Altbautaugliche Verfahren und BaustoffeDie Kapitel 9-10 wurden in folgende Unterkapitel aufgeteilt - 9. Natursteinrestaurierung: [1] [2]
[3] [4] [5]
[6]
Steinboden: [7]
Reinigungstechnik: [8]
10. Wandbildner im Vergleich: [9] [10] [11] [12] [13] [14] [15]
10.a Fachwerk/Blockbau: [16 - Die schärfsten Tipps zur Fachwerkrestaurierung: Woran erkennst Du einen Fachwerk-Experten?]
[17] [18] [19.1] [19.2]
Bodenaufbau/Holzboden: [20]
(aktualisiert 11.10.09)
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Die im Altbau eingesetzten Wandbaustoffe sind traditionell Vollholz, Lehm, Back- und Naturstein. Für die
Reparatur und Ergänzung bieten diese "Grundbaustoffe" technisch oft die beste Lösung. Natürlich kann mann auch künstliche
Wandbildner nehmen, die letztlich alles Surrogate bzw. billiger und technisch nachteiliger Ersatz für den guten alten
Backstein sind und von einer sich immer wilder gebärdenden Baustoffindustrie mit Pseudoqualifikationen und viel
verdummender Werbung auf den Markt geschmissen werden. Prinzip Sieb: "Loch an Loch hält es doch" oder vollvergifteter
Pappendeckel mit blauem Engel dekoriert.
Nun, es gibt auch dolle Ökoalternativen wie den Strohballenbau. Schon lustig, daßd eren Befürworter
über die Haltbarkeit der lumpigen Plastikschnürli, die den Schnipselkram zusammenhalten, nie genauer nachdenken. Und was tagaus
und tagein passiert, wenn die nur gering speicherfähigen Strohfassaden allnächtlich betaut und aufkondensiert werden?
Ja, ich weiß, nur Termiten fressen Stroh und Mäuse gehen nur am Anfang rein und überhaupt muß halt im schönen trockenen
und heißen Sommer gebaut werden, damit die Chose von Anfang an trockenst bleibt. Ja saachamol, wo leben die denn? In Marokko?
Jedenfalls bestimmt nicht im sommerverregneten Mittel- bis Nordeuropa. Wissenswertes auch aus dem
Utopia-Strohballen-Forum:
"Die Entomologin (Insektenforscherin) Linda Wiener aus Santa Fe, New Mexiko konnte in mehrjährigen Beobachtungen
in Strohballenhäusern folgende Kleininsekten feststellen (Reynolds, 1990):
* mehrere Arten von kleinen Käfern (silken fungus, minute fungus, minute brown scavenger, hairy fungus),
* kleine Wespen, die in den Halmen nisten, allesamt nicht größer als 3 mm. Diese ernähren sich ausschließlich von
Schimmelpilzen im Stroh und konnten auch nur bei feuchtem Stroh festgestellt werden (bzw. Stroh, das über einen
gewissen Zeitraum feucht war und deshalb Schimmelpilze enthielt)." - Niedlich, wa?
Surftipp: www.moderner-lehmbau.de
Gegenüber neuen Verbundkonstruktionen aus vergiftetem Holz, kunstharzverleimten Hackschnitzeln, kunststoffkaschierten Folien und Pappen sowie allerlei "Dämm"stoffen mit technisch sowie hygienisch unübersichtlichsten Inhaltsstoffen und den "modernen" industriell gefertigten, stark wasserrückhaltenden Wandbaustoffen ist also durchaus gesunde Vorsicht angebracht. Fragen Sie sich immer, woher die Werbebotschaft für irgendeinen Ersatzbaustoff herstammt, also "Cui bono" - wem dient es? Ökobegeisterte Planer in der Jesuslatschen-Marktnische, Chemiesoßenproduzenten, Handwerkssimpl - die Palette möglicher Infoquellen ist gar nicht mal so groß. Und denken Sie - hinter jeder Information steckt jemand, der etwas in Sie hineinformen will. Um dann vielleicht etwas dicke Kohle aus Ihrer Tasche herauszuformen. So ist es Brauch seit altersher und fällt auch keinem heute schwer.
Im Neubau - meine aktuellen Bildbeispiele der Rohbauphase von qualitativ hochwertigen Massivbauten im bewährten Baumeisterstil (echt retro, oder wat?) zeigen das - darf man überraschenderweise sogar noch anständig bauen. Und unsere Baubehörden gehen bei solider Argumentation durchaus da mit. Eben "gewußt wie"!
