(überarbeitete Fassung eines Vortrages in Kühlungsborn bei den 8. Hanseatischen Sanierungstagen des Feuchte
und Altbausanierung e.V. 11/97, in Bonn bei der Jahrestagung der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland,
Sektion C - Bautechnik 6/99, bei der Studientagung auf Burg Runkelstein, Bozen am 25. Oktober 1996, auf der Tagung der Deutschen
Burgenvereinigung e.V. 1999 auf der Kaiserburg Nürnberg, mit Abbildungen veröffentlicht in: H. Venzmer (Hrsg.)
Bautenschutzmittel, Verlag für Bauwesen Berlin 1997; in: Udo Mainzer (Hrsg.):
Politik und Denkmalpflege in Deutschland, Jahrestagung der
Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland, Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 53, Rheinland-Verlag,
Köln 2000; in: Südtiroler Burgeninstitut (Hrsg.): Burg Runkelstein - Castel
Roncolo, Erhalten und Gestalten von Burgen und Schlössern, Studientagung auf Burg Runkelstein am 25. Oktober 1996,
Verlagsanstalt Athesia Bozen 2001 und in aktualisierter, reich bebilderter Version 2003
hier)
Planauszüge und Fotos: Konrad Fischer, Hochstadt a. Main (soweit nicht anders angegeben)
Nicht durch Macht werden die Dinge erhalten,
sondern durch Klugheit. Dr. Martin Luther
Mephistoteles (gemütlich): Du weißt wohl nicht, mein Freund, wie grob du bist.
Baccalaureus: Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist. Johann Wolfgang von Goethe, Faust Teil 2; Akt 2
Zusammenfassung
So gut wie immer fehlt beim Bauen und Sanieren das Geld, um richtig im Luxus schwelgen zu können. Soll eine Altbausanierung mit
Umbau, Modernisierung und Instandsetzung kostengünstig sein, bilden die vergleichbaren Neubaukosten das äußerste Limit.
Die Schmerzgrenze liegt bei ca. 2.500.--EUR/qm. Das entspricht ca. 500 EUR/cbm.
In vielen Fällen führt das "Handwerker-Bauen" aber zu Kosten, die für die Bauherrschaft, besonders aber die junge Familie
schlichtweg irreal sind.
Dann heißt es Kosten sparen bis zu einer Schmerzgrenze, die der fast leere Beutel diktiert. Bei der Planung und weit mehr noch beim
späteren Bauen müssen dann Abstriche gemacht werden: das berühmte "Streichkonzert".
Doch auch und gerade dafür ist geschicktes Vorgehen, technische und organisatorische Erfahrung spielentscheidend. Denn
selbstverständlich lebt die Baubranche am vorzüglichsten genau vom sparwütigen Bauherrn. Niemand schmeißt weiter mit
dem Schinken nach der Wurst, genau der ist am einfachsten für alle Teurungskonzepte der Baubranche zu gewinnen. Denn er will ja
trotzdem !Qualitäte" für sein schönes bißchen Geld. Und die wird ihm hochglanzmäßig beigebracht, egal,
was dann wirklichd raus wird.
Je mehr ein unterfinanzierter Bauherr an der Bauvorbereitung - der kritischen Auseinandersetzung mit den Bauschäden und dem
Baubedarf - spart, umso besser für all die Nachtragsprofis. Die Planer verdienen genau für die eingesparte Arbeit besser, da
sie an den Baukosten beteiligt sind - HOAI-vertraglich und/oder dank der Begünstigung der Baustoffproduzenten und Bauunternehmen,
Baufirmen und Handwerkern, die erst mal keine Kostensteigerung mittels Austausch statt Reparatur auslassen und dann obendrein aus jeder
Nachtragsmöglichkeit im Bauablauf das Beste rausholen. Je besser ihr Verhältnis zum Planer, umso mehr. Wobei die Baufirmen
für die Kostenexplosion auch gerne selbst die Voraussetzungen schaffen: durch erneuerungswütige, nur überschlägige
oder bewußt lückenhafte Angebotsaufstellung. Oder eben durch professionelle Nachtragsspekulation auf unvollständige
Ausschreibung des Sparplaners.
