mm praktisch ewig, ganz im Gegensatz zu verharmlosenden Schätzungen mit Fehlinterpretation der bald dank Staubanlagerung auf der anhaftungstechnisch dank höherem Feuchtereservoir optimierten und dank UV-Strahlung nachlassenden Abperlwirkung der hydrophobierten Oberflächen.
  • Wo Hydrophobierung besser als im Umfeld hält, bilden sich dann gerne dunkle Flecken, die die Fassade zum fleckigen Flickerlteppich unvorhersehbarer Kraßheit heranreifen lassen. Anders als von sich expertenhaft gerierenden Laien - und diese regieren leider allzuoft das Sanierungsgeschehen an unseren wertvollsten Baudenkmalfassaden (nur dort?) - vermutet, ist die verschmutzt erscheinende Fleckigkeit aber nicht ein Beleg für nachlassende Wasserabweisung, sondern das krasse Gegenteil. Bei den "nachhaltig" wassersperrenden Oberflächen staut sich ja das an und einregnende Wasser, da es nicht in die Tiefe abgesaugt werden kann. Und in diesem Wasserfilm siedeln nun Mikrorganismen, Bakterienschleime usw., die dann sogar Melanin, ein schwarzer, bestens stabiler Farbstoff, auskacken, der sich als partiell oder flächig angelagerter Ruß und Staub tarnt.
  • Das Stauwasser hinter der Hydrophobierung erreicht nicht selten über 80% Durchfeuchtungsgrad. Der löst dann ständig Salze aus den Fassadenbaustoffen, deren Lösungs-Kristallisations-Wechsel gerade unter der Schichtgrenze zum unhydrophobierten Bereich das Vernichtungswerk des Wassers (Feuchtedehnung, Frost-Tau-Wechsel) fleißig unterstützen.
  • Die in der Fläche und der Tiefe oft krass unterschiedliche Wasserhaltigkeit, Hydrophobierungsmenge und -tiefe sowie Farbintensität führen folglich zu radikal unterschiedlichen Belastungen der betreffenden Bauteilbereiche hinsichtlich hygrischer und thermischer Dehnung und Beanspruchung durch Frost, Salzkristallisation sowie Chemikalienwirkung.
  • Die Schwarte wittert nun ebenso unterschiedlich ab, nicht selten jedoch als mehr oder weniger große Schollen, die ausgerechnet die steinmetzmäßig oder putztechnisch aufwendig und wertvoll gestaltete Oberflächenzonen kosten.


  • Im Ergebnis brachten und bringen die Hydrophobierungsanstrengungen der Bauchemie im Verbund mit auch angesehensten Denkmalfachleuten genau wie die bekannten Steinfestiger den betroffenen Fassaden unendlich leidvollen und bedauernswerten Substanzverlust (oberflächenparalleles Abscherbeln, Erosion, Aufmürben, blätterteigartiges Aufschichten, im Schadensverlauf, Schadensbild und Schadensausmaß abhängig vom Naturstein selbst, seiner vorgefundenen Vorschädigung sowie den Randbedingungen, die das Hydrophobieren seitens chemikalischer Eigenschaft und Applikationstechnik), Feuchte- und daraus folgende Verschmutzungs- und Besiedlungsprobleme mit Mikroorganismen. Und wer verantwortet das? Denkmalpflege, Planer, Wissenschaft, Handwerk, Baustoffindustrie - wirken sie nicht in geradezu urgemütlichster Eintracht auf Beweihräucher-Kongressen und Fachtagungen und hochtrabend-verwissenschaftlichten Fachpublikationen über gemeinsam gemordete Denkmale beisammen, feiern ihre schwarzen Messen in Leipzig und sonstwo, lassen sich die Häppchen und andere sponsorierte Annehmlickeitchen geschmäcklen und ringen dann weiter unsere Baudenkmale alle Jahre wieder zu Tode - am Anfang eines neuen hochglänzenden Vernichtungsfekdzuges vielleicht sogar beprunkt mit edlen Preisverleihungen aus den Händen der Bauchemie? - bestimmt nicht, doch nicht bei uns.

