Altbautaugliche Verfahren und
Baustoffe1. Einführung
Als Deckmaterial an Alt- und Neubau finden wir regional und je nach Eindeckzeit die unterschiedlichsten Deckmaterialien und Dachkonstruktionen. Sie sind der lokalen Verfügbarkeit und Mode, aber auch dem Gesetz des Preise unterworfen. Falsche Entscheidungen können hier besonders schwere Folgen haben, denn das geizfüchsige Geilsparen des deutschen Dimpfels bei der Materialauswahl einerseits, seine Großmannssucht und kleinstbürgerliche bzw. protzenhafte Geschmacksverirrung bei der Auswahl der Dachkonstruktion und des Deckmaterials haben nicht nur bautechnische und ästhetische Folgen, sondern können auch Menschenleben kosten. Was hat sich eigentlich dauerhaft bewährt - aus technsicher, wirtschaftlicher und ästhetisch-gestalterischer Sicht? Na klar, Sie haben es geahnt, was jetzt kommt: Vor allem naturrote Tondachziegel und kalkarmer Naturschiefer, in der Verwendung, Tauglichkeit und Dauerstabilität nachrangig auch verschiedene Bleche, etwas mehr eingeschränkt dann Stroh/Rohr und Holzschindeln. Gerade Tondachziegel zeigen durch jahrhundertelange Verwendbarkeit, beste bauphysikalische Eigenschaften und einfache Reparaturfähigkeit, was ein guter Baustoff alles kann. Früher konnten sich gute Tondachziegel nur feiste Äbte und dicke Bischöfe, schnöselige Kaiser, Könige und Fürsten, vielleicht auch noch eingebildete Landadelige leisten, heutzutage eigentlich jeder Bauherr. Doch auf den warten heute auch ganz andere Deckbaustoffe ...
Wie hält ein Dach, egal mit was gedeckt, möglichst lange? Die Antwort ist einfach: Wenn nur die Dachkonstruktion gut von unten her austrocknen kann und die Dachneigung ausreichend steil ist. Früher lernte man: jedes zusätzliche Grad Dachneigung verlängert die Lebensdauer des Daches um x Jahre. Nicht nur, damit der Regen schneller abfließt. Schauen Sie mal genau, wie in der Übergangszeit flachere Dachpartien z.B. im Aufschieblingbereich oberflächlich bereift sind, während die steileren Flächen trocken bleiben. Grund: Je flacher, umso mehr Abkühlung zum eisigen Nachthimmel. Natürlich auch umso heißer im Sommer. Und umso mehr Kondensat wandert im ganzen Jahr in die Konstruktion ein. Den Gipfel des "modernen" Konstruktionsblödsinns in dieser Hinsicht, das Flachdach auf Folienbasis, wollen wir hier nur nebenbei - doch ausreichend kritisch - streifen.
Leider haben der moderne Planer, aber auch Bauherr und sogar Dachdecker ganz und gar vergessen, daß ein Dach möglichst gut gegen Feuchte schützen soll. Ein Flachdach kann das wegen seiner extremsten Exposition gegenüber UV und Regen, aber auch gegen abkühlenden Nachthimmel mit weit über 100 Minusgraden hierzulande am schlechtesten. Und je flacher das "Steildach", desto mehr Lastfall. Gesteigert wird das noch durch bauphysikalisch unvorteilhafte, weil entweder wasserrückhaltende (z. B. Betondachstein) oder mangelhaft speicherfähige Deckmaterialien wie Blech (hohe Wärmedehnung belastet Dichtheit der Verbindungen, Korrosion!), Zement-Faser (oh, oh, wat sagt die Lunge?)-Plättchen oder -wellen (die dann an Wellenberg und -tal aufreißen - wegen zu großer Bewegungsfreude bei Temperaturwechsel), die ebenso wie unzureichend speicherfähige Wanddämmsysteme nächtens ruckzuck auskühlen und dann allseits zum Kondensator für Luftfeuchte werden. Dat tropft! Schön auch, wenn vorher fest angefroren und morgens die Sonne daherkommt und taut. Feuchteschäden ohne Ende. Weils halt kein Ziegel sein durfte.
Ein besonders grausamer Witz, der die moderne Dacheuphorie wieder mal sehr dämpft, spielt sich am UV- und
lichdurchlässigen Foliendach über dem Stadion (neuerdings "AWD Arena") von Hannover 96 ab: Dort stoßen
die lichtsuchenden Insekten von unten an das High-tech-Material und locken damit Krähen an. Und diese picken nun
in ihrer übergroßen Beutegier dolle Löcher durch die besonders reißfest-stabile Folie auf sage
und schreibe 15.000 qm. Ergebnis: Es schüttet lokal durch das Dach, wo sich das Wasser sammelt, ansonsten
tröpfelt und sprenkelt es. Das erfrischt. Dennoch: Man stopft und flickt und picht die Löcher mit Flicken,
man beschallt um zu vergrämen - hilft alles nicht so recht. Man überlegt, Greifvögel über dem
Stadion auszusetzen, Beschallungsanlagen laufen, an die sich die schlauen Krähen freilich schnell gewöhnt
haben und nicht von ihrem bösen Löchern ablassen. Da entdeckt Stadionchef Schnitzmeier den Abschuß als
ultima ratio. Und der Naturschutz? ""Das sind an sich jagdbare Tiere, nur Kolkraben und Saatkrähen stehen unter
Artenschutz", sagt Gerhard Meyer von der zuständigen Naturschutzbehörde, der Region Hannover." lt. Hannover Allgemeine
Zeitung HAZ vom 24.4.2007: "Krähenangriff auf die AWD-Arena" Ja, Freunde des runden Leders, da wird es nun bald
städtische Schützenfeste geben, an denen sich die 96er ein dolles Beispiel nehmen können. "Samiel!",
hätte da der Freischütz gerufen. Und wir sind schon mal gespannt, ob nun neuerdings die Stadtjagdsaison
eröffnet wird, wo es doch sonst nur durch Wiese, Wald und Busch gehetzt wird. Wie auch immer: Weidmanns Heil!
Nachtrag: Jagdsaison abgeblasen, am 18.5.07 verlautbart die Neue Presse Hannover, daß nun der geniale
Vergrämungstrick von Egon Müller (77) aus Burgwedel gefunden sei: Krähenmumien bzw. Atrappen sollen
beweglich über dem Stadiondach aufgehängt werden - selbstverständlich unsichtbar für die Besucher:
"Zwischen den Außenmasten des Stadions oder an Fahnenstangen auf dem Dach will Müller tote Krähen - für Fans
und Spieler möglichst unsichtbar - wie an Wäscheleinen aufhängen." Die mumifizierten Krähenwedel
des Burgwedeler sollen die anfliegenden Krähen dann krähftig verschrecken. Und nicht die Beutelust, sondern
deren eigenes Spiegelbild soll die darob empärten Krähen zum Angriff auf die Glanzhaut der Stadions
aufmuntern. Ob das grausig krähenmumienbestückte Stadion den 96ern als modernes Bauopfer-Ritual viel
Glück und Punkte bringen wird? Totem und Magie? Manitou hilf! Oder besser Hugin, Munin und Wotan/Wodan/Odin
persönlich?
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