Es ginge aber auch anders: Die aufeinander aufbauenden Projektstufen:
- technische Bestandsaufnahme durch detailliertes Aufmaß, Raumbuch- und Holzlistensystem,
- gewerkweise Kostenberechnung und -steuerung,
- bestandsgerecht sparsame Reparaturtechnik mit gewerkweiser und firmenneutraler Leistungsbeschreibung im
Positionsbausteinsystem sowie
- ein kosten- und bautechnisch optimierter Vergabe- und Bauablauf
können den budgetgerechten Erfolg auch im Altbau sicherstellen. Dabei gibt es freilich ausreichend Abstufungsmöglichkeiten
auch für das knappe Budget und den Selbermacher mit viel Eigenleistung und Muskelhypothek nach dem Motto "Do-It-Yourself".
Voraussetzung sind aber immer drei Planungsprinzipien: "Erhalten statt Erneuern", "Einfach und handwerklich bauen statt Industrie-DIN
und -Bauphysik" sowie "Bestands- und gesundheitsverträgliche Baustoffe statt Chemiewaffenangriff mit undeklarierten Giften und
industriellem Baupfusch".
Auf feuchte- und schimmelgefärdeten Dämmstoff-Verbau auf, vor und unter dem Haus, an der Fassade, als
Zwischensparrendämmung oder Aufsparrendämmung, auf den Totalaustausch aller alten Fenster egal welcher Bauart, auf
subventionierte "ÖKO"-Energie aus Sonne und Wind und auch auf luxuriöse Stahlglaskisterl, überdichte und überfeste
Fassadenhäute kann der kostenbewußte Bauherr bei knappem Budget mit ruhigem Gewissen verzichten.
"Studiert man die Bauakten der großen Kirchen, Schlösser und Burgen, so stellt man fest, daß in vielen
Fällen die letzten systematischen Instandsetzungsarbeiten in der Zeit um 1900 durchgeführt worden sind. Der Erste Weltkrieg,
die Wirren der Zeit danach mit Weltwirtswchaftskrise, Inflation und erneuter Aufrüstung, dann der Zweite Weltkrieg mit seinen
furchtbaren Zerstörungen und die anschließende Notzeit sowie die große Kraftanstrengung des Wiederaufbaus verhinderten
die kontinuierliche Pflege der erhaltenen Baudenkmale. [Nach den durch das Europäische Denkmalschutzjahr 1975 und den ab 1990 in
Mitteldeutschland ausgelösten Versuchen, die Vernachlässigung der Baudenkmale aufzuholen] gerät das Rettungswerk ins
Stocken. Zugleich zeigen sich in den westdeutschen Ländern zunehmend gravierende Schäden an Kirchen, Schlössern,
Rathäusern, Bürgerbauten und Bauernhäusern. Dies liegt an einem eklatanten Mangel an finanziellen Mitteln für eine
gründliche Instandsetzung." - so Professor Dr. Dr.-Ing. e. h. Gottfried Kiesow in "Was geschieht - wenn nichts geschieht?"
Monumente 5/6-2006.
"Große Städte schämen sich ihrer Arbeiterkultur wie einer schmutzigen, unsittlichen Herkunft. Die Erinnerung an die
engen, überbevölkerten Quartiere, in denen die Menschen lebten, die den Wohlstand der Stadt erarbeitet haben, wurden im Laufe
der Stadtplanungsgeschichte erst hinter Prachtfassaden versteckt, dann Schritt für Schritt ganz zerstört. Baron Haussmann in
Paris, der erst mit dem Lineal Boulevards durch die verwinkelte Altstadt zog, um dann auch die historischen Blöcke abzureißen,
hatte es Mitte des 19. Jahrhunderts vorgemacht. Ihm folgten Legionen von Stadtplanern, mal eher feudal, mal eher revolutionär
denkend, mal faschistisch, mal bürgerlich-modern geprägt, die mit den immer gleichen hygienischen und pseudo-sozialen
Argumenten die Geschichte der Stadt entsorgten. Das unverfängliche Wort für dieses schlechte Gewissen des Reichtums heißt
von jeher "Sanierung." Doch wie alle Schamvokabeln sagt es nicht das aus, was es meint." - Till Brieglieb in "Stadt der
Tiefgaragen. Hamburg ruiniert das urbane Gängeviertel - und nennt das "Sanierung"" Süddeutsche Zeitung Nr. 95 / Seite 13,
Samstag/Sonntag 25./26. April 2009
Der Architekt zwischen Alt- und Neubau -
ein technischer und wirtschaftlicher Drahtseilakt
Wem soll man diese Sanierung eigentlich anvertrauen? Dem Alles-Neu-Handwerker? Dem Stahltonnagenstatiker?