    Hauptsache, die greisen Witwen und senilen Knackis spenden und vererben für die Verewigung ihrer Wenigkeit an einem Kulturdenkmal, der Steuerrubel rollt, der Klingelbeutel klingelt, die Umsätze und Briefkuverts stimmen - bis die xfach neuerstrahlte Denkmalkopie wieder der Einweihung durch die geschmeichelten Honorationen zur Verfügung steht. Business as usual, the same procedure as every year!

    Fragen Sie also vorsichtshalber Ihren Chemiewaffenpropagandisten (den Sie als ingenieurschmalzersetzenden Produzentenservice angeblich kostensparend nach der richtigen Instandsetzungsmethode fragten und vielleicht noch nicht bemerkten, daß sein ernstes Bemühen auf maximalen Verbrauch seiner provisionierten Produkte hinausläuft) nach der Stichhaltigkeit der hier angesprochenen Fragen und weiden sich an seinem Stottern ...

    Wie es den längerfristig beobachteten Hydrophobierungen so ergehen kann, verdeutlicht eine Veröffentlichung in den Denkmalpflege Informationen Nr. 143 des Bayer. Landesamts für Denkmalpflege, München, Juli 2009, auf der Seite 25: Björn Seewald, "Monitoring von Konservierungsmaßnahmen - erste Ergebnisse". Daraus zitiert:

    "... Im Fall des Schilfsandsteins von Schloss Schillingsfürst wird der kritische Grenzwert für die Wasseraufnahmefähigkeit im Durchschnitt deutlich überschritten. Ergebnis ..., die in den 1970er und 1980er Jahren an den Fassaden ... angewendete Hydrophobierung nicht mehr wirksam ... Auch die Wirkung der ... 2002 aufgebrachten Hydrophobierung hat seitdem bereits nachgelassen, wenn auch der Grenzwert hier noch nicht überschritten ist. Eine Gesamtbetrachtung der früheren und aktuellen Messergebnisse zeigt, dass die Wirksamkeit von Hydrophobierungs- als auch Steinfestigungsmaßnahmen bereits nach wenigen Jahren nachlassen kann."

    Und wer ist nun aufgebracht über die so bald versagende, vergebliche und im Härtefall auch substanzschädigende Tunkerei der Fassade? Der Steuerzahler?

    Der Fränkische Anzeiger berichtet am 12.01.2012 von der Kirchensanierung in Bockenfeld und bringt darin folgende Anmerkungen des Baudirektors Jürgen König vom Staatlichen Bauamt Ansbach über die substanzzerstörerischen Schandtaten seiner beamteten Vorgänger, die als Baubehörde im Zuge der staatlichen Baulast bzw. Baupflicht die Kirchensanierungen seit der Säkularisation im 19. Jahrhundert als quasi Bauherren betreuten - vielleicht sogar als gärtnernde Böcke?:

    "... Bei einer früheren Fassadensanierung wurde der Sandstein wasserabweisend behandelt (hydrophobiert). Dies entsprach seinerzeitigen dem neuesten Stand der Technik und ist heute auch noch eine häufige Sanierungsart. Inzwischen weiß man allerdings, dass es bei bestimmten Rahmenbedingungen (Zusammensetzung des Sandsteins als Grundlage seiner physikalischen Eigenschaften) im Laufe der Zeit zum schalenartigen Abplatzen des Natursteins führen kann. Dies war an der Bockenfelder Kirche der Fall und stellte die Restauratoren vor besondere Herausforderungen. Die teilweise noch vorhandene Wasserabweisung erschwerte die erneute Aufnahme von festigenden Materialien beziehungsweise Verfugungsmaterialien."