Beispiel 1 - Vollziegel massiv (gibt es tatsächlich noch bei einigen Ziegeleien) luftkalkvermörtelt (Kalkputz fehlt noch) an Wand, Decke, Boden und sogar Dach (!).
Na gut, das massiv ausgefachte Fachwerk-Badzwerchhaus habe ich dann verschiefern lassen, es steht ja im Oberfränkischen und warum hätte ich sonst bei Prof. Helmut Gebhard "Ländliches Siedlungswesen" und "Bauen auf dem Lande" studiert (vom anderen TUM-Entwurfs- und Konstruktionsgschmarri will ich lieber nicht reden) und bei meinem noch im "1000jährigen" Reich das Studium beginnenden Architektenpapa fleißig aufgepaßt, was länger hält als BGB-Gewährleistung?
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Beispiel 2 - Fassaden- und innenwandfertige Vollholz-Schnellbauplatte massiv (auch dafür gibt es Hersteller von Systembauteilen) an Wand, Decke, Boden und Dach (!) - die eher "alpine" Variante ländlichen Bauens (vor der Farbfassung mit reinen Leinölfarben und -lasuren)
.
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Sieht das nicht "handwerklich" aus? Vielleicht kein modernbeschimmelter Architekturkäse Marke "Alter Dessauer", für den Bauherrn trotzdem nicht so übel. Es soll ja noch zurückgebliebene Architekten geben, die auch darauf Wert legen. Und vor allem - Kalk, Ziegel, Holz - das sind eben Vorteilsbaustoffe nicht nur was Heimeligkeit betrifft, sondern auch Energiesparen, Dauerstabilitität, Feuchtehaushalt, Raumklima, Thermostabilität, Temperaturamplitudendämpfung undsoweiterundsofort.
Und wenn sich irgendeiner der geneigten Leserschaft dafürinteressieren würde, wie z.B. die Massivbauweise
im Allgemeinen oder gar die Ziegelbauweise im Besonderen im Hinblick auf Solidität, Marktwert und Vermarktungsstrategie
seitens der Branche, die das wohl am besten beurteilen kann - die Immobilienmakler - beurteilt wird, hier ein paar Zitate
aus den Immobilienanzeigen in der Süddeutschen Zeitung: webimmoblinien Nr. 9, Oktober 2009, PLANETHOME:
"Das Einfamilienhaus wurde 1932 in bester Ziegelbauweise erbaut ... das Einfamilienhaus in Massivbauweise errichtet ...
Das 1969 in solider und gesunder Ziegelbauweise erstellte Reiheneckhaus ... in bester und gesunder Ziegelbauweise ...
Wohnanlage in gesunder Ziegelbauweise ..."
Will sagen, daß auch die zukünftige Wertentwicklung und Dauerstabilität und Vermarktungsfähigkeit
und Instandhaltungsfähigkeit und Instandsetzungsbedürftigkeit über die gesamte Lebensdauer einer
Immobilie zumindest für gewiefte Bauherren und marktorientierte Immobilienfachleute eine wesentliche Rolle bei der
Konstruktionswahl spielen kann, also nicht nur "In welchem Style sollen wir bauen?", sondern auch "Mit welchem
Wandbildner / Baustoff?"
Einige bauphysikalische und seltsamerweise trotzdem draußen am Bauwerk gültige Daten verdeutlichen die erheblichen Unterschiede im Wasserhaushalt von Baustoffen:
Trocknungsdauer "t"
in Tagen nach Roger Cadiergues (aus: Poroton-Handbuch, 5. Auflage, Februar
1991, dort falsch geschrieben "Cadlergues"): t = s x d2
Hierin ist d = Wanddicke in cm und s = Baustoffkenngröße, z.B.:
| Kalkmörtel: | 0,25 | Fichtenholz: | 0,90 | Porenbeton: | 1,20 | Schwerbeton: | 1,60 |
| Ziegel: | 0,28 | Kalkstein: | 1,20 | Bimsbeton: | 1,40 | Zementmörtel: | 2,50 |
Das heißt beispielsweise, daß Kalkmörtel um den Faktor 10 besser austrocknet als Zementmörtel, Ziegel etwa um den Faktor 4 besser als Porenbeton.