Oder vielleicht doch dem bestandserhaltenden Reparatur-Architekten?
Wohnen und Wirken, Soziales, Sakrales, Kultur und Gewerbe - Altbauten sind für viele Nutzungen geeignet und bieten als Immobilie
schlagkräftige Vorteile: Lage, Bestandsbaurecht, Bauqualität, vorzeigbare Fassade und stimmige Atmosphäre, bei
großzügigem Zuschnitt leicht modernisierbar auch für neueste Technik, bestens vermietbar, gute Mieterbindung und
langfristig vorteilhafte Investitionsanlage - es gibt viele Gründe, Altbauten instandzusetzen und zu modernisieren. Immer kostet das
originale Bausubstanz.
Was sich Deutschlands Nachkriegsaufbau hierbei geleistet hat, spottet allerdings jeder Beschreibung. Die Zerstörung unserer einst
werthaltigen Gesellschaft geht auch auf das Konto unmenschlicher Utopien der Menschenverbesserer. Autogerechte Stadt, Licht und Luft und
Käfighaltung, entwohnte, unwirtlichste "Altstädte", Zerstörung des Kulturerbes bis ins kleinste Detail - ohne Anschauung
des Erhaltungswertes, ohne Versuch der oft simpelst realisierbaren Neunutzbarmachung - zugunsten menschenfeindlichster Klötze und
Versorgungsstrukturen, die nun alle miteinander betonmäßig zerbröseln und beim unvermeidbaren
Einsturz hin und wieder weitere Menschenleben kosten. Überteure und pfuschig-moderne "Sanierungen" rückten dem verbliebenen
Altbaubestandsubstanzgefährdend auf den Leib. Und wie geht es heute weiter? Energiesparpunkte wollen lukriert sein, KfW-Kredit-
und Zuschuß-Pakete verdient. Dafür ist jeder Plunder recht, mag er auch noch so sinnlos sein, Substanz gefährden, Energie
vergeuden, Mehrkosten ohne Ende in Kauf nehmen, das Haus ertränken und die Bewohner im Mief ersticken lassen. Deutschland ist dank
Ökoarchitektur wieder mal Weltmeister - bei den ca. 10.000 Kinderasthmatoten im Jahr.
Konrad Fischer: Fassaden energetisch richtig und kostensparend sanieren 1
Natürlich wird ein Altbau als Baudenkmal nicht so einfach allen Veränderungswünschen gerecht. Der Denkmalschutz hat
eben auch wertmindernde und einschränkende Folgen - das sei hier nicht schöngeredet. Denkmalschutzauflagen können auch
finanziell schmerzen. Die Instandsetzungskosten an Baudenkmalen sind teilweise höher als an normalen Altbauten - durch die
kostentreibenden Auflagen der Denkmalschutzbehörde. Selbstverständlich sind auch die Aufwendungen für das Instandhalten
und den üblichen Bauunterhalt sowie das Bewirtschaften bei vielen Baudenkmalen höher, als "normal". Ungünstige
Nutzungsbeeinträchtigungen können bei Baudenkmalen nachhaltig den Ertrag mindern - sowohl bei der Wohnungsvermietung als auch
bei der gewerblichen Nutzung / Verpachtung.
Letztlich führen Denkmalschutzauflagen auch zu einer Minderung des Verkehrswertes des betroffenen Grundstücks. Die schon
genannten Nachteile, die schlechtere Ausnutzung des bebauten Grundstücks, die Beibehaltung der veralteten Bauweise, eine
auflagenbedingte Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten und Umnutzungsmöglichkeiten und auch ein Abrissverbot wirken hier
als bekannte Minderungsfaktoren. Nur in seltenen Fällen können Denkmalzuschüsse alleine die Nachteile ausgleichen.