    Welche Fragen bleiben offen? Genau: Wieso hat das Bauamt damals Hydrophobierung ausgeschrieben, obwohl in herstellerunabhängigen Fachkreisen der Denkmalpflege die Hydrophobierung als Fassadenschutzmaßnahme sozusagen von Anfang an zumindest umstritten, um nicht zu sagen verpönt oder gar als schadensfördernd bezeugt wurde? Wie sah es also aus mit der herstellerunabhängigen Fortbildung im Staatlichen Hochbaum, damals als "Landbauamt" bezeichnet? War es vielleicht wie so oft die begünstigende Anteilnahme sogenannter Fachberater der Bauchemieproduzenten auf die Planung, die dann zu gröbsten Vorteilsnahmen und VOB-Verstößen (Neutralitätspflicht betr. Produktnennung und Markennamen) führte? Und wie bitteschön sah es bei der neuerlichen Baumaßnahme diesbezüglich aus? Wurden die gräßlichen Chemietunken und substanzwidrigen Trockenmörteleien wenigstens diesmal produktneutral ausgeschreiben oder der hier gar nicht mal so seltenen Baukorruption wieder mal Tor und Tür geöffnet? Ein Blick in die LVs (Leistungsverzeichnisse) der Natursteinrestaurierung damals und heute würde hier sehr schnell Klarheit schaffen ...

    Auch folgendes Zitat aus einem bemerkenswerten Artikel im DAB 2/04 belegt die ekelhaften Bauschäden durch Mißbrauch des Chemieabfalls zur teuren Hydrophobierung historisch wertvoller und wertvollster Fassaden in überraschend klarster Weise:

    "HYDROPHOBIERUNG HISTORISCHER FASSADEN

    Detlef G. Ullrich

    Historische Fassaden aus Naturstein, Sichtziegeln und manchmal auch Putzen werden immer wieder hydrophobiert, um eine verbesserte Wasserableitung zu erhalten. Da aber gerade diese Fassaden Gesimse und Fugen als Schwachpunkte haben und mit Schadsalzen belastet sein können, besteht die Gefahr, dass die hydrophobierte Schicht durch Salzanreicherungen hinter dieser Schicht abscheren kann. ...

    " Die Historie" des Gebäudes mit all ihren Veränderungen wie nachträgliche Sanierungen und Witterungseinflüssen hat in der Regel zu erhöhten Feuchtegehalten und Schadsalzanreicherungen geführt. Wird nun eine Hydrophobierung so ausgeführt oder abgebaut, dass durch Fugen oder andere Bauteile Feuchte mit zusätzlichen gelösten Salzen eindringen kann, wird diese Lösung in den nicht hydrophobierten Teil diffundieren. Der Wasserdampf kann zwar durch die hydrophobierte Schicht wieder an die Außenluft abgegeben werden, aber die Salze bleiben nach der Verdunstung zurück. Sie können zu hygroskopischen Auffeuchtungen führen oder ein Absprengen der hydrophobierten Schicht durch Kristallisationsdruck bewirken. ...

    Allgemein geht man von einer Wirkdauer der Hydrophobierung von 10 Jahren aus. Meine Erfahrungen zeigen aber, dass in Ziegeln und silikatischen Natursteinen zwar die äußere Schicht von 1 bis 2 mm ihre wasserabweisende Wirkung nach 20 Jahren eingebüßt haben kann, aber wegen der früher höheren Wirkstoffgehalte die dahinter liegende Schicht mit einer Stärke von etwa 20 mm weiterhin ihre volle Eigenschaft besitzt. ...

    Beispiel, 1

    Rathaus Charlottenburg, Berlin

    ... verbaute Naturstein ... Wünschelburger Sandstein aus der Nähe von Radkow/Polen in verschiedenen körnigen Varietäten. ...

    1987 wurde ein Silicon-Bautenschutz als eine Imprägnierung ohne Reinigung mit einem hohen Feststoffgehalt von 10 % ausgetragen.