Ein nasses, z. B. frisch vermauertes oder im Hochwasser oder mittels leckenden Rohrleitumngen abgesoffenes Ziegelmauerwerk trocknet also beispielsweise aus:
17,5 cm: 86 Tage, 24 cm: 161 Tage, 30 cm: 252 Tage, 36,5 cm: 373 Tage, 49 cm: 672 Tage!!!
Berechnen Sie mal selbst, was das für die anderen Baustöfflein bedeuted. Da guckste, wa? Und brauchst Zusatzheizung, um hier nachzuhelfen. Früher taten das "ärmere" Schichten, die dafür notfalls sogar umsonst Brennholz erhielten, um Neubauten "trockenzuwohnen". Heute geht das natürlich umgekehrt. Da macht man den unterprivilegierten Mieterschichten die Buden hausbesitzerseits möglichst dicht, bis sie drin ersoffen, erstickt und weggeschimmelt sind.
Es ist also aus Sicht der Austrocknungsbeiwerte ganz besonders schlau, Ziegel mit Zementmörtel zu vermauern. Das ist typisch DIN, sicherer kann man Frostschäden nicht vorprogrammieren: erst reißt die Zementfuge wegen höherer Wärmedehnung von den Steinflanken ab, dann saugt sie kapillar Wasser ein, dann läßt sie kaum mehr raus und zwingt den Stein zu Feuchtestau und mühseligster Trocknung, die winters oft vom Frost überrascht wird. An porosierten Steinen im Klebmörtelbett sieht man das regelmäßig kurze Zeit nach Erbauung. Die Wärmedehnungen reißen logischerweise auch gleich den Putz mit durch. Praktisch ist der nässespeichernde Baustoff zum Feuchte- und Frostschaden bauphysikalisch verurteilt. Das zeigen auch folgende Tabellenwerte nach Eichler zu in Kühlhäusern der DDR gemessenen Feuchtewerten (Auszug, ergänzt mit Lehm nach Prof. Schulze):
| Baustoff |
Dichte [kg/m3] |
Durchschn. Feuchtegehalt in Masseprozent [M-%] |
| Ziegel in Außenwänden |
1800 |
0,6 |
| Hochlochziegel |
1400 |
1,0 |
| Lehm |
400-800 |
2,5-4,5 |
| Stahlbeton |
1800 |
2,5 |
| Gasbeton |
</= 800 |
4,5 |
| Innenputz Kalkgipsmörtel |
1400 |
2,0 |
| Weichholz |
500 |
12,0 |
| Mineralfasermatten |
100 |
5,0 |
| Polystyrol-Schaumplatten |
15 |
13,3 |
Wer kennt eigentlich noch nicht die abgesoffenen Dämmstoffschichten? Und aus den bei Kühlhäusern innen angebrachten Dämmschäumen entstand ja im Zusammenhang mit der von den Ölverkäufern gepuschten "Ölkrise" die Idee, die aus Öl hergestellten Schäume außen auf die Buden draufzuklatschen. Nun werden diese Schäume/WDVS eben außen naß, vergrünen, verschwärzen und verschmimmeln. Ohne irgendwelche Energie zu sparen, das beweisen z.B. dieses Experiment und diese Abrechnungsergebnisse. Im Gegenteil: Dämmpakete außen verringern den Solarenergieeintrag in die Massivwand. Das kostet zusätzliche Heizenergie!
Themenlinks:
Prof. Weinspach: Gerade
alte Bauten mit dicken und schweren Wänden schneiden bei
Vergleichen des Energiebedarfs mit "sehr gut" ab
Bestätigung aus Finnland, daß Mauerwerk viel besser ist, als
ein k-Wert je rechnen kann: Impact
of the Exterior Wall Structure on the Energy Efficiency of Building
- in Deutsch dank Kollege Bumann: http://www.dimagb.de/info/bauneu/mbbph2.html
Wie unerfreulich für die Praxis das normgläubige, aber falsche Vorgehen bei der Konstruktion von Dämmbuden war, ist folgender Seminareinladung (11.-12.10.2000) des e.u.z - energie+umwelt zentrums am Deister, Springe zu entnehmen:
"Feuchtemanagement
... Praxis-Seminar mit Dr.-Ing. Hartwig Michael Künzel
... Inhalt
Dampfdichte Bauteile haben sich als besonders schadensanfällig erwiesen, da sie unplanmäßig eingedrungene Feuchte im Inneren gefangen halten. Die Feuchte sollte deshalb weder aus- noch eingesperrt werden, sondern sich in angemessenem Umfang in Gebäude und Bauteilen bewegen können. Was angemessen ist, bestimmt die Feuchtebilanz und die maximal tolerierbare Feuchtebelastung. Deshalb muß das Austrocknungspotential im Laufe eines Jahres größer sein als das Befeuchtungepotential. Außerdem dürfen bestimmte Grenzwerte von Feuchte und Temperatur nicht überschritten werden, um die Gebrauchstauglichkeit eines Bauteils nicht zu gefährden.