Doch andererseits - und hier schweifen wir mal kurz ab ins deutsche Erbrecht mit einer Erbschaftssteuer, die weltweit ihresgleichen
sucht - kann die Denkmaleigenschaft durchaus Vorteile beim Vererben bringen. Richtig angesetzt und begründet, garniert mit einer
sachgerechten Ermittlung des meist gegebenen Instandsetzungsstaus und Instandsetzungsbedarfs, um zumindest die bestehende Nutzung weiter
aufrechtzuerhalten, kommen Wertminderungen bei der Berechnung des Ertragswerts zustande, daß es dem Finanzamt graust. Dabei kann es
durchaus um bedeutende Beträge bis in den Millionenbereich gehen, wie entsprechende Fälle zeigen. Wobei es darauf ankommt:
Ein perfektes Zusammenspiel eines Sachverständigen für die Wertermittlung von bebauten Grundstücken sowie eines
Bausachverständigen, der den oft immensen Sanierungsbedarf schlüssig - und das heißt letztlich im vom Finanzamt gerade
noch akzeptablen Rahmen - darstellen kann. Und dann hat der Erbe einer denkmalgeschützten Immobilie - in gewissem Umfang freilich
auch jedes anderen instandsetzungsbedürftigen Altbaus bzw. Gebäudekomplexes eine gute Chance, beim Erben gerade von
Gewerbeimmobilien (Mietwohnung, Bürogebäude, Produktionsgebäude, Lagerhalle, Gaststätte / Restaurant, Hotel usw.)
nicht das Erbe seiner urgermanischen Vorfahren anzutreten:
Wenn der in seinem Leben reichgewordene Germane starb, wurde seine Fahrhabe inkl. Pferd, Wagen und Waffen im Grabhügel versenkt,
der Rest verbrannt und das Geld auf der Trauerfeier so lange verfeiert, bis es weg war. Das war die Voraussetzung für die
germanische Gleichmacherei, die bis zum erst christlich eingeführten Anhäufen des Vererbten - ein fetter Teil
selbstverständlich für die Kirche um Jesu und der ewigen Seligkeit willen - für sehr demokratische
und urkommunistische Verhältnisse in den germanischen Stämmen sorgte. Vorbei - Gottseidank?
Oft stellt sich dem unbefangenen Betrachter also die Frage, ob es mit oder ohne Denkmalamt und Denkmalpflege besser gelingt, ein
Bauvorhaben an einem denkmalverdächtigen oder gar schon unter Denkmalschutz stehenden Haus durchzuführen - soll man den
schlafenden Denkmal-Löwen also wecken oder nicht? Sind die Sanier-Kosten /qm (m²) bzw. pro cbm (m³) für eine
denkmalgerechte und bestandsgerechte Instandsetzung höher, wenn die Denkmalbehörde am Verfahren beteiligt wird?
Ich will Sie nicht weiter auf die Folter spannen: Nach meiner Erfahrung an über 450 geplanten und kostengerecht abgerechneten
Sanierungsvorhaben an Baudenkmalen war es zu 99,9 Prozent besser, oft sogar die einzige Rettung, MIT DER DENKMALPFLEGE das ruinöse
und morsche Schiff in den sicheren Hafen zu bugsieren. Sogar bei der Sanierung der Fassaden, Balkone und Dächer am Rathaus in Bremen
gelang das in überzeugender Weise, obwohl ansonsten gerade bauamtbetriebene Rathaussanierungen für extreme Kostensteigerungen
gut bekannt sind.
Voraussetzung der budgetgerechten und kostensicheren Denkmal-Sanierung waren ein Bauherr, der die Denkmalpfleger nicht als geborenen
Feind betrachtete, sondern dem Prinzip jeder qualifizierten Denkmalpflege folgte: Erst Voruntersuchen, dann Planen, dann Bauen.
Natürlich liegt das zentrale Problem nicht unbedingt nur bei der Finanzierung des Bauvorhabens, sondern bei der Voruntersuchung der
alten Bausubstanz. Sie muß in der Lage sein, die zentralen Schwachpunkte und gleichzeitig die günstigsten Methoden für
deren Sanierung in ausreichendem Umfang zu entdecken. In einem Satz:
Die Voruntersuchung muß sich am Planungsbedarf und Baubedarf ausrichten.