    ... Hydrophobierung nach 12 Jahren noch wirksam. ... Verfugmörtel von 1954 sowie der neuere Verfugmörtel nur wenig Flankenhaftung, ... Feuchte und Salze in die Fugen eindringen konnten. Der Sandstein zeigte in der obersten (hydrophobierten) Schicht keine nennenswerten Salzgehalte. In 1-2 cm Tiefe hatten sich jedoch besonders an der West- und Ostseite Sulfate bis zu 0,6 Gew. % aufkonzentriert. Mit zunehmender Tiefe verringerte sich der Sulfatgehalt wieder. ... Süd- und Nordfläche ... ähnliche Konzentrationen an wasserlöslichen Salzen wie die Oberflächen. ... Gesteinsproben der Nord- und Südseite hinter der Hydrophobierung deutlich mürber. ...

    ... Feuchtigkeit in die Fugen eindringen kann, dort sulfathaltige Bestandteile aus dem alten Verfugmörtel löst und mit weiteren löslichen Anteilen aus dem Ruß hinter die hydrophobierte Schicht in einer Tiefe von 1 cm in den Stein eindringt. In der Folge verdunstet das Wasser, läßt die Salze aber im Stein hinter der hydrophobierten Schicht zurück. ... Anreicherung meßbar. Als Spätfolge droht ... Abscherbeln der hydrophobierten Schicht, wenn ... Porenraum zu stark mit Salzen gefüllt ist. Die beiden mürben Proben deuten auf diesen Vorgang hin. ...

    Beispiel 2

    Altes Chemie-Gebäude der TU Berlin

    Sämtliche Fassaden ... Naturstein: Im Erdgeschoß aus Postaer Sandstein, in den Obergeschossen aus grauem Cottaer Sandstein. Der Schadensablauf stellt sich an diesem Gebäude folgendermaßen dar: Die gesamte Fassade oberhalb des Erdgeschosses wurde in den 70er Jahren an der Oberfläche behandelt; vermutlich gefestigt und/oder hydrophobiert. Diese Behandlungsschicht drang bis maximal 5 mm in den Sandstein ein und verringerte das Porenvolumen leicht. Die größten Schäden waren 1993 am und unter dem Dachgesims zu beobachten. ... Abblättern von den Oberflächen und Krusten, ... auch Abscherbeln der Natursteinoberfläche. Hinter diesen abgenommenen Schichten sind Salzausblühungen sichtbar. Die Aufnahme des Kristallwassers führt zu einer Volumenerweiterung um das Vierfache, die Oberfläche wird abgesprengt. Die Zinkblechabdeckungen der Gesimse hatten eine Hohlkehle, in der sich das Wasser sammelte. Durch die Korrosionslöcher an diesen Stellen konnte das Wasser in den Stein eindringen. Da aber die hydrophobierte Schicht beim Verdunsten des Wassers nur Wasserdampf in verringertem Maß diffundieren läßt, bleiben die Salze hinter dieser Schicht zurück. ...

    Beispiel 3

    Kirchturm St. Joseph, Nordhorn

    Die Katholische Kirche St. Joseph in Nordhorn wurde 1952 erbaut. Seither traten verstärkt Schäden am Turm auf - sowohl an den außen liegenden Sichtziegeln als auch im Innern des Turms. ...