Die bislang übliche Praxis, die gemäß DIN 4108-3 ausschließlich die stationäre Dampfdiffusion unter vereinfachten Randbedingungen berücksichtigt, bietet in vielen Fällen keinen ausreichenden Schutz gegen Feuchteschäden. ..."
Das schreibt auch Prof. Dr.-Ing. Claus Meier, Nürnberg, Mitglied im Beirat für Denkmalerhaltung der Deutschen Burgenvereinigung e.V., seit vielen Jahren an das DIN und in der Fachpresse. Tausende Häuser und vor allem Dämmbuden mußten verschimmeln und verpilzen, ihre Bewohner erkranken, ihre Erbauer und Planer strafrechtlich belangt werden, bis der stationäre Wahn des Normenausschusses nun öffentlich eingestanden wird. Wann wird die Wärmeschutz-DIN 4108, voll von derart katastrophalen Irrtümern, insgesamt kippen? Natürlich nie. Man weiß ja, wer im Normenausschuß regiert.
Lesen Sie die Normeinsprüche und zugehörigen Schriftwechsel Prof. Meiers:
DIN 4108
Teil 2 Kurzfassung
Getürkte Bauphysik?
Teil 3
| Bauteil, Art der Leistung | Instand- setzungs- intervall |
Kosten | Jahre | Kosten nach 80 Jahren [inkl. Neben- kosten + Ust Inflation 2%] |
Kosten im Jahresdurch- schnitt |
|||||||||||||||
| Außenwände | [Jahre] | [EUR/m²] | 5 | 10 | 15 | 20 | 25 | 30 | 35 | 40 | 45 | 50 | 55 | 60 | 65 | 70 | 75 | 80 | [EUR/m²] | [EUR/m²] |
| Außenwand mit Verblendmauerwerk | 284,73 | 3,56 | ||||||||||||||||||
| Verfugung ausbessern | 20 | 7,67 | . | . | . | x | . | . | . | x | . | . | . | x | . | . | . | x | 89,10 | 1,11 |
| Gerüstvorhaltung | 20 | 7,67 | . | . | . | x | . | . | . | x | . | . | . | x | . | . | . | x | 89,10 | 1,11 |
| Mauerwerk säubern | 40 | 15,34 | . | . | . | . | . | . | . | x | . | . | . | . | . | . | . | x | 106,53 | 1,33 |
| Außenwand mit Standardputz (mit Anstrich) | 566,36 | 7,08 | ||||||||||||||||||
| Neuer Anstrich | 15 | 25,56 | . | . | x | . | . | x | . | . | x | . | . | x | . | . | x | . | 333,09 | 4,16 |
| Putzausbesserung | 15 | 10,23 | . | . | x | . | . | x | . | . | x | . | . | x | . | . | x | . | 133,32 | 1,67 |
| Gerüstvorhaltung | 15 | 7,67 | . | . | x | . | . | x | . | . | x | . | . | x | . | . | x | . | 99,95 | 1,25 |
| Außenwand aus Holzständerwerk mit Holzschalung | 650,47 | 8,13 | ||||||||||||||||||
| Streichen | 5 | 5,11 | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | 205,92 | 2,57 |
| Gerüstvorhaltung | 5 | 7,67 | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | 309,63 | 3,87 |
| neue Holzschalung | 50 | 51,13 | . | . | . | . | . | . | . | . | . | x | . | . | . | . | . | . | 134,92 | 1,69 |
| Außenwand mit Wärmedämm-Verbundsystem | 1.314,05 | 16,43 | ||||||||||||||||||
| Reinigung und Pflege | 5 | 7,67 | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | 309,63 | 3,87 |
| Gerüstvorhaltung | 5 | 7,67 | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | x | 309,63 | 3,87 |
| Putzausbesserung | 10 | 7,67 | . | x | . | x | . | x | . | x | . | x | . | x | . | x | . | x | 162,21 | 2,03 |
| Neues WDVS | 40 | 76,69 | . | . | . | . | . | . | . | x | . | . | . | . | . | . | . | x | 532,58 | 6,66 |