Sonst scheitert sie, hinterläßt nur Löcher und Papiermüll und produziert mit angeblich unvorhersehbaren
Nachträgen, die eine für die umfangreiche Baumaßnahme und Generalsanierung angemessene
Bestandsaufnahme mit maßnahmenbezogener Schadensermittlung und ausreichender Bemusterung jederzeit
entdeckt hätte, eine Kostenexplosion, die im Finanzchaos und leider oft auch Baupfusch endet. Gerade das öffentliche Bauen
für Kirche und Staat ist dafür - und viele weitere Mißbrauchsmöglichkeiten - berühmt.
Um das zu vermeiden, muß die Voruntersuchung mit einem zielgenauen Untersuchungsprogramm auch die zunächst
verdeckten Schäden und den Maßnahmenbedarf so komplett wie nur möglich feststellen. Auch im genutzten Bestand.
Und sie muß einmünden in einer Bemusterung der zentralen Sanierungsalternativen. Nur daraus ergibt sich eine technisch
einwandfreie, wirtschaftliche und kostensichere Planung, bei der sich der Bauunternehmer an den Nachträgen nicht allzusehr
bereichern kann:
Was da blüht?
Aus der Lieblingslektüre des erfolgreichen Bauunternehmers - Seite 44: " ... Ist der Auftrag dann im Hause,
läuft das wichtigste Instrument des Unternehmers warm,
das Nachtragsmanagement,
um aus jeder Schwäche der Ausschreibung,
aus jeder tatsächlich oder vermeintlichen Änderung ... "
Wer es noch genauer wissen will, bitteschön, eine klitzekleine Auswahl aus der unübersehbaren Literatur für Bau- und
Nachtragsprofis wie Sie:
Obwohl das nun alles doch nichts Neues sein dürfte und eigentlich selbstverständlich ist, zeigen viel zu viele Sanierungen von
Altbauten, daß genau diese kostensichere Planung nur selten gelingt. Und zwar, weil sowohl der Auftraggeber wie auch der Planer
fachlich unterqualifiziert sind und genau deswegen am falschen Ende sparen. Nicht die Handwerker sind also schuld, wenn später in
der Bauphase die Kosten weglaufen oder gleich explodieren: Auch dieser Fisch fängt am Kopf - und nur dort! - zu stinken an.
Beispiele dafür gibt es genug. Und selbstverständlich kann auch die Denkmalpflege - soweit ohne
Augenmerk auf die denkmalgerechte Vorplanung - ein Totalausfall im Hinblck auf die Kostensicherheit sein. Denn auch in
Denkmalbehörden laufen genug Leutchen - obzwar doktoriert, magistriert und diplomisiert - herum, die zwar das Herumdoktern an
Baudenkmälern beherrschen, von den planungstechnischen und bautechnischen Voraussetzungen einer kostensicheren Denkmalsanierung aber
viel zu wenig verstehen. Und dann schnappt die Kostenfalle durch überteuertes Bauen, und
falsche, da durch begünstige Hersteller / Handwerksfirmen korrumpierte Planung eben auch trotz und wegen
Mitwirkung der Denkmalpflege und unter ihren wohlwollenden Augen zu. Doch zurück zum Denkmalpfleger-Lobpreis:
Wer die Verteuerung seiner Altbausanierung durch den Brandschutz fürchtet, kann hier und da mit Hilfe der Denkmalpflege dem
teuerst verwüstenden Wirken durch Brandschutzauflagen Einhalt gebieten, wo ansonsten jedes Einspruchsverfahren am Baurecht scheitern
muß. Hin und wieder kann die Denkmalpflege sogar auch eine Umkehr des Bauherren bewirken, der zu seinem finanziellen Schaden oft
genug von seinem Hochmut, seinem Planer und seinen Handwerkern in maßlos teuere Erneuerungswut getrieben wird.