    Die Ziegeloberfläche war bis zu einer Tiefe von 18 mm hydrophobiert. Die Wasseraufnahme dieser Oberfläche war auf 0,8 Gew. % gesenkt, d. h. auf 1/10 des ursprünglichen Wertes. Dies läßt den Schluß zu, dass mit hohen Wirkstoffgehalten gearbeitet wurde und die Hydrophobierung im Ziegel noch wirksam war. Der Verfugmörtel ... aus ... feinkörnigen Sand ... hatte ... hohen Bindemittelgehalt. Dadurch neigt dieser zum Schwinden und Reißen, weshalb Feuchte in die Fuge eindrang. ... Verfugmörtel nicht hydrophobiert ... . Im Erdgeschoß enthielt der Verfugmörtel hauptsächlich Sulfate. An der Fassade ... Sulfate... durch ... "Vergipsung" des hochkalkhaltigen Mörtels ... . Dabei werden die Kalkbestandteile durch Einfluß von Schwefeldioxid aus der Luft zu Calciumsulfat umgesetzt (Calciumsulfat-Dihydrat = Gips). ... langsamer Bindemittelverlust. Die Feuchte trat zum Einen in den Ziegel hinter die hydrophobierte Schicht, bei einer Verdunstung bleiben die Salze hinter dieser Schicht zurück oder bei Frost dehnte sich gerade in diesem Bereich das gefrierende Wasser aus. Dadurch wurde die Oberfläche des Ziegels abgesprengt, was an etwa fünf Prozent der Steine bereits sichtbar war. Den weiteren Weg nahm die Feuchte dann über die gesamten saugfähigen Baustoffe - hier poröse Kalksandsteine und Kalk-Zement-Mörtel. Das führte an der Innenseite zu deutlich höheren Feuchtegehalten, die dort auch Schäden verursacht hatten.

    Dipl.-Chem. Detlef G. Ullrich"

    Die bisherigen Versuche mit farblosen Hydrophobierungen haben sich als Schutzschichten also nicht unbedingt bewährt - trotz aller Expertenbeschwörung von interessierter Seite. Dabei können sich die Produktvertreter auch die erbärmliche Ausstattung der Denkmallabors und Restaurierungswerkstätten und die als gemein empfundene Dotierung der dort Beschäftigten (nicht nur im wilden Osten) zu Nutze machen. Ein Laborwääglein hier, eine Publikations- und Analysehilfe da, ein gut dotiertes Vorträglein oder Baustoffuntersuchungsbestandsaufnahmeentwicklungsprojektchen dort - und schon hat man begeisterte Anhänger der Chemiewaffen, die sich im Wettbewerb um das beste Ergebnis am Denkmal nicht nur qualitätsbewußt engagieren. Da lohnen sich auch nette Incentivs zu den nur noch scheinbar (und selbst das nicht mehr immer) christlichen Festen im Jahreslauf. Die aus solchen Kreisen auch schriftlich ausgesprochenen Amts- bzw. Institutsempfehlungen zur Reparaturtechnik (die dem Verfasser vorliegen!) bieten jedenfalls hin und wieder perfekte Textvorlagen für den Produktvertrieb der Bauchemie. Oder will das jemand bestreiten?

    Von der 1986 bis 1993 von der Bauchemiefraktion erzwungenen Hydrophobierung am Bas-Relief der Weltkulturerbe-Tempelanlage Angkor Wat in Kambodscha wissen die eingeweihten Kreise schon lange, daß auch dort der übliche Fehlschlag nach Bauchemie die Oberflächenzonen kostete: Die unausbleibliche Auffeuchtung konnte nach der hydrophobierenden Vergewaltigung aller Oberflächen nicht mehr kapillar abtrocknen, es kam, was immer kommen musste: Die Brühe staut sich und drückt in Folge der Feuchte- und Temperaturschwankungen die Oberfläche ab. Umfangreiche Risse und Verluste an den kostbaren Reliefs - Folge des Aberglaubens an die "Wissenschaft", besser Bauchemie-Scharlatane in Industrie, Denkmalpflege und Restauratorenzunft.

    Und Festigung?

    Auch die üblichen Festigungsmittel, Silikat-, Dispersionssilikat-, Silikonharz- und sonstigen Kunststoffanstriche erweisen sich diesbezüglich als Problembaustoffe. Ihre Krustenbildung und wassersperrende Wirkung dürfen nicht übersehen werden. Auch nicht an Bahnhofsfassaden.

    Dipl.-Restauratorin Eva Möllenkamp schreibt dazu als gefestigtes Ergebnis ihrer wissenschaftlichen Untersuchung in "Tuffsteinbehandlung - Die bessere Festigungsmethode", Bautenschutz + Bausanierung 8/96:

    "[...] Es stellte sich heraus, daß eine KSE [Kieselsäureester-Festigungsmittel] - Behandlung die hygrische Dehnung des Weiberner Tuffs erheblich erhöht und damit die Spannungen im Inneren des Gesteinsgefüges. [...]

    Differenziert muß auch die Acrylharzvolltränkung betrachtet werden. [es] ist noch nicht ganz geklärt: Inwieweit wird die durch den hohen Eintrag von Acrylharz ausgelöste bessere Wärmeleitfähigkeit wieder kompensiert durch die thermische Dehnung [Klartext: Höhere Rißbildungsgefahr! Anm. K.F.]? Und ebenso ist in Zusammenhang mit Acrylharz-Einbringung auch problematisch: Eine aus optischen Gründen erforderliche Abdampftiefe birgt künftige Schadensmechanismen in sich. Weil sich in dieser Schichttiefe kaum Acrylharz anreichert, wirken die Verwitterungsmechanismen in diesem Bereich der acrylharz-getränkten Objekte uneingeschränkt weiter.

    Die Folge ist über kurz oder lang der Verlust der eigentlich wertvollen Oberfläche. [...]"

    Bei der Festigung durch Kieselsäureester KSE werden regelmäßig zwei Fehler gemacht:

    1. Wirkstoffgehalt über 10%
    2. Mehrfache Wirkstofftränkungen

    Dadurch ist Krustenbildung vorprogrammiert. Die überfestigte Kruste sitzt dann nur außen auf dem Original und platzt über kurz oder lang wieder ab. Schlimmer kann man dem Bestand nicht wehtun. Versteckt wird dieses Gemurkse hinter hochtrabendem Expertentum und technoidem Bla Bla, sogar geradezu regelmäßig denkmalamtsgestützt.

    Bessere Ergebnisse bringt angeblich eine Tränkung mit nur max. 10% Wirkstoffgehalt ("OH 100") und die Einwirkung über lange Dauer zu optimalen Abbindebedingungen. Da der Wirkstoff in Alkohol gelöst ist, sind die Abdunstungsrate und die Temperatur die maßgeblichen Einflußfaktoren. Bei entsprechend langsamer Abbindereaktion soll es zur nahezu rißfreien Auskleidung des bindemittelreduzierten Korngerüsts kommen. Doch wer weiß das schon, ob der Stein das auf Dauer aushält? Und wie es dann sich auswirkt, wenn der Stein - er ist kein Industriebaustoff, Freunde, sondern reinste Natur! - hie und da dann doch etwas mehr und etwas weniger saugen will? Folge: Unterschiedliche bis unterschiedlichste Konzentrationen des Wirkstoffgehalts, Anreicherung udn Verarmung an Festigungsmittel. Und dann?

    Dr.-Ing. Sabine Iffert-Schier, Kassel, beschreibt die Probleme der Festigung von Mauerwerk mit oberflächenseitig aufgetragenem KSE bzw. alkylmodifiziertem Silan anhand einer Testreihe mit RILEM-Mauerwerkskörper aus Ziegel bzw. Sandstein und Kalkmörtel in Bautenschutz+Bausanierung 2/02 auf Seite 40 so:

    "Die gefestigten RILEM-Körper wiesen keine Steigerung der Druckfestigkeit auf: Bei den RILEM-Körpern aus Sandsteinen platzte die äußere Zone in einer Tiefe von 1 cm großflächig ab. Eine Überfestigung der äußeren Schale wirkt sich auf das Tragverhalten negativ aus ... ."

    Eine kölsche Provinzposse spielt sich 2005 ff. um die mit einem auf Anraten ausgerechnet des Dombaumeisters als besonders festsitzender "Verwitterungsschutz mit größtmöglicher Resistenz gegen Umwelteinflüsse" acrylharzgetränkten Figürche aus mittelfestem, qualitativ hervorragendem und als für die Acrylharzvolltränkung herausragend gepriesenen grobporigen Weiberner Tuffstein an der altehrwürdig nachkriegswiederauferstandenen Rathausturmfassade ab. Traditionell gilt der Rathausschmuck als Ausdruck besonderen Bürgerstolzes und natürlich gegen den Dom gerichtet. So kamen denn auch absonderliche Heilige wie der Sterbebettkonvertit Heinrich Böll und der für seinen kruden Antisemitismus bekannte Kirchenfeind Karl Marx zur Ehre der skulpturalen Verewigung - als Nachfolger vielleicht des mittelalterlichen Schandmotivs der "Judensau" (vgl. z.B. Regensburger Dom), was aber welch Wunder! - bisher arg wenig Segen brachte.