Doch natürlich kommt es zur Gewinnung der Denkmalpflegevorteile sehr drauf an, den gestrengen Herrn Denkmalkonservator / die landauf
und -ab gräßlich verschrieene doktorierte Denkmalpflegerin durch etwas Diplomatie, Planungsverstand und viel guten
eigentümerseitigen Willen nicht schon beim ersten Aufeinanderprallen gleich lebenslänglich zu vergrätzen, sondern eben zum
besten Freund / zur besten Freundin des Denkmals und seines geplagten Besitzers aufblühen zu lassen. Dann - und eben nur dann! -
kann auch das Unmöglichste möglich werden - die 100prozentige Förderung und das Nachgeben in allen Dingen, um es mal
spaßig ins Utopische zu treiben ;-)
Allerdings dürfen wir leider, leider auch immer wieder und wieder das krasse Gegenteil zu meiner Lobhudelei lesen, zum Beispiel am
Montag, den 5. Juli 2010 im Lokalteil Lichtenfels der Neuen Presse Coburg unter der Überschrift "Bauabschluss zum Geburtstag".
Der Journalist Andreas Welz berichtet dort u.a.:
"Feststimmung im ... Schloss. Nach 17 Jahren ist die Sanierung abgeschlossen - pünktlich zum 70. Geburtstag des "Barons" ... Der
"Baron" ... beschrieb den Baufortschritt und die ausgeführten Arbeiten. Unter der Federführung von Architekt ... wurden die
Fundamente trockengelegt und eine Drainage im Hangebreich installiert. ... Die Fenster wurden nach denkmalpflegerischen Vorgaben erneuert.
... Der gesamte Außenputz wurde erneuert und mit barock-gelber Silikat-Fassadenfarbe gestrichen ... eine neue Pelletsheizung ...
installiert. ... "So können wir heute das Hauptgebäude wieder in einem vorzeigbaren Zustand präsentieren, was allerdings
durch mühselige Verhandlungen, Auflagen und Behinderungen seitens des Denkmalschutzes begleitet wurde", sagte er. Letztendlich
habe sich das Amt mit zehn Prozent an den Kosten beteiligt, aber rund 50 Prozent Mehrkosten verursacht."
Shock & Staun! Sowas habe ich jedenfalls in meinem ganzen Berufsleben noch nicht erlebt. Und ob vielleicht nicht vielmehr der radikale
Erneuerungsgrad bei dieser Rundumrenovierung nach Gutsherrenart der entscheidende Kostentreiber war? Hätte man nicht das
bröselig fäkalverschissene Sockelmauerwerk nur billigst entsalzen und danach mit preisgünstig selbergemischtem
Kalkmörtel ausbessern können, ohne teuere und oft sinnlose Mauertrockenlegung und Drainage,
möglicherweise mit wirkunsgloser Horizontalisolierung und trockenlegungsmißerfolgskaschierendem
superteuerem und treibmineralgefährdetem Sanierputz/Sperrputz gepaart? Aus zig Fällen ist auch bekannt, daß eine
Fensterreparatur immer wesentlich preisgünstiger als die Fenstererneuerung kommt, auch unter
Energiespargesichtspunkten. Und der alte Kalkputz hätte vielleicht auch nur an seinen paar Fehlstellen und Rissen harmlos
mit Luftkalkmörtel repariert und mit billigster Kalktünche neu gestrichen werden können,
anstelle hydraulisch-festen Neuputz auf das weich-luftkalkvermörtelte Barockmauerwerk draufzuzwiebeln und die Oberfläche dann
mit fest-dichtem Silikatanstrich zu vergewaltigen. Selbst bei der Heizungserneuerung sind in Fachkreisen
wesentlich preisgünstigere Lösungen bekannt als ausgerechnet die mit Holzhackschnitzelanlagen und Blockheizkraftwerken
unangefochten teueren und störanfälligen Pelletsheizungen, selbstverständlich auch und gerade unter Berücksichtigung
der Betriebskosten betr. Beschickung, Wartung, Störungsbeseitigung und Energiekosten. Nun, wenn sich also ein mit Geldmitteln
und Dienstboten reich gesegnter oder gar verwöhnter Bauherr für das Radikalerneuern und Luxusmodernisieren entscheidet, kann es
durchaus sein, daß sich der grundsätzlich für Erhaltungsaufwendungen und den sogenannten "denkmalpflegerischen
Mehraufwand" gewährte Denkmalzuschuß angesichts der dem hochherrschaftlichen Erneuerungswahn geschuldeten Mehrkosten
kläglich bescheiden ausnimmt. Doch ist das dann der Denkmalpflege anzulasten? Lassen wir diese Scherzfrage besser mal offen ...