    119 von 124 waren neue Skulpturen von namhaften Bildhauern, sie wurden von 1994-95 für 1,2 gestiftete Millionen EUR in die Fassade an Stelle ihrer abgegangenen Vorgänger auf Anraten und als schöpferischer Höhepunkt der Stadtdenkmalpflegerin Prof. Dr. Hiltrud Kier eingebaut. Schlau wie man beraten war und wohl aufgrund der miesen Ergebnisse am Dom entscheidet man sich zurecht gegen die Verkieselertränkung - leider aber für eine - ausweislich der (nur?) hier zu beobachtenden Praxisergebnisse - noch einschlagendere Brutalstfestigung. Ein Supergedöns begleitete am 6.5.1995 diese denkmalpflegerische Heldentat, was versiegeltverfestigte Oberflächenkrusten mit physikalisch total unterschiedlichen Verhältnissen zwischen Harz und Stein auf Dauer anstellen können, ahnt keiner.

    Doch dann, pardauz und parbleu, nach den 2003 nach Steinbrockenbombardement entdeckten Rissen - ausweislich der Materialprüfung alle nach der Acrylisierung entstanden - ei warum wohl? müssen sie 2005 alle wieder runter - Motto kölsche Jeckenparade, erst Aufzug, dann Abzug der Prinzengarde.

    Alles perdu, gerissene Steine, Schalenbildung, bis ins Mark durchklaffende Spalten, abgeplatzte Brocken, die auf dem Rathausvorplatz die von solch überfestigenden Schutzmethoden nichts ahnenden Passanten gefährden. Was schuld ist - Acrylharz, Befestigung, oder wat weiß niemand dort ganz genau, Gewährleistung is abjelaufen, Tünnes und Schääl sind wieder mal dran mit dem Bezahlen. Da ist freilich guter Rat teuer - soll man alternativ die hochherzigen und nun auf einmal eingschnappten und schwerst enttäuschten Mäzene nochmals anbetteln?

    Nein, die linksgrüne Stadtratsmehrheit (Fraktion pro Köln: "kölsche Volksfront") findet im Dezember 2005 den ideologisch wohlfeilen Ausweg: Anstelle der schon frühers eingeplanten Kosten für die Sanierung des total verkommenen Reiterdenkmals für den verhaßten alten Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) wird das Geld für die Aufpäppelung der acrylkaputtierten Männeckens und Fräuleins umgemünzt. Na, als Finanzprofis sind die kölsche Klüngler (manche sagen (Sc)H(w)einzelmännchen) ja immer gut bekannt geworden - wie war es mit dem Müll, wie mit der unter der Hand auftragsmäßig zuverschanzten Messe? Der olle Reiter - das frühantike Preußentum hat in Kölle eh schon lang abgewirtschaftet, wofü hammer denn die Dombeicht? - kann ab ins Depot, sonst schmeißt er beim sonst drohenden Zusammensturz vielleicht nochn Jecken um. Der kölsche Karneval inszeniert dann am 26.2.2006 ein Poppespäl zum Thema. Ein dreifach Kölle Alaaf! Wat küt, dat küt.

    Infolinks: www.stadt-koeln.de/ratderstadt/ausschuesse/bau_wohnen_vergabe/niederschriften/Niederschrift17-11-2005.pdf
    www.ksta.de/html/artikel/1122811440359.shtml
    www.ksta.de/html/artikel/1122811441164.shtml
    www.pro-koeln-online.de/archiv2005.htm
    www.koelnarchitektur.de/pages/de/home/news_archiv/675.htm

    Ja, so lebt die Restaurorenzunft mit ihren chemiewaffenverseuchten Hexenmeistern von ihren eigenen Leichen und frankenschweinischen Monströsitäten im Keller immer weiter bis in alle Ewigkeit? Dank klug beratener Bauherrn. Und ob nun die ewigen Chemieversuchsreihen am Kölner Dom bessere Ergebnisse bringen werden? Dort gibt es bisher alle Varianten der Acrylharzvolltränkung, der Hydrophobierung von Klein- bis Großflächen und bald auch ein geheimnisreiches Verfahren der Restauratorengilde aus Frankreich: Die "Biomineralisierung". An den Außenmauern der Fassade von Saint-Médard in Thouars wurde 1993 ein Bakterienschleim der Sorte Bacillus cereus mit Nährlösung aufgetragen. Die Bazillen fressen das in die Steinporen hineingesuppte Futter und kacken vor ihrem Absterben durch Verhungern feine Kalkkristalle. Diese sollen dann die sandelnde Steinstruktur wieder festigen. Très chique, n'est ce pas? Ob das nun den Kölner Dom und weitere zersandelnde Baudenkmale retten wird? Parbleu!

    Und wie man nun mit den hydrophobierungs- und/oder festigungsbeschädigten Oberflächen der geschundenen Natursteine umgehen soll? Folgt man weiter dem bauchemisch verseuchten Anasatz, den genug Experten gandenlos weiterverfolgen, gibt es nur Eines: Zusammenkleistern der auseinanderkaputtierten Reste mit wiederum kunstharzgebunden bzw. heute heißt das schöner und klingt nach hübscheren Flötentönen wie Silikonharzemulsion oder irgendwelchen anderen Kram aus der sich so mineralisch anhörenden Silikatchemie rund um Siloxane und Silikone, Silan, Kieselsol und vor- oder gar nachhydrolysiertem Oligomonopolymersizilium. Hauptsache, alle verstehen nur Bahnhof.

    Und dann wird Acryl bzw. Acrylat dem Kalkpülverchen untergejubelt und das notfalls als rein mineralischer Kleber oder Festiger oder Kitt beschworen und verkauft. Merke: Darfs ein bisserl mehr sein? Wenns um die chemikalischen Segnungen geht. Und ach ja, weil ja dank hydrophobierender Behandlung von anno dunst nun die Oberflächen endgültig verhunzt sind, muß selbstverständlich wieder Chemiesuppe drauf. Mikro-Silikonharzemulsion oder so ähnlich klingt doch so gut, und hat doch hier und dort auch schon so schön geholfen (wie damals das Hydrophobieren allerorten?). Vielleicht sogar pigmentiert in Natursteinoptik, damit die wieder mal zum vorläufigen Abschluß gebrachte Vollverplastifizierung des Natursteins nicht so schnöde scheckert, nicht wahr?

    Und gäbe es dazu wirklich Alternativen?

    Aber ja doch. Doch auch die die wollen selbstverständlich erst am Objekt ausgekundschaftet werden, dazu braucht es aber Experiment und Arbeitsprobe, Unabhängigkeit, Neugier, vielleicht auch gewissenhafte Vorbehandlung der geschundenen Oberfläche zur besseren Haftvermittlung, Bewitterungsphase und Streßtest an Ort und Stelle und mit Bewitterung und Überwinterung. Und dann kann vielleicht doch das rein hydratische Weißkalkhydrat aus handelsüblichem Pulverkalk die Rettung bringen, ganz ohne Polychemie und ganz ohne wiederum Schäden am Bestand auszulösen. Und das zu erschreckend billigstem Materialpreis. Tiefergehende und erfahrungsgestützte Kenntnisse in die Chemie des Kalkes und seines Abbindeverhaltens wären dazu bestimmt nicht hinderlich, viel Glück bei der Suche danach!

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